"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."

"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"

(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)

29. September 2010

Zum Michaelsfest


Ich habe ein Mal aus dem Stundengebet des Michaelsfestes (8. Mai und 29. September) zusammengestellt, was eigentlich die Kirche selbst über den Erzengel Michael sagt. 
   Das erste ist, daß Michael der gottbestellte Seelengeleiter genannt wird: »Erzengel Michael, Ich habe dich bestellt zum Fürsten über alle Seelen, die aufgenommen werden sollen.« – »Gekommen ist Michael, der Erzengel, mit der Vielzahl der Engel: ihm hat Gott die Seelen der Heiligen übergeben, daß er sie hinführe in das Paradies des Jauchzens.« – »Der Engel Michael, der Erzengel: Gottes Bote zu den gerechten Seelen.« – »Dieser ist Michael, der Erzengel, der Fürst der Heerschar der Engel. Ihn ehren, verbürgt Gnadengeschenke den Völkern, sein Gebet führt hin zum Reich der Himmel.«
Das zweite ist Michaels Kampf mit dem Drachen (Offb 12, 7f.). »Da der Erzengel Michael mit dem Drachen kämpfte, erhob sich die Stimme derer, die riefen: Heil unserem Gott, alleluja.« – »Stille entstand im Himmel, da der Drache Krieg führte mit dem Erzengel Michael. Und es erhob sich die Stimme der Tausend, die riefen: Heil, Ehre und Kraft dem allmächtigen Gott!« – »Viel hohe Kunde von Michael, dem Erzengel, der, tapfer im Kampfe, den Sieg errungen hat.«
Ein anderes Attribut: »Michael, Du Hüter (praepositus) des Paradieses, den die Bürger der Engelreiche ehren.«
Helfer des Gottesvolkes: »Michael, der Erzengel, kommt zu Hilfe dem Volke Gottes; er steht, eine Hilfe, für die gerechten Seelen.« – »In jener Zeit wird Michael sich erheben, er wird stehen für Eure Söhne (Dan 12, 1): und es wird kommen eine Zeit, wie sie noch nicht gewesen ist, seit die Völker zu sein begonnen, bis heute.«
Michael als Fürsprech: »Da Johannes das heilige Geheimnis schaute, sang Michael, der Erzengel zur Tuba: Schenke Vergebung, Herr, unser Gott, der Du das Buch öffnest und seine Siegel lösest, alleluja!«
Der Engel des Endgerichts: »Das Meer ward erschüttert, und es erbebte die Erde, als Michael, der Erzengel, herabstieg vom Himmel.«
Und schließlich, im Hymnus zu den Laudes: »Engel des Friedens«, »Urheber heiteren Friedens.« (1942)
Josef Pieper: Notizen 1942-1948

26. September 2010

DOMINUS est

Gestern erzählte der Priester in der Predigt vom Brauch in einer hiessigen Pfarrei, in welcher der Priester mit der Gemeinde nach der Hl. Kommunion ein Gebet betet, Gott bittend, daß alle Partikel des Eucharistischen Herrn, die trozt aller Sorgfalt auf den Boden gefallen sein sollten ,durch die hl. Engel eingesammelt und auf diese Weise geborgen werden mögen. Wir könnten das wohl stellvertretend für alle praktizieren, wohl wissen, wie nachlässig ER oft behandelt wird, auf diese Weise Sühne leistend.

25. September 2010

Sophisten - Zeitgenossen

Ich versuche mir zum Beispiel vorzustellen, was wohl Sokrates auf das Argument der Vorländerschen Philosophiegeschichte geantwortet hätte, auf das Argument, daß der von Sokrates-Platon-Aristoteles tadelnde Beiklang des Namens »Sophist« mindestens für die ältere Sophistik (etwa Protagoras) unangemessen sei, weil diese Männer »sich bei der Mehrzahl der Gebildeten hohen Ansehens erfreuten«: Genau dies, der Erfolg bei den Vielen, macht ja, nach der Meinung von Sokrates und Platon, die Gefährlichkeit der Sophistik aus; und nichts ist leichter begreiflich als dieser Erfolg, gerade wenn man das Wesen der Sophistik auf die gleiche Weise versteht wie Sokrates und Platon (und sogar die Sophistik selbst, die sich ja als Kunst des Erfolges definiert). 

Beata Chiara "Luce" Badano

Zur Erinnerung, Ansporn und Grund zur Freude. 
Seit heute haben wir eine neue Selige: Chiara "Luce" Badano.



Am 19. Juli 1990 schreibt Chiara Badano an Chiara Lubich: „Die Medizin hat die Waffen gestreckt. Nachdem die Behandlung abgebrochen wurde, sind die Rückenschmerzen inzwischen so stark, dass ich mich fast nicht einmal mehr auf die Seite drehen kann. Ich komme mir so klein vor, und der Weg, der vor mir liegt, ist so steil. Oft habe ich das Gefühl, dass der Schmerz mich überwältigt. Aber das ist der Bräutigam, der mich besucht, nicht wahr? Ja, ich will mit Dir zusammen sagen: ‚Wenn Du es willst, Jesus, dann will ich es auch‘. Auch ich bin mir sicher: Mit ihm zusammen werden wir die Welt erobern.“

Chiara Lubich antwortet ihr postwendend: „Hab‘ keine Angst, ihm Augenblick für Augenblick Ja zu sagen, Chiara! Er wird dir die Kraft dazu geben; da kannst Du dir sicher sein! Auch ich bete dafür und bin immer dort bei Dir. Gott liebt dich über alles und er möchte bis ins Innerste deiner Seele vordringen und dich mit dem Himmel beschenken. Ich habe mir einen neuen Namen für Dich überlegt: Chiara Luce (Licht) – gefällt er dir? Er soll das Licht unseres Lebensideals ausdrücken, das die Welt erobert. Damit möchte ich Dir meine ganze Liebe und Nähe versichern...“

Man hatte ihr einen Schmerzkatheter gelegt, doch sie bat, dass man ihn wieder entfernte. Sie wolle kein Morphium oder hochdosierten Schmerzmittel. „Sonst habe ich keinen klaren Kopf. Und ich kann Jesus nur den Schmerz schenken. Etwas anderes habe ich nicht mehr.“

Chiara Luce Badano stirbt am 7. Oktober 1990. Sie hatte selbst die Lieder für ihre Beerdigung ausgesucht, den Blumenschmuck festgelegt und beschrieben, wie sie frisiert werden wollte. Ihre Mutter hatte sie gebeten, ihr ein weißes Kleid anzuziehen wie zu einer Hochzeit und hatte ihr gesagt: „Wenn Du mich dann fertig machst, dann sag Dir immer: Jetzt begegnet Chiara Luce Jesus. Freut euch mit mir!“


Quelle

Nicht Zuschauer - Mitspieler

Es besteht immer die Gefahr, daß man auf das Geschehen in und um die Hl. Mutter Kirche als Beobachter wie von außen schaut und bewertet (urteilen soll man ja nicht!). Daß dies aber die absolut falsche Position ist, von der aus das Weltgeschehen zu beobachten, zeigt uns Kardinal Meisner in diesen Worten.


"Wenn der Einstieg Gottes in die Welt Abstieg heißt, dann wird der Weg seiner Kirche ebenfalls Abstieg heißen müssen, um die Welt zum Aufbruch zu bringen. Die fortschreitende gesellschaftliche Schwächung der Kirche bei uns führt konsequenterweise ins Zentrum zu Jesus Christus im Abstieg. Das führt weg vom Besitz hin zur Gabe; das führt weg vom Privileg hin zur Verantwortung; das führt weg von der Selbstbewahrung hin zur Preisgabe. Diese Berufung heißt Sauerteig. Die Sauerteigfunktion bedingt geradezu die absteigende Existenz der Kirche: verborgen im großen Teig, eingekeilt in die Masse bis zur äußeren Ununterscheidbarkeit, aber dort mit einer Kraft, die den ganzen Teig durchsäuert und emporhebt. Israels größte religiöse Zeit war das Exil, in der alle äußeren Haltepunkte weggefegt waren. Dem neuen Israel, der Kirche, kann es nicht anders ergehen. Die immer neuen Leidensankündigungen des Herrn an seine Jünger wollen ohne Zweifel einschärfen: Leidenssituationen sind die Normalsituationen einer bezeugenden Kirche, weil sie ganz und gar der Norm Christi entspricht. Das bringt die Kirche in ungeheure Aufbrüche hinein. ...

Der einzelne Christ ist beim Drama der Verdemütigung seiner Kirche nicht Zuschauer, er ist Mitspieler. Am eigenen Leib wird er diesen Vorgang nachvollziehen müssen. Der Christ ist ein Beauftragter. Und dieser Auftrag treibt ihn in die Grenzgestalt des Weizenkorns, das in die Erde fällt. Die herabsteigende Liebe Christi ist die durchgehende Lebensform des Christen. Sie kann sich in verschiedenen Weisen zeigen, hat aber immer die Gestalt des Weizenkorns, das man im Versinken in die Erde nicht sehen kann, sondern nur in der Frucht, die es bringt. Die Formkraft Christi liegt - so wird man hier wohl sagen dürfen - in der Formlosigkeit des in der Erde sterbenden Weizenkorns, das nicht zu sich selbst, sondern zur Ernte aufersteht. Diese herabfallende Linie des Weizenkorns muss auch die Bewegung all derer sein, die ihr Leben christusförmig gestalten wollen. Wir lassen uns säen um der Ernte willen, und die Keimkraft Christi in uns wird die dicksten Erdschollen durchbrechen."

Männlichkeit - wie geschaffen

Nach der Wester-welle tut es richtig gut von solcher Hinwendung zur Natur zu lesen. Man darf als Mann wieder Mann sein und das mit medialer Absegnung. Die Sonne scheint für Männer mit bewahrter Männlichkeit wieder zu lächeln. Ob das Wellen schlagen wird?

Zitat:
... Der Grund ist: die Sehnsucht nach Naturhaftigkeit, nach Authentizität. Und wer denkt da nicht wahlweise an kernige Cowboys, harte Rocker, markante Norweger oder auch galante Gentleman.


... Maskuline Rustikalität lautet das Stichwort, und da darf der Bart nicht fehlen ...  „Das ist das urtypische Männersymbol, das den Mann von der Frau unterscheidet.“


... „Nach der Gleichmachung der Geschlechter sehnt man sich jetzt wieder nach einer Unterscheidbarkeit“ ... Die virtuelle Welt, in der wir zunehmend lebten, verlange nach Klarheit und Symbolkraft.

24. September 2010

Ciaccona del Paradiso e del Inferno






O che bel star è star in Paradiso
Dove si vive sempr'in fest'e riso
Vedendosi di Dio svelat'il viso
O che bel star è star in Paradiso.



Ohimè ch'orribil star star nell'inferno
Ove si viv'in piant'e foco eterno
Senza veder mai Dio in sempiterno
Ahi, ahi, ch'orribil star giu nell'inferno.

La non vi regna giel, vento, calore,
Ch'il temp'è temperato tutte l'hore
Pioggia non v'e tempesta, ne baleno,
Ch'il Ciel la sempre si vede sereno.



Il fuoco, e'l ghiaccio la, o che stupore
Le brine, le tempeste, e il somm'ardore
Stann'in un loco tute l'interperie
Si radunan laggiu, o che miserie.



Havrai insomma la quanto vorrai
E quanto non vorrai non haverai
E questo è quanto, o Musa, posso dire
Pero fa pausa il canto e fin l'ardire.



Quel ch'aborrisce qua la tutto havrai
Quel te diletta e piace mai havrai
E pieno d'ogni male tu sarai
Disperato d'uscime mai, mai, mai!

O che bel star è star in Paradiso
Dove si vive sempr'in fest'e riso
Vedendosi di Dio svelat'il viso
O che bel star é star in Paradiso.



23. September 2010

Paulus an die Römer

8 Der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wider alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.
19 Denn was man von Gott erkennen kann, ist ihnen offenbar; Gott hat es ihnen offenbart.
20 Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar.
21 Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.
22 Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren.
23 Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit Bildern, die einen vergänglichen Menschen und fliegende, vierfüßige und kriechende Tiere darstellen.
24 Darum lieferte Gott sie durch die Begierden ihres Herzens der Unreinheit aus, sodass sie ihren Leib durch ihr eigenes Tun entehrten.
25 Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers - gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen.

26 Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen;
27 ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung.
28 Und da sie sich weigerten, Gott anzuerkennen, lieferte Gott sie einem verworfenen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört:
29 Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden
30 und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern,
31 sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen.
32 Sie erkennen, dass Gottes Rechtsordnung bestimmt: Wer so handelt, verdient den Tod. Trotzdem tun sie es nicht nur selber, sondern stimmen bereitwillig auch denen zu, die so handeln.


22. September 2010

Objektive moralische Prinzipien

Bei all dem geht es um folgende zentrale Frage: Wo finden wir die ethische Grundlage für politische Entscheidungen? Die katholische Lehrtradition sagt, daß die objektiven Normen für rechtes Handeln der Vernunft zugänglich sind, ohne daß dazu ein Rückgriff auf die Inhalte der Offenbarung nötig wäre. Dementsprechend besteht die Rolle der Religion in der politischen Debatte nicht so sehr darin, diese Normen zu liefern, als ob sie von Nichtgläubigen nicht erkannt werden könnten. Noch weniger geht es darum, konkrete politische Lösungen vorzuschlagen, was gänzlich außerhalb der Kompetenz der Religion liegt. Es geht vielmehr darum, auf der Suche nach objektiven moralischen Prinzipien zur Reinigung und zur Erhellung der Vernunftanstrengung beizutragen. Diese „korrigierende“ Rolle der Religion gegenüber der Vernunft ist nicht immer willkommen, unter anderem weil entstellte Formen der Religion wie Sektierertum und Fundamentalismus sich selbst als Ursachen schwerer gesellschaftlicher Probleme erweisen können. Diese Verzerrungen der Religion treten ihrerseits dann auf, wenn der reinigenden und strukturierenden Rolle der Vernunft im Bereich der Religion zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es ist also ein Prozeß in beide Richtungen. Ohne die Korrekturfunktion der Religion kann jedoch auch die Vernunft den Gefahren einer Verzerrung anheimfallen, wenn sie zum Beispiel von Ideologien manipuliert wird oder auf einseitige Weise zur Anwendung kommt, ohne die Würde der menschlichen Person voll zu berücksichtigen. Ein solcher Mißbrauch der Vernunft war es ja auch, der den Sklavenhandel und viele andere gesellschaftliche Übel erst ermöglicht hat, nicht zuletzt die totalitären Ideologien des zwanzigsten Jahrhunderts. Darum würde ich sagen, daß die Welt der Vernunft und die Welt des Glaubens – die Welt der säkularen Rationalität und die Welt religiöser Gläubigkeit – einander brauchen und keine Angst davor haben sollten, zum Wohl unserer Zivilisation in einen tiefen und andauernden Dialog zu treten.

16. September 2010

felix culpa

Die Geschichte der Kirche hilft also, einen richtigen Kirchenbegriff auszubilden. Ihr eigentümlichster Beitrag zu dieser Aufgabe liegt darin, daß sie eine falsche Vergeistigung (Spiritualismus) und damit Verflüchtigung der Wirklichkeit ,Kirche verhindert. Sie zeigt vielmehr, (1) daß die Kirche einen Körper hat, sichtbar ist; sie überwindet damit die falsche Trennung zwischen einer sogenannten "idealen" und einer "realen" Kirche , - und führt auch ihrerseits zur Erkenntnis, daß es nur eine Kirche gibt, eben die zugleich göttlich gestiftete und geschichtlich gewachsene, die nur vom Glauben erfaßte unsichtbare und die zugleich konstatierbare sichtbare Kirche; - sie bewahrt (2) vor einer falschen Anschauung von der Heiligkeit der Kirche. Diese Heiligkeit ist eine objektive; sie schließt nicht aus die Sündhaftigkeit der Mitglieder und Führer der Kirche und sie wird durch diese nicht verhindert.

Dadurch wieder weist die Geschichte der Kirche mit Nachdruck hin auf jenen Begriff, ohne den keine umfassende und fruchtbare Erfassung und Deutung der Geschichte überhaupt erreicht werden kann, auf die felix culpa, sie sinnvolle Schuld. Der entscheidende Inhalt dieses Begriffs besagt, daß Irrtum und Schuld geschichtlicher Erscheinungen (Personen, Systeme, Handlungen) nicht dasselbe sind wie geschichtliche Sinnlosigkeit, sondern daß Irrtum und Schuld sehr wohl tiefen Sinn im Heilsplane Gottes einschließen können, und seit der Sünde oft sogar in entscheidendem Umfang tatsächlich einschließen. Dieser Begriff drückt aus die Anerkennung des lebendigen Gottes der Geschichte. Er entspricht Augustins Wort: was in der Zeit geschieht, ist Gottes. Er macht Ernst mit dem christlichen Vorsehungsgedanken. Irrtum bleibt Irrtum, Unkraut Unkraut, Sünde Sünde, und sie sind das verwerfliche Gegenteil den von Gott Verkündeten. Aber Gottes Heilswille regiert die Welt und macht auch das Irren der Menschen seinem heiligen Willen dienstbar. 

(Joseph Lortz: Geschichte der Kirche, 1962, Bd. 1, S. 7)

13. September 2010

Lieber rot als tot

Zum Geburtstag des Seligen Jerzy Popiełuszko, geboren am Fest der Kreuzerhöhung, 14.09.1947. Auch Geburttage sind sicherlich kein Zufall.

„Die Abwesenheit von Helden, die wissen, wofür sie sterben ist der erste Schritt zu den Leichenhaufen derer, die nur noch wie Vieh geschlachtet wurden.

Lech Wałęsa und der Sel. Jerzy Popiełuszko


„daß ein Leben, das nicht bereit ist, sich selbst für seinen Sinn zu opfern, es nicht wert ist, gelebt zu werden.



„Die Losung ‚Lieber rot als tot‘ irritiert mich nicht als Ausdruck der Kapitulation vor der Sowjetunion. Sie erschreckt mich als Ausdruck des Verzichts des westlichen Menschen auf den Sinn des Lebens und sein Bekenntnis zur unpersönlichen Macht als solcher. Diese Losung sagt nämlich in Wirklichkeit: Nichts lohnt das Opfer des Lebens. Nur daß ohne den Horizont des höchsten Opfers jedes Opfer seinen Sinn verliert. Oder: Es lohnt gar nichts mehr. Nichts hat Sinn.

Der Selige Priester Jerzy Popiełuszko

„Das ist die Philosophie der reinen Negation des Menschseins. Der sowjetischen Totalität hilft eine solche Philosophie nur politisch. Die westliche Totalität jedoch wird von ihr unmittelbar geschaffen. Ich kann mich, kurz gesagt, des Eindrucks nicht erwehren, daß die westliche Kultur viel mehr als von den SS20-Raketen von sich selbst bedroht wird.

mysterium fidei

Um die Tragödie der pubertierenden Phase der Kirchengeschichte im zwanzigsten Jahrhundert recht erfassen zu können, ist es nötig, sich an die Wurzel des christlichen Kultmysteriums zu begeben, dahin, wo es noch unstrittig war, daß es einen Gott gibt, dem man Anbetung zu zollen hat. Als das Opfer noch der gängige Ausdruck für die Huldigung des Geschöpfes war.


Denn es gehört zur Entwicklung der Kirche, daß sie sich stets als eine opfernde Gemeinschaft verstand, die sich – schon in den Tagen der Apostel – um den im Mysteium gegenwärtigen Herrn versammelte. Nicht um sich selbst darin zu finden. Allenfalls um darin „Leib Christi“ zu werden, wie es der heilige Augustinus fordert. Eine Kommunion der besonderen Art, ein Akt der Hingabe, in dem der Sich-Hingebende selbst gründet.
Der christliche Kult ist schon an seinen Anfängen niemals nur eine äußere Sache. Er zielt nicht auf einen Zweck und möchte auch nicht verzweckt werden. Er ist ein Geschehen, das ganz und gar für sich steht – und das heißt: für Gott. Er ist der Handelnde, der Sich-Schenkende, der den Teilnehmer nicht bloß auf die Zuschauerbühne oder auf die Ränge des Hörsaals ruft, damit Er ihm etwas mitteilt. Er möchte sich selbst geben. Aber nicht gratis und ohne Gegenleistung. Er verlangt alles, von denen, die Ihn suchen. Er verlangt die ganze Hingabe von denen, die in Seine Nähe kommen. Sie sollen sich in Ehrfurcht, Lobpreis, Dank und Bitte - und insbesondere abgewaschen von ihren Sünden - dem Heiligen nahen. Und zwar weil es heilig ist und das heißt: von Gott stammend.


Hier kann man den Originalbeitrag lesen.

12. September 2010

Have immigrants saved the Catholic Church?










"There used to be less than 10 black people in the congregation, we used to sit together at the left side of the church," says Patrick Chatukuta. "Now, in the last three years, it's all us."
This 48-year-old Zimbabwean, now living in Plumstead, has been attending St Peter The Apostle church in Woolwich, south-east London, since 2003. He says an influx of immigrants, many from Africa, has changed the demographic of his church's congregation.
Its priest, Father Michael Scanlon, says the local immigrant population has swollen his flock each Sunday to 1,000 - including 200 teenagers. They come from 45 nations .

http://www.bbc.co.uk/news/uk-11067661
So herum geht´s also auch!

Agonie

JESUS CHRISTUS IST DAS ALPHA UND DAS OMEGA.
ER IST DAS WESENHAFTE ERSCHEINEN GOTTES
UNTER DEN MENSCHEN. 
SEIN KOMMEN INS FLEISCH 
WAR DER ANFANG DES HERANNAHENDEN GOTTESREICHES. 
ER MUSSTE LEIDEN UM SO IN SEINE
HERRLICHKEIT EINZUGEHEN.
SEIN WOHNEN UND WIRKEN UNTER DEN MENSCHEN
DAUERT FORT AUCH NACH SEINER HIMMELFAHRT
IN DER VON IHM GESTIFTETEN KIRCHE. 
SIE BLEIBT BIS ZU SEINER WIEDERKUNFT. 
BIS ZUM ENDE DER ZEITEN 
MUSS DIE KIRCHE SEINE AGONIE MITERLEIDEN.
DIE GESCHICHTE DER KIRCHE 
IST DER BERICHT DIESER AGONIE.
DAS LICHT LEUCHTET IN DER FINSTERNIS.
ABER ERST DEREINST WIRD SEIN SIEG OFFENBAR.


(Joseph Lortz: Geschichte der Kirche, 1962, Bd. 1, S. 1)

fromm - korrekt - ohne Liebe



Es ist ja eine allgemein bekannte Wahrheit, aber es schadet nicht immer einmal wieder daran erinnert zu werden. Vor allem für mich selbst ist dies notwendig, um die Umsetzng im Alltag  n i e  zu vergessen.
18. So wird Nächstenliebe in dem von der Bibel, von Jesus verkündigten Sinn möglich. Sie besteht ja darin, daß ich auch den Mitmenschen, den ich zunächst gar nicht mag oder nicht einmal kenne, von Gott her liebe. Das ist nur möglich aus der inneren Begegnung mit Gott heraus, die Willensgemeinschaft geworden ist und bis ins Gefühl hineinreicht. Dann lerne ich, diesen anderen nicht mehr bloß mit meinen Augen und Gefühlen anzusehen, sondern aus der Perspektive Jesu Christi heraus. Sein Freund ist mein Freund. Ich sehe durch das Äußere hindurch sein inneres Warten auf einen Gestus der Liebe — auf Zuwendung, die ich nicht nur über die dafür zuständigen Organisationen umleite und vielleicht als politische Notwendigkeit bejahe. 
Ich sehe mit Christus und kann dem anderen mehr geben als die äußerlich notwendigen Dinge: den Blick der Liebe, den er braucht. Hier zeigt sich die notwendige Wechselwirkung zwischen Gottes- und Nächstenliebe, von der der Erste Johannesbrief so eindringlich spricht. Wenn die Berührung mit Gott in meinem Leben ganz fehlt, dann kann ich im anderen immer nur den anderen sehen und kann das göttliche Bild in ihm nicht erkennen. Wenn ich aber die Zuwendung zum Nächsten aus meinem Leben ganz weglasse und nur ,,fromm’’ sein möchte, nur meine ,,religiösen Pflichten’’ tun, dann verdorrt auch die Gottesbeziehung. Dann ist sie nur noch ,,korrekt’’, aber ohne Liebe.


Nur meine Bereitschaft, auf den Nächsten zuzugehen, ihm Liebe zu erweisen, macht mich auch fühlsam Gott gegenüber. Nur der Dienst am Nächsten öffnet mir die Augen dafür, was Gott für mich tut und wie er mich liebt. Die Heiligen — denken wir zum Beispiel an die sel. Theresa von Kalkutta — haben ihre Liebesfähigkeit dem Nächsten gegenüber immer neu aus ihrer Begegnung mit dem eucharistischen Herrn geschöpft, und umgekehrt hat diese Begegnung ihren Realismus und ihre Tiefe eben von ihrem Dienst an den Nächsten her gewonnen. 
Gottes- und Nächstenliebe sind untrennbar: Es ist nur ein Gebot. Beides aber lebt von der uns zuvorkommenden Liebe Gottes, der uns zuerst geliebt hat. So ist es nicht mehr ,,Gebot’’ von außen her, das uns Unmögliches vorschreibt, sondern geschenkte Erfahrung der Liebe von innen her, die ihrem Wesen nach sich weiter mitteilen muß. Liebe wächst durch Liebe. Sie ist ,,göttlich’’, weil sie von Gott kommt und uns mit Gott eint, uns in diesem Einungsprozeß zu einem Wir macht, das unsere Trennungen überwindet und uns eins werden läßt, so daß am Ende ,,Gott alles in allem’’ ist (vgl. 1 Kor 15, 28).

11. September 2010

Arvo Pärt - O Schlüssel Davids (Seven Magnificat Antiphons)

Arvo Pärt - Geburtstag


Irgendwo in den Blogs die ich lesen fiel mir in letzter Zeit auf, daß Musikvideos von Arvo Pärt auftauchten. Er ist wohl der bemerkenswerteste zeitgenössische Komponisten würdiger  religiöser Musik, auf den ich im letzten Jahr aufmerksam wurde. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag.

Musik- heilig und profan

Vielleicht sollten unsere zeitgenössischen Kirchenmusikgestalter sich diese Zeilen mal zu Herzen nehmen. Zumindest bei uns geht´s bei der Heiligen Messe oft zu wie in einer Disko.

Eine Musik, die den heiligen und profanen Charakter vermischt, ist gottlos, und eine halbschürige, welche schwache, jammervolle, erbärmliche Empfindungen auszudrücken Belieben findet, ist abgeschmackt. Denn sie ist nicht ernst genug, um heilig zu sein, und es fehlt ihr der Hauptcharakter des Entgegengesetzten: die Heiterkeit.

Goethe: Wilhelm Meister Wanderjahre, S. 553

Sorge für die Sterbenden

Wie allgemein bekannt (war), sind der Hl. Josef und der Hl. Erzengel Michael die Patrone der Sterbenden. An diese geistliche Unterstützung in der entscheidenden Stunde unserer Existenz will ich heute erinnern. Vor einigen Tagen fand ich "zufällig" diese Seite im Netz.


Die Josefs-Bruderschaft
wurde 1913 von Papst Pius X. auf Anregung des seligen Don Guanella in der Kirche des hl. Josef in Rom gegründet, um die ganze Christenheit zum Gebet für die Sterbenden aufzurufen. Diese Bruderschaft ist bereits über die ganze Erde verbreitet. In ihr geht es vor allem um das Gebet für die Sterbenden.
Nur dieses kleine Gebet ist morgens und abends zu verrichten:

"Hl. Josef, Nährvater Jesu Christi und wahrer Bräutigam der seligsten Jungfrau Maria, bitte für uns und für die Sterbenden dieses Tages / dieser Nacht!"

9. September 2010

Maria Knotenlöserin

Ein Freund aus Bayern, der immer wieder nach Brasilien kommt, wunderte sich, daß hier mehr Menschen die Knotenlöserin zu kennen scheinen, als in Bayern. Dabei kommt das Gnadenbild aus Augsburg - Perlach. Das war der Anstoß darauf aufmerksam zu machen. Vielleicht wohnt jemand von Euch in dieser Ecke Deutschlands und macht U.L. Frau dort einen Besuch.


"Wie Eva durch ihren Ungehorsam den Knoten des Unheils für das Menschengeschlecht schürzte, so löste ihn Mara durch ihren Gehorsam." (Nach dem hl. Irenäus von Lyon, + 202)



Heilige Maria, Gottesmutter und Jungfrau voller Gnaden,
du bist unsere unsere Knotenlöserin!
Mit deinen Händen voll Liebe Gottes
lösest du die Hindernisse auf unserem Weg wie einen Knoten,
der unter deinen Händen alle Hindernisse verliert
und zu einem geraden Band der Liebe Gottes wird!

Löse, du heilige, wunderbare Jungfrau und Mutter,
alle Knoten, die wir uns selber bereiten durch unseren Eigenwillen 
und alle Knoten, die vor uns unseren Weg hindern.

Leuchte du mit deinen Augen darüber,
daß alle Knoten durchsichtig werden
und wir voll Dankbarkeit das Unlösbare mit deinen Händen lösen können! Amen.


O Maria, Knotenlöserin. sei du unserer liebe Mutter,
und nimm unsere Hände und mache sie so lösend,
daß deine Hände durch unsere Hände
Frieden und Lösung und Hilfe bringen! Amen.

8. September 2010

Verletzlichkeit

Es gibt eine Methode, uns vor der maßlosen Liebe zu den Mitmenschen zu schützen, die ich von allem Anfang an verwerfen muß. Ich tue es mit Zittern und Zagen, denn ich bin ihr in den Schriften eines großen Heiligen und Denkers begegnet, dem ich Unschätzbares verdanke.

In Worten, die einem heute noch Tränen in die Augen treiben können, beschreibt der heilige Augustinus die Trostlosigkeit, in die ihn der Tod seines Freundes Nebridius gestürzt hat (Bekenntnisse,IV, 4ff.). Dann zieht er daraus eine Moral. Das kommt davon, sagt er, wenn man das Herz an etwas hängt als an Gott. Alle Menschen sind vergänglich. Hänge dein Glück nicht an etwas, was du verlieren kannst. Wenn Liebe ein Segen und nicht eine Qual sein soll, muß sie sich an den einzigen Geliebten halten, der nie vergehen wird. ….

Ich glaube, diese Stelle der «Bekenntnisse» ist nicht so sehr ein Teil von Augustins Christentum, als ein Überbleibsel der hochgesinnten heidnischen Philosophien, in der er aufwuchs. Sie steht der stoischen «Apathie» oder dem neuplatonischen Mystizismus näher als der christlichen Agape. Wir folgen dem nach, der über Jerusalem und am Grab des Lazarus geweint hat, der zwar alle liebte, aber doch einen «Lieblingsjünger» hatte. Paulus hat für uns mehr Autorität als Augustinus – Paulus verrrät mit keiner Silbe, daß er nicht wie ein Mensch gelitten hatte, oder daß er dachte, er dürfe nicht leiden, wenn Epaphroditus gestorben wäre (Phil. 2, 27).

El Greco - Pietá

Selbst wenn wir der Meinung wären, daß Versicherungen gegen gebrochene Herzen unsere höchste Weisheit sind – bietet Gott selbst sie an? Offenbar nicht. Die letzten Worte Christi waren: «Warum hast du mich verlassen?»

Es gibt keinen Ausweg nach der Manier des Augustinus. Und nach keiner andern Manier. Es gibt keine sichere Anlage. Lieben heißt verletzlich sein. Liebe irgend etwas, und es wird dir bestimmt zu Herzen gehen, oder gar das Herz brechen. Wenn du ganz sicher sein willst, daß deinem Herzen nichts zustößt, dann darfst du es nie verschenken, nicht einmal einem Tier. Umgib es sorgfältig mit Hobbies und kleinen Genüssen; meide alle Verwicklungen; verschließ es sicher im Schrein oder Sarg deiner Selbstsucht. Aber in diesem Schrein –sicher, dunkel, reglos, luftlos – verändert es sich. Es bricht nicht; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar. Die Alternative zum Leiden, oder wenigstens zum Wagnis des Leidens, ist die Verdammung. Es gibt nur einen Ort außer dem Himmel, wo wir vor allen Gefahren und Wirrungen der Liebe vollkommen sicher sind: die Hölle. 
Aus: Was man Liebe nennt von C.S. Lewis, S. 120ff

7. September 2010

Es wächst viel Brot in der Winternacht

Heute war ich neugierig und schaute nach, woher wohl der Titel von Ida Friedericke Görres´s Buch "Im Winter wächst das Brot" stammt. Und dieses Gedicht, das gut zu ihrem Buch paßt, war das Ergebnis. 

In der Winternacht 

Es wächst viel Brot in der Winternacht, 
Weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat; 
Erst wenn im Lenze die Sonne lacht, 
Spürst du, was Gutes der Winter tat. – 
Und deucht die Welt dir öd und leer, 
Und sind die Tage dir rauh und schwer: 
Sei still und habe des Wandels acht: 
Es wächst viel Brot in der Winternacht. 

Friedrich Wilhelm Weber

in persona Christi

Von Mitleid bewegt, hat der Herr das Wort Gottes ausgelegt - er selbst ist das Wort Gottes - und Orientierung gegeben. Das ist die Aufgabe von „in persona Christi", die dem Priester zu Eigen ist, die Funktion, in der Verwirrung, in der Orientierungslosigkeit unserer Zeit das Licht des Wortes Gottes gegenwärtig zu machen: das Licht, das Christus selbst in dieser unserer Welt ist.


Der Priester lehrt somit keine eigenen Vorstellungen, keine Philosophie, die er selbst erfunden oder gefunden hat oder die ihm gefällt; der Priester spricht nicht „aus sich heraus", er spricht nicht „für sich", um sich Bewunderer oder eine eigene Anhängerschaft zu sammeln. Er spricht nicht von eigenen Dingen, von eigenen Erfindungen, sondern in der Verwirrung aller Philosophien lehrt der Priester im Namen des gegenwärtigen Christus, er legt die Wahrheit vor, die Christus selbst ist, sein Wort, seine Art zu leben, seine Art, voranzugehen.

Für den Priester gilt, was Christus über sich selbst gesagt hat: „Meine Lehre stammt nicht von mir" (Joh 7,16); Christus also schlägt nicht sich selbst vor, sondern er ist als Sohn die Stimme, das Wort des Vaters. Auch der Priester muss immer so handeln: „Meine Lehre stammt nicht von mir, ich verbreite nicht meine Vorstellungen oder was mir gefällt, sondern ich bin Mund und Herz Christi und lasse diese einzige und gemeinsame Lehre gegenwärtig werden, die die universale Kirche geschaffen hat und die ewiges Leben erzeugt".

Diese Tatsache, dass der Priester keine eigenen Ideen erfindet, schafft und verkündigt, insofern die Lehre, die er verkündet, nicht von ihm stammt, sondern von Christus, bedeutet andererseits nicht, dass er neutral wäre, gleichsam ein Sprecher, der einen Text liest, den er sich vielleicht nicht zu Eigen macht. Auch in diesem Fall gilt das Vorbild Christi, der gesagt hat: Ich bin nicht von mir und ich lebe nicht für mich, sondern ich komme vom Vater und lebe für den Vater. Daher ist in dieser tiefen Identifizierung die Lehre Christi die Lehre des Vaters, und er selbst ist eins mit dem Vater. Der Priester, der das Wort Christi verkündigt, den Glauben der Kirche und nicht seine eigenen Ansichten, muss auch sagen: Ich lebe nicht aus mir und für mich, sondern ich lebe mit Christus und aus Christus, und deshalb wird das, was Christus uns gesagt hat, mein Wort, auch wenn es nicht meines ist. Das Leben des Priesters muss sich mit Christus identifizieren, und auf diese Weise wird das nicht Wort, das nicht ihm eignet, dennoch ein zutiefst persönliches Wort. Zu diesem Thema hat der heilige Augustinus über die Priester gesagt: „Wir Priester - was sind wir? Diener Christi, seine Knechte; denn was wir an euch austeilen, gehört nicht uns, sondern wir entnehmen es seinem Vorratsraum. Und auch wir leben davon, da wir Knechte sind wie ihr" (Rede 229/E,4).


6. September 2010

Demokratischer Terror

Alltag in den Favelas

In Brasilien wollten die Kommunisten in den 60er Jahren ein zweites Paradies nach dem kubanischen Prinzipien aufbauen, was eine viel geschmähte Militärdiktatur verhindert hat. Danach wurde das kommunistische Gedankengut via Befreiungstheologie unters Volk gebracht. Es kam soweit, daß ein Großteil der Katholiken traditionell PT (Kommunistische Arbeiterpartei) wählten und noch wählen. 

Zwei Fliegen mit einem Schlag: die Kirche verlor dadurch ihre Identität, weitgehend, und erholt sich von diesem Schlag erst ganz langsam und die Kommunisten kamen langsam, aber sicher an die Macht. Das Ergebnis ist Lula, ein Präsident, der seine Macht auf die große, arme und ungebildete Masse stütz.

Parallel dazu wuchs die Drogenguerilla, welche die Kommunisten finanziert. Eine schöne Symbiose. Nur daß alles mittlerweile außer Kontrolle geraten ist. Die Favelas sind ein Staat im Staat. Rein kommt, wem sie es erlauben - oder Du kommst rein, aber nie wieder heraus. Und die Polizei? Schaut mal den Film Tropa de Elite an.


Genug der Zeitgeschichte.

Soweit kann es kommen



Muß man dazu noch was sagen?

5. September 2010

Catena aurea - ad fontes


Heute in der Heiligen Messe fiel mir beim anhören der Predigt die catena aurea des Hl. Thomas von Aquin ein. Für die geistliche Lesung und das bessere Verständnis des Evangeliums eignet sie sich ausgezeichnet. Auch sieht man in ihr, wie facettenreich die Heilige Schrift ausgelegt werden kann.

4. September 2010

Verschwendung

“Was hat es auf sich mit dem Gläserwefen? Es ist ein Hinschleudern und Hinverschwenden, es ist die Absage an den menschlichen Wunsch, sich selber zu sparen und alles Seinige zu erhalten. “

W. Bergengruen: Der Dritte Kranz, S. 685

3. September 2010

Homo fugit velut umbra

Zur Abwechslung Musik vom Feinsten, voller Leben und Weisheit - soweit ich den Inhalt verstehe.  Mein Italienisch ist recht unvollkommen. Wem es ähnlich geht genieße die Melodie - wenn gleich beides zusammen das Kunstwerk ausmachen. Den Text gibt es hier.


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Marco Beasley, I'Arpeggiata und Christina Pluhar sind die Interpreten.

Heilsamer Fußtritt

Kardinal Sarto wohnte dem Begräbnis Leos XIII. bei und bemerkte beim Schluß der Handlung, wie ein Sanpietrino, einer der in der Peterskirche angestellten Arbeiter, um den Sarg ordnungsmäßig in die Nische hineinzuschieben, mit dem Fuß kräftig nachhalf. Da beugte sich Sarto seitlich zum päpstlichen Oberzeremonienmeister, der neben ihm stand, und flüsterte ihm zu: "Siehst du, Carletto, wie Päpste enden? Mit einem Fußtritt!"

Kurz darauf erfolgte seine Wahl. Kardinal Sarto verwandelte sich in Papst Pius X. Eines seiner ersten Worte an den Oberzeremonienmeister lautete:  "Denken wir täglich ans den Fußtritt!"

Am Tag seiner Krönung wurde er beim Einzug in die Peterskirche mit dröhnendem Beifall empfangen. Mit strengem Wink gab er der begeisterten Menge ein Zeichen, mit dem Klatschen  aufzuhören, und sagte dann: "Es ziemt sich nicht, daß man den Diener im Hause seines Herrn mit Beifall aufnimmt."

1. September 2010

rosa mystica

Eigentlich sollte zum Beginn des Schutzengelmonats an dieser Stelle an diese unsere Wegbegleiter erinnert werden, soweit überhaupt notwendig. Leider habe ich es nicht mehr geschafft. Deshalb, an "virginitas II" anschließend, diesen abschließenden  Text zum Themas aus Piepers "Zucht und Maß", welcher schon  in der Schublade lag - so zu sagen.


Zucht wirkt Reinigung.
Wenn man sich durch dieses merkwürdigerweise nur selten betretene Tor dem so schwer zugänglichen Begriff der Reinheit nähert und Reinheit also versteht als die Frucht von Reinigung – dann verstummen die verwirrenden und mißtönenden Beiklänge, die sonst diesen Begriff zuzudecken und dem Manichäismus anzunähern drohen (das deutsche Wort »Ketzer«, das aus dem griechischen »kátharoi« – »die Reinen« – sich herleitet, enthält eine gewichtige Warnung). Von jener Sicht her kommt der volle und uneingeschränkte, gegen den landläufigen also durchaus unterschiedene Begriff der Reinheit in den Blick.
Sie ist gemeint, wenn in der Väterlehre des Johannes Cassianus die Reinheit des Herzens der innewohnende Sinn der Zucht genannt wird: »dazu dienen Einsamkeit, Fasten, Nachtwachen, Kasteiungen«. Auf diesen weiträumigeren Begriff der Reinheit hin ist das Wort des heiligen Augustinus zu verstehen: die Tugend der Zucht und des Maßes ziele dahin, den Menschen unversehrt und unangetastet zu bewahren für Gott. Was aber besagt der uneingeschränkte Begriff der Reinheit?
Er besagt jene kristallische, morgendliche Unbefangenheit und Selbstlosigkeit des Weltverhältnisses, wie sie im Menschen Wirklichkeit wird, wenn die Erschütterung eines tiefen Schmerzes ihn an die Grenzen des Daseins trägt oder wenn die Nähe des Todes ihn anrührt. In der Heiligen Schrift ist gesagt: »Schwere Krankheit macht nüchtern die Seele« (Sir 31, 2); diese Nüchternheit gehört mit zum Wesen der Reinheit. In die gleiche Richtung deutet der umstrittenste aller Sätze des Aristoteles: die Tragödie wirke Reinigung, »κάϑαρσις«.
Auch das donum timoris, das Geistgeschenk der Furcht, das Thomas der temperantia zuordnet, reinigt, als die gnadenvolle Erfahrung der innersten Gefährdung des Menschen, das Gemüt und hat jene Reinheit zur Frucht, kraft deren einer darauf verzichtet, selbstisch nach erschlichenen vermeintlichen Erfüllungen zu suchen. Reinheit ist die vorbehaltlose Geöffnetheit des ganzen Wesens, aus der allein das Wort gesprochen werden konnte: »Siehe, ich bin die Magd des Herrn« (Lk 1, 38). 


Diese höchste Verwirklichung der Reinheit ist in einem Gedicht von Konrad Weiß in ein Bild von makelloser Schönheit und strahlender Gültigkeit gefaßt worden: »Kummerlos steht die im Hoffen / Unerschrockne Rose offen.«
Es tut sich hier dem Blick eine neue Tiefe auf: daß nämlich Reinheit nicht nur die Frucht von Reinigung ist, sondern daß sie zugleich auch die Bereitschaft in sich schließt, Gottes Reinigungen, furchtbar vielleicht und tödlich, mit der kühnen Offenheit eines vertrauenden Herzens anzunehmen und so ihre fruchtende und verwandelnde Kraft zu erfahren.
Das aber ist der letzte Sinn der Tugend der Zucht und des Maßes.