"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."

"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"

(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)

23. März 2016

Kartage (9 Ende)

Wenn wir nun gesehen haben, wie diese Teilnahme am innertrinitarischen Leben Grund und Inhalt wird meines ganzen Seelenlebens - es wird dadurch gegründet, es lebt davon - dann müssen wir uns abschließend noch kurz eine weitere Frage stellen: Wie ist es möglich, in uns die Teilnahme am innergöttlichen Leben zu entzünden? Können wir dieses Leben vielleicht noch etwas analysieren? Eines ist ganz klar, dieses Leben ist, nüchtern ausgedrückt, weiter gar nichts als die Grundstruktur zu jeder Mystik. Da ergibt sich zunächst einmal die Konsequenz, daß der Vollchrist immer Mystiker ist und es folgt noch, daß so wenige Vollchristen sind.
Wenn nun aber das wahre Leben tatsächlich Mystik ist, was ist dazu erforderlich? Dazu gehört vor allem einmal die Verübernatürlichung aller menschlichen Kraft, wie man sich ausdrückt, das menschliche Wesen muß von der Wurzel her durchhellt und durchglüht werden. Und das geschieht gerade durch den Heiligen GEIST, Der das Wesen ergreift und vom Wesen her die menschliche Natur aus den Erbsünde-Angeln hebt, sodaß dieses Wesen übergreift auf Fähigkeiten und Kräfte, auf Potenz und Akte. Das ist nicht merkwürdig, denn in GOTT ist es freilich anders, weil Sein Wesen Tun ist. Und weil der Akt bei IHM Essenz ist. Bei uns ist beides getrennt. Mein Wesen ist nicht immer Akt und die Akte können immer verschieden ausfallen. Infolgedessen muß der HEILIGE GEIST das Wesen durchhellen und durchglühen, und muß auch die Fähigkeit erfassen, vor allem Erkennen und Wollen, die beide tatsächlich göttliches Wesen annehmen müssen. Deshalb gehört zum Wesen des Christen, daß er in allweg übernatürlich sei und das ist's ja doch, wovon die ganze Karsamstags- und Osterliturgie spricht. Daß alles, was natürlich ist, ins Übernatürliche hineingesetzt wird, sodaß auch der natürliche Akt übernatürlich wird.
Der Mensch soll vollkommen in übernatürliche Aktivität versetzt werden. Unter Aktivität darf ich nicht verstehen Betriebsamkeit und Rührigkeit, denn auch intensiv gespanntes Betrachten und Beten ist doch Aktivität im Sinne GOTTES. Es müssen alle Fähigkeiten samt dem Wesen erneuert werden und das geschieht eben, ganz schlicht gesagt, durch die übernatürlichen Tugenden. Die übernatürlichen Tugenden haben die Aufgabe, das Wesen des Menschen zu vergöttlichen. Was uns so stark hindert, in das Wesen der übernatürlichen Tugenden einzudringen, ist, weil wir immer natürliche mit übernatürlicher Tugend verwechseln. Die übernatürliche Tugend hat die Aufgabe, nicht wie die natürliche, den Vollzug einer Handlung zu erleichtern und zu gewährleisten - die Tugend der Gerechtigkeit, der Tapferkeit, die müssen gewisse Widerstände in mir überwinden und habe ich diese Tugend, so erfolgt ein Akt, ganz sicher - die übernatürliche Tugend hat nur die eine Aufgabe, die CHRISTUSförmigkeit in mir zu erzielen, das, was die Alten immer nannten, die Überformung zu geben. Ich soll in all meinen Fähigkeiten, im Lieben und Erkennen und in allen Handlungen, die sich daraus ergeben, durch die verschiedenen Kombinationen, mich CHRISTUSförmig machen. Das ist eigentlich die Ostergnade, die uns die Taufgnade zum ersten Mal gegeben hat: Das CHRISTUSförmig-Werden.
Sie ist nicht Hilfe zum Guten, das ist nicht wahr, sonder sie ist Ausrüstung, damit mein Tun göttlich qualifiziert wird. Die übernatürliche Tugend hat also wesensmäßig einen ganz anderen Sinn als die natürliche. Ich soll tatsächlich durch die übernatürliche Tugend verwandt werden mit CHRISTUS und mit CHRISTUS hineingerissen werden in die Auswirkungen der innertrinitarischen Sendungen. Daraus ergibt sich, daß die übernatürliche Tugend, nicht wie die natürliche, Hindernisse beseitigt. Der Christ kann noch bequem bleiben, der Sinnlichkeit verfallen und selbstsüchtig sein. Das ist nicht Aufgabe der übernatürlichen Tugend. Sie hat mich nur zu qualifizieren, im übernatürlichen Sinn mich CHRISTUSförmig zu machen. Und daraus ergibt sich die oberste Tätigkeitsweise des wahren Christen.
Ich muß GOTT bejahen und lieben, aber nicht als ein Es, das mein letztes Ziel ist, vielleicht sogar ein Mittel, um selig zu werden, sondern, ich muß GOTT bejahen und lieben, wie ER Sich selber bejaht und liebt. Alle meine Liebe, ob ich sie nun direkt auf GOTT oder auf ein Geschöpf erstrecke, muß unbedingt göttlich sein, muß unbedingt im HEILIGEN GEISTE vollzogen sein, sonst bin ich nicht Christ. Diese übernatürliche Ausstattung infiltriert natürlich auch die sittlichen Tugenden. Die sittlichen Tugenden haben die Aufgabe mich instandzusetzen, den Situationen des Lebens gerecht zu werden. Aber man glaube doch nicht, daß der übernatürlich handelnde Mensch natürlich-sittlich handeln könne.Das ist ausgeschlossen. Auch seine natürlichen Tugenden sind hineingezogen in GOTT - er ist wahrhaft durch und durch vergöttlicht. Er nimmt tatsächlich an der göttlichen Natur teil.
Und das ist der Sinn von Ostern und der Sinn des Aufstieges von Gründonnerstag-Nacht zum Ostermorgen.


VB

21. März 2016

Kartage (8)

Um es noch kurz anzudeuten, was die Dogmatik mit diesem Ausdruck Freunde und Freundschaft will, so ist noch ein Doppeltes zu sagen: Sie will damit zum Ausdruck bringen, daß an dieser GOTTESfreundschaft die ganze Trinität innerlich interessiert ist. Als den Urheber dieser GOTTESfreundschaft kann man nur den SOHN bezeichnen im HEILIGEN GEISTE, nämlich der SOHN, der mich in die Sprechgemeinschaft der Trinität hineinbezieht. Der Grund, die Ratio, der letzte Sinn dieser Freundschaft ist klar; die Liebe der Gemeinschaft mit GOTT und unsererseits die Aufgabe, sich dem göttlichen Wesen zu verähnlichen. Wir stehen also - und Sie hören vom Karsamstag angefangen ‚bis Himmelfahrt nur einen Ausdruck, von der Gemeinschaft der Neugetauften mit GOTT. - Durch CHRISTUS hindurch.
Wir, die wir ins Christentum hineingeboren sind, wir nehmen diese Münze nicht mehr in diesem Kurswert, wir haben sie alle in etwa entwertet. Jedes Kind redet von Gemeinschaft. Was heißt das - Gemeinschaft mit GOTT? Wenn das nicht einfach ein Reden sein will und das ist es nicht, dann bleibt nur eines übrig, daß auch ich für GOTT nicht mehr ein Es bin. Die begnadete Seele ist für GOTT kein Es. ER ist in der begnadeten Seele und sie ist in IHM. Das ist kein "Es", das ist Gemeinschaft. Daraus ergibt sich ohne weiteres: Tut GOTT heute der Welt etwas, ER fragt Sich, menschlich gesprochen, unbedingt, was sagen Meine geliebten Seelen dazu? GOTT macht aus der Gemeinschaft ernst, ob wir es machen, ist eine andere Sache. Wir meinen immer, wir seien von GOTT vergessen. GOTT mag in der Welt tun, was ER will, wenn ich in dieser Gemeinschaft mit GOTT stehe, fragt sich GOTT, was sagt  

d i e  Seele dazu? Und Seelen, wie z.B. Katharina von Siena, die machen ernst mit dieser Gemeinschaft. Wir würden uns wundern, wie die GOTT einfach sagt: Das darfst Du nicht, das lasse ich nicht zu. Die machen aus der Gemeinschaft unbedingt ernst. Sie ziehen ja auch die Konsequenzen: Wir tragen ja auch mit Deinem SOHNE das Leid, und wenn wir sagen, ich will nicht, dann tut GOTT es nicht.
Wir Christen, die wir doch wirklich Christen sein wollen wir leiden an einem unbedingt viel zu stark, daß wir nicht den Mut haben zu dem, was wir tatsächlich sein könnten. Wir fühlen uns immer GOTT gegenüber. Es ist ja etwas Gutes, es bewahrt einem vor der Hybris, aber das ist nicht alles. Ich müßte auch den Mut haben, zu allem, was aus dieser Gemeinschaft zu schöpfen ist. Der Sinn dieser Gemeinschaft ist das absolut Übergeschöpfliche, das über alles Geschöpf erhoben sein. GOTT sieht in der begnadeten Seele, mit der ER in Gemeinschaft steht, doch nicht nur das Geschöpf.
Ich bin für GOTT nicht ein Es, warum mache ich aus GOTT immer ein Es ? Es ist nicht der letzte Grund, nicht das letzte Moment zu positivem Optimismus, daß wir uns sagen können, nun endlich ist uns das wieder aufgegangen. Es hat Jahrhunderte gebraucht bis man anfing, diese Urschätze des Christentums wieder auszugraben. Was wir da sagen, ist nichts Neues, das war jedem Katakombenchristen etwas Selbstverständliches, wie uns der Katechismus und seine Wahrheiten. Klar, daß damit auch für beide Teile ein Wagnis ausgesprochen ist.
Die GOTTEsfreundschaft, die GOTTEsgemeinschaft ist einmal für GOTT ein Wagnis. Wagnis deswegen, weil der Mensch in seinem dunklen Drange auch fähig ist, diese Sprechgemeinschaft, diese Freundschaft, dieses Du-Verhältnis nun in ein Es-Verhältnis zu verzerren, sei es, daß ihm überhaupt GOTT lästig wird in dunklen Stunden oder sei es, daß er im Vollsinn der Liebe nicht mehr gerecht wird. Das Erste ist unter guten Christen die Ausnahme, das Zweite ist lange nicht die Ausnahme, daß wir im Vollsinn dieser Gemeinschaft nicht gerecht werden.
Wir Christen, und besonders wir, die wir nun tatsächlich das Christentum uns angelegen sein lassen, wir müssen uns doch vor einem hüten: Wenn wir nur eines wollen, den Durchschnittschristen, dann kann man nur sagen wie Berthold von Regensburg: "Es ist eine Schande, daß du getauft bist." Man soll ein extremer Christ sein! Und das ist die Wahrheit, die wir nicht mehr ertragen können, die aus unserem Christentum verloren gegangen ist. Wenn man sagt, daß der Christ nicht von dieser Welt ist, wer hört es noch? Wer will es noch hören?
Der Durchschnittschrist, was man den anständigen Christen nennt, das ist ja nicht der Normalchrist. Glauben wir nur das nicht. Der Normalchrist ist nur der extreme Christ. Wir dürfen die Wahrheit ja nicht als etwas auffassen, was eine Angelegenheit für Feinschmecker ist. Die Zeit hat Theologie zu treiben und beruflich sich unabhängig von der Welt zu halten. Das ist einfach die christliche Wahrheit. Lesen Sie doch einmal nur die Tauffeier-Texte, was alles gebetet und gesungen wurde am Karsamstag Abend, bis daß das Licht aufging und sich mit dem Strahl der Osterkerze traf. Als ob das je anders zu verstehen wäre! Die ersten Christen verstanden unter dem Normalchristen nur den, der aus diesen Wahrheiten heraus lebte; und es ist etwas ungeheuer Merkwürdiges und, was vielleicht noch merkwürdiger ist und staunenswerter als eine ganze Schöpfung, daß der HEILIGE GEIST aus diesem degenerierten Volk von Kleinasien damals  d a s  schuf in Jahrzehnten. Da ist überhaupt die ganze Antike auf den Kopf gestellt. Und von diesen Wahrheiten sind wir doch heute wirklich weit entfernt.
Wir müssen alle das Bestreben haben, unbedingt über den Durchschnitt hinauszukommen. Der Durchschnittschrist, der ist kein Christ. Wenn man immer von vollkommener Liebe spricht, weiß GOTT was wir geleistet hätten - ja, bei der vollkommenen Liebe fängt doch das Christentum an. Alle anderen haben doch GOTT nicht verstanden. Alle anderen sind Taglöhner.
So lange ich nur aus Pflicht und nicht aus GOTTESliebe heraus handle, möchte ich wissen, was für ein Unterschied wäre zwischen einem Christen und einem Juden, der aus Ägypten auszog?
Damit ist auch das Zweite gesagt. Diese GOTTESfreundschaft ist nicht nur ein Wagnis von Seite GOTTES, sondern ein Wagnis auch von Seite des Menschen, denn dieser Freund, Der hat so Seinen eigentümlichen Rhythmus, Freundschaft zu erweisen, und der Rhythmus ist eben der, den wir heute den ganzen Tag miterleben. Der Rhythmus ist kein anderer, als der Lebensrhythmus Seines SOHNES am Gründonnerstag und Karfreitag. Wen GOTT zu Seinem Freund gemacht hat, der kann auch überzeugt sein, daß GOTT ihm alles tut, wenn er sich bewußt wird, nicht ich bin es, der es tut, sondern GOTT ist es. Daß GOTT ihm aber immer das Beste zerschlägt und ihn zum Schluß doch rettet, damit ihm ja nicht die Versuchung kommt, überhaupt noch einmal Ich zu sagen GOTT gegenüber; damit er überhaupt nur DU sagt, damit er überhaupt sich nur in GOTT sieht, das ist ein Wagnis, auf diesen Rhythmus einzugehen.


Fortsetzung

20. März 2016

Kartage (7)

Wenn wir uns nun fragen, wie dieses neue Leben aussieht, das uns GOTT an Ostern versprochen hat - wir nennen es das neue Leben der Ostergnade - und was wir am Karsamstag feiern, diese Erneuerung des Lichtes, des Wassers, die Erneuerung an Speise und Trank, das alles hat nur symbolisch Sinn für jene Erneuerung, um die es sich eigentlich dreht, nämlich dieses Leben, das uns gegeben werden soll; wenn wir darnach fragen, dann müssen wir diese Pfade einschlagen, die wir bereits zwei Abende zu deuten und zu finden suchten. Wir müssen darnach trachten, wirklich ein Leben in der Heiligen Dreifaltigkeit zu führen, oder, wir müssen die Sendungen, die aus dem VATER erfolgen im SOHNE und im HEILIGEN GEISTE, in uns aufnehmen. Wir müssen Gegenstand, Inhalt der gleichen Sendungen sein.
Was im eigentlichen Sinn nur in der Heiligen Dreifaltigkeit sich vollzieht, muß in uns vor sich gehen, ich muß dessen ein Stück sein. Es ist zu wenig gesagt, wenn ich sage, es muß in uns vor sich gehen, unser übernatürliches Ich muß ein Ausdruck dieser Sendungen sein. Wir müssen unbedingt in die Sprechgemeinschaft des SOHNES mit dem VATER hineingerissen werden. Es muß in uns ein Verstehen sein dessen, was der VATER zu sagen und dessen, was der SOHN zu antworten hat und unser Lieben muß in der Liebe des HEILIGEN GEISTES erfolgen.
Um das nun ausdrücken zu können, und gegen jede Mißdeutung in rein geschöpflichem Sinne eine Barriere, einen Damm aufzurichten, gebraucht die Kirche einen Ausdruck: Wir müssen hineingehen in die Freundschaft GOTTES. Das ist nicht vielleicht ein Ausdruck daß vielleicht ein Prophet gemeint wäre, der vielleicht das Privilegium eines Mystikers wäre. Das ist ein dogmatischer Ausdruck, der sich auf den Epheserbrief 2,19 stützt, daß die Begnadeten unbedingt etwas anderes müssen sein als Beisassen, Geduldete. Sie müssen sein Hausgenossen und Freunde!
Was versteht man nun im vollen Sinn unter diesem "Freund"?
Der HERR hat es ja auch in den Abschiedsreden schon gesagt."Von jetzt an darf ICH Euch nicht mehr Knechte nennen, Knecht GOTTES ist zu wenig, ICH muß Euch Freunde nennen." Und dieser Ausdruck "Freunde" ist infolgedessen von der Theologie im vollen Sinn genommen worden und es ist merkwürdig, daß das eines der Probleme war, das das Mittelalter am allermeisten interessierte. Was ist Freundschaft ?
Was verstehen sie nun unter Freundschaft? Freundschaft hat man im allgemeinen auf doppelte Weise zu erklären versucht und jede Erklärung läuft auf die eine hinaus.
Kommt man mit Thomas aus der Antike her, dann bezeichnet man Freundschaft als die innere Einheitskraft, darin zwei Menschen so eins werden, daß sie eine neue Basis finden von Vereinigung, die man nicht weiter erklären kann, die beiden unbedingt bewußt, lebendig bewußt ist und die etwas ist, was nur durch diese ganz geheimnisvolle Einheit, das Sich-Eins-Fühlen, erzielt werden konnte. Selbstverständlich ist hier vorausgesetzt, daß man Freundschaft in diesem Vollklang nimmt, was eben nur einzigartige Gabe von GOTT, direkt einer Sendung gleichkommt; nicht etwas, das ich mir wähle, was ich mir suche, sondern, was mir tatsächlich in den Schoß fallen muß.
Die andere Gruppe, zu der auch Franz von Sales gehört, sieht die Freundschaft mehr vom Psychologischen her, eine Beziehung, die polar schwebt zwischen dem Ich und Du. Daß ein Anderes überhaupt als Du, nämlich als das andere Ich angeredet werden kann.
Wenn wir nun Freundschaft so tief nehmen, und nur so zu nehmen hat es einen Sinn, dann ist es eine Verbindung, die noch tiefer geht als Ehe. Wenn dieses Ich- und Du-Verhältnis, diese höhere geistige Einheit nicht gefunden werden könnte, hat auch die Ehe keinen Sinn. Das ist nun die Freundschaft, deren sich Paulus im Epheserbrief bedient und die er als Ausdruck der GOTTESfreundschaft zugrunde legt.
Jedenfalls im einen und anderen Sinn genommen, liegt das Wesen der Freundschaft darin, daß nicht ein Ich und ein Er einem Es gegenüberstehen. Der Freund ist niemals ein Es, mit anderen Worten, ist niemals Gegenstand und Objekt, er ist immer das andere Ich, das Du, der oder das angesprochen wird. Ich kann immer nur zum anderen Du sagen, wenn er mir unbedingt kein Es ist. Ich kann nicht einen Gegenstand ansprechen, ich kann nur das andere Ich ansprechen. Und Freundschaft ist eben jenes ganz bestimmte, geistige Verhältnis, wodurch die andere Individualität, soweit als überhaupt möglich, der Andersheit entkleidet wird, sodaß ich mich tatsächlich im Anderen wiederfinde, wie Thomas das sagt, dieses ganz geheimnisvolle Band des Geistes, das beide verbindet und das man niemals befehlen kann.
Was wir gestern und vorgestern sagten, der Mensch wird nur dann wirklich Christ, wenn er tatsächlich trinitarisch lebt, d.h., daß er tatsächlich in diese Sendung hineingerissen ist, das kann man ganz kurz ausdrücken in dem einen Wort: GOTTESfreundschaft. GOTT darf mir niemals ein "Es" werden, ER darf nur immer ein "DU" sein. Das heißt, ER darf mir immer nur, von mir aus gesehen, ein Stück meines Wesens sein. Eigentlich müßte ich es umgekehrt sagen: Ich darf immer nur ein Glied, ein Moment in diesen Sendungen sein. Auch ich darf für GOTT kein Es sein. Die Welt ist für GOTT ein Es auf das ER sich in Seiner Tätigkeit, in Seiner Erhaltung, Ergänzung, in Seiner Schöpfung und in Seinen Segnungen, in Seinem Strafgericht, erstreckt. Es wird Ihnen klar werden, was damit gemeint ist, es mag auf den ersten Anhieb nicht leicht sein, in diese Gedankengänge der Theologie sich hinein zu denken.
Aber das Letzte, was man sagen kann, ist eben das: Weder darf ich für GOTT, noch GOTT für mich ein Es sein, sondern die beiden dürfen für einander nur ein Ich sein, das sich eben über das eigene Ich hinaus weitet. Selbstverständlich war das das Problem des Meister Eckehart schlechthin, und die bekannte Formel, die an Plastik und Schonungslosigkeit nichts zu wünschen übrig läßt, ist die: daß es leider so viele Menschen gibt, für die GOTT eine Melkkuh ist. Das ist ziemlich das Äußerste, was man als Gegensatz zur GOTTESfreundschaft sagt. GOTT wird so ein Mittel zum Zweck.
Ich werde alles eher auf mich nehmen, als daß ich den Freund zum Mittel mache, als daß ich mich in den Mittelpunkt hineinstelle. Das nannten die Alten: Den Liebeserweis des Wohlwollens, im Gegensatz zur Liebe der Begierlichkeit. Zwischen mir und GOTT muß die Liebe des Wohlwollens herrschen. Wenn ich einen Freund anders benützen wollte, dann muß ich die Hand davon lassen und überhaupt das Wort Freundschaft nicht in den Mund nehmen.
Sie sehen nun von einer anderen Seite her, es dreht sich um gar keine andere Frage, als um die der letzten Abende, nämlich um das wahre Leben des Christen. Das, was wir immer als Ostergnade und Osterliebe bezeichnen, ist zweifellos dieses Eine, daß wir aus diesen innertrinitarischen Sendungen heraus leben und wissen, daß das nicht etwas ist, das uns gegenüber steht, sondern, in das ich hineingerissen werde, dessen ich ein Glied bin. Glied ist etwas anderes als Teil. Die Säulen sind Teile des Gewölbes, aber keine Glieder. Und ich habe im eigentlichen Sinn des Wortes keine Körperteile, sondern Glieder. Und so muß ich ein Glied in diesem Vorgang sein. Das Glied ist wohl nicht das Ganze und dennoch ist es nicht erklärbar, ohne daß es in etwa das Ganze repräsentierte. Und so auch da. Ich muß gliedhaft in diesen innertrinitarischen Sendungen drinnenstehen. Die alten Christen würden sich baß verwundern über unsere christliche Mentalität, wie peripher die ist.


Fortsetzung

18. März 2016

Kartage (6)

Was ergibt sich daraus für eine ganz besondere Lebensaufgabe? Eine typisch katholische Lebensaufgabe, ganz klar! Je mehr dieses Strömen, dieses Hineinbezogensein in das Leben der Heiligen Dreifaltigkeit ins Bewußtsein hinaufsteigt, umso besser ist es. Das ist der Sinn der Offenbarung, sonst hätten Paulus und Johannes es mit dem Schleier bedecken können, sie haben aber diesem Geheimnis so weit Wort gegeben, als es nur ausdrückbar ist. Das Andere ist Sache des Christen.
Nun begreifen wir eines klar: Der Christ wird bewußter und immer bewußter dieses innertrinitarische Leben leben, nicht, je mehr er studiert, sondern je lebendiger er ist. Mit anderen Worten: Nicht je gescheiter, sondern je frömmer er ist. So, sagt die Theologie, ist es Aufgabe des Christen, daß er immer bewußter am Leben GOTTES teilnimmt, sodaß schließlich jedes Sprechen, Hören und Antworten, ein Sprechen mit CHRISTUS ist, jedes Hören ein Hören mit CHRISTUS ist, was der VATER sagt, jedes Antworten ein Antworten ist auf den VATER in irgendeiner Weise; jedes Lieben in irgendeiner Weise ein Teilnehmen ist an der Glut der Liebe des Heiligen GEISTES. Je mehr der Christ das kann, je mehr entfaltet sich im Bewußtsein dieses Lieben, je weniger er es kann, desto mehr bleibt es der tote Schatz, der in ihm vergraben ist.
Und jetzt begreifen wir klar, woher es kommt, daß man uns immer sagt, ihr müßt alles aus übernatürlicher Gesinnung heraus tun. Ihr müßt alles einbauen und einschmelzen in den Wirkungs- und Energie-Kreis der Guten Meinung. Das sind nicht einfach Befehle, Aufträge und Mahnungen der Kirche, sondern das ist das Natürlichste von allem.
Ich soll eben womöglich in allen meinen Handlungen ein Schattenbild irgend eines dieser drei Vorgänge darstellen. Sei es das Sprechen des VATERS, das Hören des SOHNES, das Antworten des SOHNES und die Hingabe des SOHNES, die wir Liebe heißen im HEILIGEN GEISTE. Das wäre das christliche Leben, das uns der HERR in den Abschiedsreden nahelegt: In Gemeinschaft zu stehen mit den Drei Göttlichen Personen.
Die Väter (Origines), die drückten sich vielfach weniger schüchtern aus, als wir uns auszudrücken wagen aus Furcht vor Pantheismus. Dem wahren Christen ist der Pantheismus keine Gefahr. Pantheismus ist nur eine Gefahr für den natürlichen Menschen, aber nicht für den Christen. Weil infolgedessen das keine Gefahr ist, wieso kann ich nun plötzlich schüchtern werden und an dieses kostbare Innenleben des Christen überhaupt nicht denken ? Von dem Standpunkt aus bekommt dann eine Wahrheit im Christentum auch ein ganz merkwürdiges Licht. Es kommt darauf an, daß der Christ das innergöttliche Leben mit vollzieht und das ist dann bereits der angebahnte Zustand des Himmels.
Wenn nun aber ein Mensch nicht imstande ist, mit CHRISTUS die Wahrheit zu sprechen an den VATER hin, mit CHRISTUS auf den VATER hinzuhorchen, in Liebesgemeinschaft des HEILIGEN GEISTES zu stehen mit VATER und SOHN, was ist dann? Dann lebt er nicht. Dann hat er das Leben, das eigentlich die Hl. Erlösung in der Gründonnerstag-Nacht zu gründen beginnt, das hat er nicht. Johannes sagt: Sie sollen das Leben haben und sollen es im Überfluß haben. Dann ist er eben tot und starr und das ist es, was Hölle ist. Da stellt sich auf einmal nun heraus, daß es Hölle geben muß. Oder nicht ? Da muß es Hölle geben, soweit wir einem reinen Glaubenssatz gegenüber ein "Müssen" aussprechen dürfen.
Wir begreifen jedenfalls eines ganz einfach: Wenn einer ohne dieses Leben stirbt, wie kann er in dieses Leben hineinkommen, das wir Himmel nennen ? Ist ganz unmöglich. Es wird lediglich der Zustand, in dem er ist, fixiert, und das ist der Zustand der Unfähigkeit, am innergöttlichen Leben je noch teilnehmen zu können. Und dieser Zustand ist nichts anderes, als starre, tote Finsternis, Kälte, - eben Hölle. Es wird uns wohl das erschütterndste Geheimnis der Hölle nie klarer, als wenn wir es an das höchste Geheimnis heranbringen: TRINITÄT. Ich darf nicht so an das Geheimnis herankommen als wenn GOTT sprechen würde: Nun schaffe ich eine Hölle und da soll es brennen. Der, der nicht in der innertrinitarischen Sendung drinnensteht, der steht eben draußen. Heißen Sie es, wie Sie wollen, aber es ist Hölle.
Das waren die Wahrheiten, aus denen heraus das ganze Urchristentum lebte und betete. Die Theologie, die ging dann noch weiter, und erörterte noch eine Frage. Wenn das das ist, was wir Christentum heißen; Was ist dann zuerst in der Seele bei der Taufe? Gnade oder Einwohnen des HEILIGEN GEISTES? Sie sagen dann, das, worauf es ankommt, ist eines: In diesem innertrinitarischen Leben und Weben und Strömen drinnen zu stehen, das muß das Erste sein und die Gnade kommt dazu.
Ich sagte schon, CHRISTUS spricht in den Abschiedsreden der Gründonnerstag-Nacht eigentlich überhaupt nur davon. Lesen Sie, was ER davon den Aposteln sagt, vom Sein und Stehen in der Welt, aber nicht "von der Welt sein dürfen", und was der GEIST zu tun hat. In dem Zusammenhang faßt Er dann diese ganze Lehre in einem Schlußwort zusammen, worin ER dann sozusagen auf eine

menschliche Formel bringt, was ER sagen will - das köstliche Sätzlein: Amicus meos. [Joh 15, 14 Vos amici mei estis] - Ja, wenn es dann so weit ist, dann darf ICH Euch auch nicht mehr Knechte nennen. Denn der Knecht weiß nicht, was der HERR will, Ihr aber wißt es sehr genau. was ICH will. Also darf ICH Euch heute, von dieser Nacht an, Meine Freunde nennen. Das hat ER vorher nicht gesagt, dafür waren sie früher nicht reif. Kindlein und derartiges, ja, aber von  j e t z t  an darf Ich Euch nicht mehr Knechte nennen, ICH muß Euch Freunde nennen. Damit will ER alles in eines zusammenfassen und will die ganze Wahrheit der Gründonnerstag-Nacht von einer ganz anderen Seite her sehen, die den Menschen wohl viel besser bekannt ist, davon her, was "Freund zum Freund sein" bedeutet.
Darum müssen wir uns morgen noch ganz kurz darüber Rechenschaft geben, was meint CHRISTUS, wenn ER als die Aufgabe, die ER hat in dieser heiligen Erlösung, wodurch der HEILIGE GEIST vermittelt wird, wenn Er als diese Aufgabe bezeichnet: Ihr sollt von jetzt ab in der GOTTESfreundschaft stehen.
Was wir haben anklingen lassen, das wollen wir jetzt in einer Betstunde noch erbitten. Wir wollen sein wie die Apostel im Abendmahlssaale. Wir haben ja auch den HERRN mitten unter uns und wollen die köstlichste aller Gnaden, dieses köstliche Leben von IHM uns erbitten in dieser Heiligen Stunde.


Fortsetzung

17. März 2016

Kartage (5)

Wir müssen ganz in der Dreifaltigkeit drinnen leben, was heißt das? Das Leben in der Heiligen Dreifaltigkeit, dabei ist zu verstehen das innertrinitarische Leben, nicht, daß GOTT mir Vater ist, daß ER mich erschaffen hat, nicht, daß GOTT mein Ziel ist.
Und wir modernen Christen sind ohne weiteres bereit, zu sagen, da komme ich nicht heran. Ist das wahr? Die Alten waren ganz anderer Auffassung und gemessen an den Abschiedsreden ist es anders. Schrift und Väterlehre, die lassen keinen Zweifel darüber, daß das Hervorgehen des SOHNES aus dem VATER im HEILIGEN GEISTE und das Zurückstreben des SOHNES in den VATER den Christen muß hineinreißen oder er ist nicht Christ.
Man könnte eigentlich so sagen: Was ist Christentum? Teilnahme am trinitarischen Leben. Einer hat diese Sache geahnt -, den hat diese Frage gebrannt, aber
1.) war seine Zeit ihm schon reichlich entwachsen und
2.) war er teilweise zu keck - das war Eckehart. Der hatte keine andere Frage wie Athanasius. Nur ging er zu unvorsichtig und scharf heran, sodaß man ihn mißverstehen mußte. Aber er wußte davon!
Wir dürfen uns die HEILIGE DREIFALTIGKEIT ja nicht vorstellen, was man immer zu sagen gewagt hat, als einen Seins-Klotz, der starr ist, sondern, das ist von uns aus gesehen, die allerhöchste Bewegung, die man sich denken kann, das lebendige Leben, das in sich nicht einen Hauch und Schatten von Tod hat und dieses Leben ist eben ein Hinbewegen des VATERS auf den SOHN im HEILIGEN GEISTE. Und so schließt sich der Kreis. Und nun ist es die Aufgabe der Sakramente, besonders der hl. Taufe, daß der Getaufte in das Strömen dieser Liebe hineingezogen wird, dieser Liebe, welche der HEILIGE GEIST Selber ist; und in dieser Liebe, sagt Athanasius, wird der SOHN und der Mensch im SOHN hingetragen zu GOTT dem VATER.
Der SOHN ist gar nichts anderes als die Tat der Hingabe an den VATER, ER ist immerwährende Hinneigung auf die GÖTTliche Person, Die IHN hervorbringt allezeit. Aber diese Hinneigung des SOHNES zum VATER ist nicht etwas, was vom Wesen des SOHNES untrennbar ist, sondern das ist der SOHN. Anders ausgedrückt: Wenn wir überhaupt es fassen wollen, dann müssen wir sagen, der SOHN wird dadurch gesandt, daß der VATER IHN als das Ewige WORT in ewigem Zwiegespräche spricht. Aber in einem Zwiegespräch - der SOHN muß dem VATER antworten, ER ist nicht nur das WORT, sondern auch Antwort, die Gegenbewegung. Nun ist es die Aufgabe des HEILIGEN GEISTES, den begnadeten Menschen in dieses Zurückströmen hineinzureißen. Und das ist Aufgabe der heiligmachenden Gnade. Dazu empfängt der Mensch heiligmachende Gnade.
Wie ist das möglich, hineingerissen zu werden in diese Zurückbewegung? Das ist deswegen möglich, weil das Wort nicht nur LOGOS, sondern JESUS CHRISTUS zu gleicher Zeit ist. Weil das Wort nicht nur ewiges WORT ist, sondern neben der GÖTTlichen, die menschliche Natur hat. "Du aber hast mir einen Leib gegeben." [Hebr 10, 5] Dem SOHNE war die Aufgabe dieses Lebens, der Inkarnation, der Einfleischung, etwas ganz Klares; nun bin ich aber ganz Fleisch, wie der SOHN Fleisch ist, und daher wird der Mensch mit Hilfe - der menschlichen Natur hineingerissen in die Herrlichkeit des GÖTTlichen Lebensrhythmus. Der Getaufte bekommt dazu Taufe, - damit er erst einmal verwandt sei CHRISTUS - daher ist das die Voraussetzung alles Christentums: "Per CHRISTUS dominum nostrum" [Durch CHRISTUS unseren Herrn], weil die Voraussetzung ist, daß der Christ verwandt werde CHRISTUS. Und wenn der Mensch einmal CHRISTUS verwandt ist, dann sorgt der HEILIGE GEIST für alles andere. Und so wird dann der Christ hineingerissen auch in das innertrinitarische Leben, in die Bewegung, die ist zwischen VATER und SOHN.
So sehr es wahr ist auf der einen Seite, daß der Christ GOTT als dem "Ganz Anderen" gegenübersteht, so sehr ist es auch wahr, daß ein Mensch, wenn er Christ ist, in dieses innergöttliche Leben hineingerissen wird und dazu bedurfte es eben des Eingeborenen SOHNES und Seiner Offenbarung. Ohne diese wäre es unmöglich gewesen, daß ein Mensch je aufgrund des Alten Testamentes draufgekommen wäre, was eigentlich seine Aufgabe ist.
Und nun sehen Sie, auf der einen Seite ist wohl das Neue Testament ohne Altes undenkbar, weil das Alte Testament die dogmatische Vorbereitung des Neuen ist; und auf der anderen Seite sind sie von einander getrennt wie Tag und Nacht. Das ist wirklich wahr, daß die Alten verlangt hatten, diesen Tag zu sehen und sie haben ihn nicht gesehen. Es ist wahr, bis zu dem Augenblick war ihnen alles nur Schatten, namentlich gesehen von dem Standpunkte des Gründonnerstag. Von der Nacht des Gründonnerstag, wo der HERR zum ersten Male dieser Strömung wahren Ausdruck gibt, ist alles Vorher seit Moses und Abraham Nacht, richtiggehend Nacht.
Das Alte Testament sieht beim Menschen das Tun an. Hier habe ich die Leistung. Gib. Das war die ganze Moral des Alten Testamentes. An die GOTTES1iebe hat man nur getastet und dann verstanden sie die Liebe nur als inneres Interesse, aber was sie nicht verstehen konnten, daß der Mensch muß hineingerissen werden in diese Bewegung. Da sehen Sie nun, das ist eigentlich Liebe. Das verstand das erste Christentum unter Liebe. Wir dürfen also und müssen theologisch unbedingt den Satz aussprechen: Der Begnadete vollzieht die innergöttlichen Lebensvorgänge mit. Sie werden nicht nur in ihm vollzogen - die begnadete Seele ist der Raum dazu. Der Mensch selber wird mit hineingerissen, er nimmt in lebendiger wirklicher Weise am inneren, dreipersönlichen Lebensaustausch GOTTES teil.



Fortsetzung

16. März 2016

Kartage (4)

Wir wundern uns so stark, wie sehr Paulus so hohe und tiefe Töne der Mystik konnte anschlagen. Er mußte doch auf ein Verständnis rechnen und nun sehen wir, er spricht zu ganz gewöhnlichen Menschen, nicht zu Christen, die vielleicht Theologen gewesen sind. Daß die ihn verstanden und wir ihn nicht, das hängt damit zusammen, daß uns die tiefere Wirklichkeit dessen, was Christentum ist, abhanden gekommen ist. Nicht, als ob wir sie nicht trügen in unserer Seele - wie weit wir das Christentum verstehen, darum dreht es sich für die heilige Erlösung nicht - aber wir sind uns des tiefsten Grundes und der wahren Natur des Lebens, in der wir Christen drinnen stehen, nicht bewußt.
Wenn wir es von der Seite her ausdrücken, daß wir nicht von dieser Welt sein können und daß der HERR mit dieser Welt nichts zu tun haben will, so ist das nur von der Außenseite her gesehen. Das, worum es sich eigentlich dreht, diese Atmosphäre, in der wir leben, in der Christentum sich bewegt, eben jene Atmosphäre, die mit der Welt überhaupt nichts zu tun haben kann, weil sie in sich die Negation der Welt ist, ist der HEILIGE GEIST.
Wir haben das übernatürliche Gefühl dafür, wenn man das so ausdrücken darf, im HEILIGEN GEISTE zu stehen, eingebüßt. Wir können uns nicht vorstellen, daß wir Christen nicht irdisch seien. Es ist natürlich klar, daß eine so hoch entwickelte Kultur der Technik unbedingt abschatten muß in religiöser Beziehung, daß die Menschentypen zeitigen muß, und daß dieser Menschentyp das, was menschlich faßbar ist, als einzige Realität ansehen muß.
Das andere geht unbedingt verloren, das Gefühl datür, daß der Christ eigentlich im HEILIGEN GEISTE steht und daß all das, was ich tue, rede und bete, nur denkbar ist im HEILIGEN GEISTE. Daß, wenn etwas aus dem HEILIGEN GEISTE und dieser Atmosphäre herausfällt, es überhaupt übernatürlich und vom Christlichen her gesehen, tot, zwecklos und wertlos geworden ist. Lesen Sie die Abschiedsreden, es dreht sich immer um das Eine: "Ihr seid nicht von dieser Welt" [Joh 15, 18f]. Wie kann man nur den Versuch machen, der Kirche suggerieren zu wollen, sie soll weltnäher sein. Sie ist weltnahe genug in ihren Gläubigen, sie dürfte nicht weltnäher werden. Man dürfte ihr und ihren Gläubigen nur eines raten: Weltferner zu werden, um dem HEILIGEN GEISTE näher zu kommen.
Es steht jeder im HEILIGEN GEISTE, der Gnade hat, aber, daß er auch aus dem HEILIGEN GEISTE lebt, ist nicht gesagt. Und dann noch Weltnähe anstreben? Unchristlicher kann man nicht denken.
So spricht CHRISTUS überhaupt nur davon in den Abschiedsreden, was der GEIST zu tun hat und daß Sein blutiges Opfer das erste ist, was im HEILIGEN GEISTE gewirkt wird. Darum die Gründonnerstag-Nacht, die ist unbedingt die zweite Schöpfung, wo der HEILIGE GEIST wirklich zu wehen beginnt. Und nur deswegen, weil das ist, ist es überhaupt möglich, Karwoche mitzufeiern. Wenn das nicht wäre, dann unterschiede sich das Karwochen-Feiern von einem Film-Ansehen in gar nichts.
Karwoche mitfeiern ist nur möglich, wenn einer im HEILIGEN GEISTE schwebt, genau so wie der Meister im HEILIGEN GEISTE alles tat, was ER getan, litt und redete. Nur dann kann dieses Karwochen-Mitfeiern den Sinn eines wahren Gebetes haben. Diese Wirklichkeiten kommen uns gar nicht mehr zum Bewußtsein.
Paulus sagt: Ihr könnt den Namen JESUS nicht aussprechen, außer im HEILIGEN GEISTE [1 Kor 12, 3]. Ich gehe kommunizieren und meine, wenn ich nur zur Kommunionbank gehe, dann habe ich das Unterpfand der ewigen Seligkeit. Wie will man das anstellen? Ich kann nicht kommunizieren, wenn zwischen mir und dem Leib CHRISTI nicht der HEILIGE GEIST steht. Ich kann nur kommunizieren im HEILIGEN GEISTE. Uns den GEIST zu bringen, das war die Aufgabe der heiligen Erlösung und umgekehrt war die Erlösung selber schon ganz Werk des HEILIGEN GEISTES, das ER, der Beauftragte vom VATER, im Namen der HEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT getan hat.
Wir müssen, wenn wir ein geläutertes Christentum in uns pflegen wollen - je geläuterter ich lebe, desto weniger Hindernisse habe ich, um wirklich zu GOTT zu kommen - gerade diese Wahrheit wieder als eine Wirklichkeit hinzunehmen lernen. Was hat der HEILIGE GEIST zu tun ? Wenn ich sage, es hat alles, selbst das Geringste, überhaupt nur Zweck, wenn ich im HEILIGEN GEISTE stehe, wie CHRISTUS auch, so ist damit das Letzte im christlichen Leben angedeutet; daß ich mit Hilfe des HEILIGEN GEISTES muß - unbedingt muß - in innere, wahre Beziehung treten zur
HEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT. Mein Leben darf sich von dem Hervorgehen des SOHNES aus dem VATER im HEILIGEN GEISTE und dem Zurückstreben des SOHNES in den VATER eben durch den HEILIGEN GEIST überhaupt nicht trennen.
Das wahre Leben des Christen steht andauernd in der Durchhellung und Durchglutung dieser innergöttlichen Bewegung. Die HEILIGSTE DREIFALTIGKEIT teht nicht nur mir gegenüber, sondern ich bin in Sie hineingezogen, das ist ja Gnade. Dazu habe ich ja Gnade bekommen. Je mehr ein Christ in GOTT steht, desto mehr wird überhaupt sein Sprechen und Tun ein Mitsprechen und Mittun und Leben mit der Heiligsten Dreifaltigkeit. Das sind Wahrheiten, die dem ersten Christentum aus einem doppelten Grund viel näher standen wie uns. Einmal, weil sie eben so nahe bei den Aposteln standen, und die Apostel, besonders Paulus und Johannes, waren ja davon ganz voll. Das war es ja, was sie bekommen haben, 'accipite spiritum', was sie bereits erlebt haben im Abendmahlssaale. Dafür haben sie am Ostersonntag-Abend die ganze Bewußtheit bekommen. "Empfanget den GEIST"! [Joh 20, 22f] Und sie verstanden die Schrift. Da gingen ihnen auf einmal die Augen auf. Ja, inwiefern eben der HEILIGE GEIST durch die ganze Schrift durchwirkt und die Schrift ein Ausdruck des HEILIGEN GEISTES ist. Sie wurden aus der Ebene ihres enge gebundenen, israelitischen Standpunktes herausgerissen und hineingelegt in diese Ebene. Es fielen ihnen die Schuppen von den Augen. Und sie erkannten IHN am Brotbrechen. Warum erkennen wir IHN nicht am Brotbrechen? Sie waren auf einmal im HEILIGEN GEISTE und waren eins mit IHM.
Wir Christen, wir können nur eines tun, wenn wir vollkommen werden wollen, uns in der Richtung, auf dieses Ziel, auf diese Ebene hinzubewegen. Etwas anderes ist alles Askese und Ethik. Das allein ist das Wahre. Das sind die Wahrheiten der Gründonnerstag-Nacht. Das hat die Kirche von jeher gefühlt und gewußt. Daher die Ölweihe.
Und das Zweite, warum das Urchristentum das viel mehr kannte als wir: weil die Väter das andauernd gepredigt haben. Athanasius, Augustinus, Johannes Damascenus etc., die predigten überhaupt nur trinitarisch. Athanasius, wenn der zu seinen Ägyptern, diesen Kulis, redete, glaubt Ihr, daß die gelehrt waren? Und sie verstanden ihn. Da muß das Christentum auf einer ganz anderen Ebene gewesen sein, sonst könnte man sich nicht denken, daß das Christentum eine Periode des Martyriums durchmachte. Das war der GEIST. Und wenn ich einfach im HEILIGEN GEISTE drinnenstehe, da nehme ich auch das Martyrium auf mich. Und in der Ebene sind wir nicht mehr.
Wir haben ein vollkommen industriealisiertes Christentum. Glauben Sie, die Väter, dieser Johannes Damascenus, hat für Akademiker-Ostertagung gepredigt? Es waren Lastträger, Schiffer, Eseltreiber. Der redet DREIFALTIGKEIT vor dem Volk in Ausdrücken, die jetzt die Theologen als Doktorarbeit benützen. Das sollte uns zum Bewußtsein kommen in dieser heiligen Nacht. Da meinen die Menschen immer, daß sie vollkommen werden, wenn sie nur recht Aszese betreiben und fromm sind. Das ist alles Tun - das ist jüdisch. Ich kann nicht zu GOTT kommen und nicht in IHN hineinkommen, wenn mir das nicht einmal aufgegangen ist.
Sie lebten aus DREIFALTIGKEIT, was heißt das? Lebt jemand von uns aus DREIFALTIGKEIT? Zum letzten Mal waren es die Mystiker im Mittelalter. Tauler stellte einmal in einer Predigt, nicht in einem theologischen Traktat, die Frage, ob es möglich ist, ohne über CHRISTUS zu gehen, in die TRINITÄT zu kommen. Ich möchte wohl wissen, wenn heute das gepredigt würde, was die Leute sagen möchten. Die wußten noch, daß man nur in Trinität leben kann, wenn man Christ sein will. Du mußt hindurchgehen durch CHRISTUS den Gekreuzigten, und wenn du IHM dich angesprochen hast im HEILIGEN GEISTE, dann reißt es dich hinein in die TRINITÄT. Du darfst niemals CHRISTUS umgehen, auch nicht in deinem Beten.
Das waren die Letzten, dann war es verstummt. Dann haben diese kostbaren Wahrheiten das Tor hinter sich zugeschlossen und man sprach nicht mehr davon; man hat keine Ahnung mehr davon im christlichen Volk. Das kommt daher, weil die Kirche immer und immer die Auffassung hat, möglichst viele Leute zu gewinnen. - Die Forderungen herunterschrauben und Moral treiben, um möglichst viele zu gewinnen. O GOTT bewahre! Ich muß möglichst viele Christen erziehen! Eine Handvoll ist mehr wert als tausend Weltmenschen, die hin- und herhinken. GOTT wird uns diese Wahrheit noch lehren. Lassen wir uns nur Zeit.



Fortsetzung

15. März 2016

Kartage (3)

Was die Kirche sich unter Gründonnerstag denkt, das faßt sie in einigen Orationen zusammen, namentlich in einer: Der Bischof weiht zuerst das Krankenöl, das ist jenes Öl, das eben für die "Letzte Ölung" dient. Es ist heiliges Öl, aber die Kirche hat es niemals als so konsekriert angesehen, wie das folgende, das Chrisma, das Öl, das aus Balsam und Oliven gemischt wird vom Bischof selber und das Öl, durch dessen Salbung die allerletzte Beschwörung des Teufels erfolgt vor dem Empfang des Taufwassers, das unmittelbar Vehikel ist für die Geist- und Macht-Übertragung bei der Bischofweihe. Das sieht die Kirche als jene Weihe an, wie es keine größere gibt, die in einer Präfation vollzogen wird, und die leitet die Kirche mit folgender Oration ein:
"Lasset uns beten zum HERRN, unserem allmächtigen GOTT, Der die unerfaßliche GOTTheit Seines eingeborenen SOHNES nach wunderbarem Ratschluß mit der wahrhaften Menschennatur unauflöslich vereinigt hat, und ihn unter Mitwirkung der Gnade des HEILIGEN GEISTES mit dem Öl der Freude vor seinen Genossen salbte, damit der durch die List des Teufels verderbte Mensch, der in einzigartiger Weise aus zweierlei Stoff zusammengesetzt ist, die ewige Erbschaft, die er verloren, wieder erhalte: ER möge diese aus verschiedenen Arten von Pflanzen bereiteten Flüssigkeiten mit der vollkommen gestaltenden Kraft der Heiligen Dreifaltigkeit segnen und mit dem Segen heiligen, und gewähren, daß sie mitsamt vermischt, ein Ganzes werden, und daß, wer immer äußerlich damit gesalbt wird, eine solche innerliche Salbung erlange, daß er, frei von allem Schmutze körperlichen Stoffes, voll Freude an dem Himmelreiche teilhabe. Durch denselben JESUS CHRISTUS, Seinen SOHN, unsern HERRN, Der mit Ihm lebt und regiert in Einigkeit des HEILIGEN GEISTES, GOTT von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen."
In dieser Oration ist so ziemlich die ganze Theologie darin. Es ergibt sich ganz deutlich aus dieser Oration,
1.) nur in der Salbung des HEILIGEN GEISTES hat die Jungfrau den SOHN empfangen und ist ER Mensch geworden und hat ER Seine Aufgabe als Erlöser empfangen.
2.) Und in der gleichen Salbung soll der Mensch erlöst werden, sodaß er sich Glück wünschen darf, diese neue Kreatur zu sein.
Und was hat diese Salbung für einen Sinn? Es soll eben die ganz neue Welt geschaffen werden. Die Welt, die Macht, das (5) Reich des HEILIGEN GEISTES. Jenes Reich, das in gar keiner Weise etwas mit Befleckung der Welt zu tun hat.
Nun sehen wir, was der eigentliche Sinn des Gründonnerstags ist. Der besteht zweifellos darin, daß er der erste Teil des zweiten Schöpfungsmorgens ist. Die erste Schöpfung, wir kennen sie und wir wissen, wie sie ausgegangen ist. Die zweite Schöpfung ist unbedingt die Schöpfung im HEILIGEN GEISTE - und für die Apostel, auch für JESUS CHRISTUS, ist am Gründonnerstag Pfingsten. Was Pfingsten ist, ist lediglich der glorreiche Vollzug dessen, was am Gründonnerstag war und am Karfreitag erst verdient werden mußte. GEISTsendung konnte nicht erfolgen. "ICH muß gehen, daß der Tröster kommt" [Joh 16, 5-7], das ist klar. ER mußte gehen, daß der Tröster kommt. Es mußte genuggetan sein. Aber glauben wir ja nicht, daß der sterbende Heiland den HEILIGEN GEIST "verdiente", und weil Genugtuung geleistet ist, können die Dämme bersten und der HEILIGE GEIST kann einströmen ewig in die Welt.
Diese Oration bezieht sich gerade auf Chrisma, weil das Chrisma die zwei Urfunktionen des neuen Reiches hat, daß die Sakralität, die an dem Reiche hängt, hiermit geschaffen wird. Was Sonne, Mond und Sterne und Leben ist auf Erden, das sind die sieben Sakramente in dem neuen Reich. Und weil das Chrisma gerade das Vehikel, der Träger ist - fast ist der Ausdruck 'Werkzeug" zu wenig - wodurch jeder einzelne Mensch eintritt ins Himmelreich, nämlich bei der Taufe. Durch die Chrisma-Salbung will die Kirche aber auch den letzten Anspruch des Teufels auf den Täufling zerstören. Die Kirche sieht die Nacht des Satans weitgehend und darum die Salbung mit dem Chrisma, daß er aus der ganzen Seele gebannt ist. Und darum diese Oration als Einleitung zu dieser Weihe. - Die Kirche kennt soviel Bedenken und Vorbereiten und Überlegen nur bei der Priesterwelhe, wenn sie sich immer wieder überlegt: Was tust du? Überlegen wir uns ja, was wir tun. Wir greifen jetzt ein in das Reich GOTTES. Durch dieses Chrisma soll genau das Gleiche geschehen, was in der irdischen Schöpfung geschah durch das:"Es werde"! Und köstlich heißt es zum Schluß: "Jeder, der immer gesalbt sei damit, soll eine solche Geistsalbung erlangen, daß er von jeder Berührung mit körperlichem Stoff in der Seele frei sei."
Also wir, an deren Leib einmal Chrisma geflossen ist, sollen überhaupt mit Welt gar nichts zu tun haben. Und dann sagt die Kirche: Und wem das zuteil geworden ist, der soll wissen, daß er das Himmelreich in sich trägt.
Das sind die Gedanken und Voraussetzungen zur Feier des Gründonnerstags. Weil nun durch Gründonnerstag dieses Hervorgehen des SOHNES aus dem VATER im HEILIGEN GEISTE gegründet und entzündet und ein für allemal in Bewegung gebracht wurde, darum ist das Erlösen des Messias nur möglich in diesem Vorgang, genau so gut, wie unsere Mitfeier nur in diesem Vorgange möglich ist. Das ist nicht einfach ein Mitfeiern, das ich mir anschaue, sondern das wir ein lebendiges Gebet nennen. Nur wenn wir betend drei Tage verharren, kann in uns Ostern werden.
Wir wollen uns morgen dann fragen, wie vollzieht sich nun in uns dieses Leben der Heiligen Dreifaltigkeit und wie nehmen wir daran in den Kartagen teil? Aus dem Geiste, der im Abendmahlssaale wehte und der die Abschiedsreden und das Hohepriesterliche Gebet des HERRN bestimmte, ergibt sich eines ganz eindeutig: Daß die Nacht des Gründonnerstag auf den Karfreitag und der Karfreitag selber nur denkbar ist als ein Geschehen, als die Erlösung, die sich vollzieht im Heiligen GEISTE. Man könnte mit demselben Recht die Einsetzung des Heiligsten Altarssakramentes und die Erlösung, das Erlöserleiden, eine Offenbarung des HEILIGEN GEISTES nennen.
Uns neuen Christen - neu in dem Sinn, daß wir eben nicht mehr dem Urchristentum angehören - ist das Gefühl für die wahre, christliche Wirklichkeit eigentlich abhanden gekommen. Wir leben furchtbar peripher; auf der Ebene des Ethischen, des Tuns, der Leistung; und wir sind überzeugt, daß wir uns eben dadurch die Vollkommenheit, die ewige Seligkeit verdienen. Oder, selbst wenn es so ist, daß wir aus einer tieferen Schau herkommen und nun das christliche Leben auffassen als ein Sich-hinein-Entwickel die wahre Wirklichkeit, in der Christentum und Christenleben schweben, die ist uns abhanden gekommen.



Fortsetzung

14. März 2016

Kartage (2)

Feiere ich Gründonnerstag und Karfreitag, dann komme ich unmittelbar in die Seele JESU CHRISTI hinein. Das ist keine Poesie sonst würde die Voraussetzung der GEISTsendung nicht stimmen. Das ist das Große, das Einmalige. Da sehen Sie, das Karfreitagfeiern, das ist nicht einfach ein Luxus, den sich einige Menschen leisten können. Das ist auf der anderen Seite nur das, daß ich bewußt herauskehre, was ich ein ganzes Jahr und ein ganzes Leben lang feiere mit CHRISTUS zusammen. Da muß ich den lebendigen Kontakt finden mit IHM. - Und das ist nur möglich, weil Er uns erlöst hat in der Heiligsten Dreifaltigkeit. Und das ist nur möglich, weil das Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit sich auch in meiner Seele vollzieht, weil der Grund zu Seinem Erlösen und Miterlösen ein einziger ist.
Man kann diese letzten Wahrheiten dem Volk nicht deuten, es hat nicht mehr die Geduld dafür, um in diese tiefen Wahrheiten des Christentums hinunterzusteigen. Daher heute das Christentum, das auf der ethischen Seite liegt. Das ist peripher. So verstanden die ersten Christen das nicht. (Katharina von Siena: Wenn sie am Karfreitag zusammenbricht, das ist Versagen der Natur, weil der innere Strom so lebendig, so mächtig ist.) Wir sind im Christentum nur allzusehr Außenseiter und kommen von außen her heran und das ist schade. Auch das Kommuniondekret Pius X. hat keine Änderung herbeigeführt. Zweifellos hat man das erwartet und es kam nur in wenige Seelen, nicht aber kam jene Regeneration der Christenheit.
Vielleicht kommt es noch. Vielleicht muß noch ein Faktor kommen, daß das zum Durchbruch kommt. Der Gründonnerstag ist für die Kirche und für alle Seelen, die wirklich mit dem GEISTE GOTTES gesalbt sind, der Tag des unaussprechlichen Jubels. Eben der Tag des HEILIGEN GEISTES, an dem der HERR im HEILIGEN GEISTE die ersten Priester salbte. Am Gründonnerstag abends hätten die Apostel konsekrieren können, wenn sie gewollt hätten und wenn sie es verstanden hätten. Die sieben Sakramente wurden geboren. Sie konnten noch nicht gespendet werden, denn es fehlte noch die wahre Unterlage. Erst mußte die Seite gespalten werden, daß daraus Blut und Wasser flossen.
Am Gründonnerstag wird das Wunderwerk geschaffen im HEILIGEN GEISTE - die Heiligste Eucharistie. Am Gründonnerstag beginnt das große Fluten des HEILIGEN GEISTES. Er salbte zum ersten Male Seinen Messias, mit der Salbung zum Tode; mit einer Kraft, die größer ist als die ganze Kraft, die je eine Menschheit bekommen. Und im HEILIGEN GEISTE hüllt ER IHN lebendig ein und CHRISTUS wird, - um töricht zu reden, - einfach zum Mystiker. "ICH bin der Weinstock … "[Joh 15, 1] Jetzt redet ER Wahrheiten heraus, die ER niemals gesagt hat im Gleichnis, die nur einer verstand und der hat sie auch geschrieben. Und die anderen waren so erschüttert und hörten nur immer das Bangen heraus. Im HEILIGEN GEISTE wird ER Opferlamm und in diesem Rausch des HEILIGEN GEISTES, wie die alte Kirche es immer faßte, geht ER hin und hinauf aufs Kreuz.
Daß diese Gedanken uns so wenig bekannt sind, hat seinen guten Grund, denn wir sehen immer nur eine Seite am Gründonnerstag und das ist jene, die uns am meisten interessiert, die Heiligste Eucharistie, und dann‚ jene Funktion, die Vorbereitung auf den Tod. - Aber das, wovon her wir Gründonnerstag bauen müssen, das sehen wir nicht: die Ölweihe. Etwas ganz Eigenartiges, eben nur zu verstehen als das Fest des Heiligen GEISTES. Da kommt eine Funktion vor, die unglaublich ist, wenn jemand versteht, Liturgie zu werten. Die zwölf Priester und die Diakone gehen vor das geweihte Öl hin und singen es an, wie das heilige Kreuz: Ave, sanctum Chrisma, und machen die gleiche Reverenz wie vor dem Heiligen Sakrament, und knien nieder. (Wegen einer Weihe!) Wenn einer weiß, wie die Kirche vorsichtig ist in der Kniebeuge, damit nicht jemandem ein göttlicher Kult erwiesen wird, dem es nicht zukommt! Da kniet man vor einem Krug Öl nieder. Wie kommt das?
Das kommt davon her, weil die Kirche am Gründonnerstag so lebendig ergriffen ist von dem einen: Der HEILIGE GEIST ist da. Man kniet nieder vor dem Öl, das Vehikel des HEILIGEN GEISTES, der GElSTsendung ist. Die Kirche ist vollkommen überzeugt, daß zwischen Öl und den feurigen Zungen an Pfingsten überhaupt kein Unterschied ist. So, wie es eben immer ist in der Liturgie: Umso größer wird die Liturgie, je mehr sie ins Mysterium hineingeht, je mehr sie einfach und schlicht wird. Und in dem Augenblick, wo die Liturgie geschieht, muß alles weg sein. Das, was den Gründonnerstag ausmacht, ist so einfach:
"Ave sanctum chrisma". Wo wagt die Kirche zu sagen diese Worte zu irgendeinem Ding? Das sagt sie zu einem Geschöpf. So weit ist das in GEISTsendung eingegangen, weil eben der Mittelpunk der ist, ehe denn noch der HERR Sein Blut verspritzte, es sind nur mehr Stunden hin. Es beginnt der GEIST zu wehen und nur, weil der HEILIGE GEIST weht, kann ER das Erlösungsleiden vollführen. Auf den SOHN kommt der GEIST nieder und in den GEIST eingehüilt, vom GEISTE durchdrungen, geht ER hinein als der Messias.
Und weil wir alle vom gleichen GEISTE durchdrungen sind, können wir Karwoche feiern. Sonst können wir nur zuschauen, zuhören; allein bei dieser Mitfeier vollzieht sich in uns das Gleiche, was sich damals vollzog. Damit kommen wir eben in allerletzte Wurzeln hinein, was Liturgie sein könnte und kann, wenn man sie von allem Drum und Dran entkleidet.
Das alles ist nur möglich, weil die innertrinitarische Bewegung, das Hervorgehen des SOHNES aus dem VATER und das Hinstreben des VATERS zum SOHNE und umgekehrt im HEILIGEN GEISTE, weil sich das in der Seele vollzieht und weil dieses Leben, in irgendeiner Form, die durch die Sakramente grundgelegt wird, in die Seele eingeht, und in meiner Seele sich die Sendung vollzieht. Wenn wir einmal ins Jenseits kommen und werden Gründonnerstag und Karfreitag und das Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit an diesen Tagen sehen, werden wir sehen das Hervorgehen des LOGOS, der Zweiten Person als Messias in das Kreuz hinein, ein Wunder, das wir in Ewigkeit nicht werden ausschöpfen können. Und weil nun in meiner Seele sich das vollzieht, darum kann ich eigentlich Liturgie feiern.



Fortsetzung

13. März 2016

Kartage (1)

Die drei Tage, vor denen wir stehen, - Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, - sind die drei heiligsten Tage im ganzen Jahre. Und selbst Weihnachten, es mutet angesichts der drei heiligen Tage auch nur als Vorbereitung an. Und es gibt nichts im menschlichen Herzen, das nicht in diesen drei Tagen, Gründonnerstag bis Ostersonntag, lebendig würde; angesichts der Einsetzung des hochheiligen Altarssakramentes am Donnerstag, das hochheilige Leiden des HERRN und Sein Sterben am Karfreitag. Die Liturgie des Karfreitags, die das Eine voraus hat vor allen anderen Tagen des Jahres, daß sie unverändert aus der urchristlichen Zeit auf uns herübergekommen ist, ist tief ergreifend. Rührend ist die Feier der Entblößung und Verehrung des hochheiligen Kreuzesholzes. Wie die alten Christen das Holz des heiligen Kreuzes anbeteten und verehrten, weil ja an ihm das Heil der Welt gehangen ist, so verehren auch wir, genau mit der gleichen Innigkeit und dem gleichen Realismus das Holz des Kreuzes.
Was der Karsamstag uns bringt, das ist ja klar. Die ganze Kreatur wird im Auferstandenen auferstehen und geheiligt. Licht und Wasser und Erde - und so gehen wir als neue Menschen dem Ostersonntag entgegen.
In diesem Aufbau ist uns die Liturgie der drei Tage seit Kinderjahren wohl bekannt. Wenn wir die Mitfeier aber selber wieder ins Auge fassen, so ist folgendes zu sagen:
In zwei Stufen kann ich das Leiden und Sterben und schließlich das Auferstehen des HERRN feierlich begehen und verfolgen.
1.) Ich feiere mit und lasse das Erlebte erneut im Bewußtsein entstehen. Ich stelle mir erneut vor Augen, was alles geschehen ist. Ich suche das, was einmal war, in mir wieder lebendig zu machen und ich suche daran meine Vorsätze zu knüpfen für das praktische Leben. Das ist die eine Feier. Es gibt aber noch eine andere Art, das Leiden und Sterben des GÖTTlichen Meisters mitzufeiern.
2.) Ich feiere dieses heilige Geschehen in meiner Seele, in mir selber. Ich kann die eine Absicht haben, mich in mich zu verschließen und zusammen mit dem in mir wohnenden Dreifaltigen GOTT und CHRISTUS ein ewiges, unvergängliches Leben, Leiden und Sterben des GÖTTlichen Meisters begehen. Und wir sehen ohneweiters, dieses Gründonnerstag, -Karfreitag-, Karsamstag-Feiern, das gewinnt dann einen ganz anderen Sinn. Es ist ein Feiern, das wohl vom Realismus des Gedächtnisses wegrückt, ein überzeitliches wird, aber doch eben ein Mitfeiern, das niemals vergehen kann. Ich bin dazu berechtigt, die drei Tage zu feiern als das Leben und Leiden und Sterben des GÖTTlichen Meisters, das in mir sich nachvollzieht, weil ja der Zweck und der Erfolg des heiligsten Leidens nicht zu denken wäre, als ob der HERR mir lediglich etwas verdient hätte, das ER mir nun anbietet, nun an mich weitergibt, damit ich davon leben soll; damit ein Reicher den glücklichen Erben etwas hinterläßt; sondern, was der HERR in den Kartagen getan hat, das ist doch nicht einfach vom israelitisch-jüdischen Standpunkt aufzufassen. Es ist doch nicht einfach das: Nun sind wir erlöst, nun ist es so weit. Warum waren die Juden denn so enttäuscht? Nun war ja die Erlösung da. Diese Erlösung brachte doch etwas ganz anderes als sie sich dachten. Wir drücken das immer so aus: Die (2) Juden meinten das irdische Reich des Messias stehe wieder auf und deshalb waren sie enttäuscht über so einen Messias. Das ist wahr. Aber darin liegt es, in diesem Enttäuschtsein, was überzeitlichen Wert hat, was auch für uns von Interesse und wertvoll ist.
Nicht allein in dem Geschehen liegt sein letzter Sinn, sondern in etwas, was überzeitlich ist; nicht darum dreht es sich allein, daß es eben geschehen ist einmal, zu der Zeit, an dem Ort, sondern darum dreht es sich, daß es überzeitlich begonnen hat. Sehen wir die Erlösung mit den Augen der Juden und mit den Augen der Apostel. Was ist geschehen? Der HERR hat sie erlöst und ist auferstanden; und nun, dachten sie, haben wir die Früchte davon und die genießen wir. So kann man das Leben und Leiden ansehen, aber es ist nicht der letzte Sinn.
Worin eigentlich die heiligste Erlösung besteht, worin der letzte Sinn dessen liegt, was am Gründonnerstag anhebt bis zum Karfreitag, das ist überhaupt nicht erklärbar ohne die Heiligste Dreifaltigkeit. Der HERR konnte nicht die heilige Eucharistie einsetzen, ER konnte nicht das Abendgebet Seines Lebens beten, ER konnte nicht das Hochamt Seines Lebens feiern und Sich selber als Opferlamm für alle Zeiten und alle Menschen hingeben, ohne daß ER innerlich vereinigt gewesen wäre in Seinem Wesen und in Seiner Tat mit dem Heiligen Geist. Im Heiligen GEIST geschah alles. Und das ist eigentlich Erlösung, daß dieser Prozeß, dieser Vorgang, worin sich CHRISTUS für uns Menschen dem VATER opferte im HEILIGEN GEISTE, daß dieser Vorgang hier anhebt, um niemals mehr aufzuhören. Der Gegensatz von blutigem und unblutigem Opfer wird hier vollkommen in den Hintergrund gestellt. (Und nur weil der Protestantismus das vollkommen mißdeutete und übersehen hat, konnte er auch das Opfer verneinen.) - Was am Gründonnerstag und am Karfreitag war, war ein Anheben. Das war ein Beten und Opfern JESU CHRISTI im HEILIGEN GEIST, das von jetzt an nicht mehr aufhört.
Wir haben im Neuen Testament einen Brief, den wir ganz stiefmütterlich behandeln, weil die Exegeten ihn mit der Note bedachten, er ist nicht echt Pauli. Das ist der Hebräerbrief. Und trotzdem, wo sind diese Gedanken reiner und konzentrierter ausgesprochen als im Hebräerbrief? Wir dürfen niemals eine Karwoche vorübergehen lassen, ohne Abschiedsreden und Hebräerbrief zu lesen. Wenn ich in diese eingehe, dann gehe ich in den letzten Sinn der Karwoche ein. "Wir haben einen Hohenpriester, der immer für uns einsteht." [Hebr 17,17.24-25] Was heißt das: "Immer"? Das hat schon eine zeitliche Begrenzung und das ist der erste Karfreitag. Alles, was damals geschah, und was wir Gründonnerstag – Karfreitag - Karsamstag feiern, alles ist äußerliches Geschehen und ist nur dazu da, um den Grad der Liebe und des Opfergeistes uns vor Augen zu führen. Und selbst das Leiden des Karfreitags von zwölf bis drei Uhr, es ist nur ein schwacher Schatten dessen, was sich in der Erlöserseele JESU CHRISTI vollzog. Und darauf kommt es an. Nicht, daß wir bei einigen historischen Erklärungen hängen bleiben, - darauf kommt es an, daß wir eine Brücke in dieses innere Leiden und Opfer JESU CHRISTI, des Erlösers, finden. Alles, was geschieht an Liturgie und was wirklich geschah, ist Mantel, ist Außenseite gegenüber dem wahren inneren Leben und Opfer JESU CHRISTI, das jetzt ein für allemal entzündet wird.
Und so hat auch die Kirche es immer gesehen - und wir dürfen nicht an dem Äußeren hängen bleiben. Das Äußere darf nur so sein, wie wenn ich in einer Kirche oder in sonst einem Raum, (3) wo eine Orgel ist, einen Ton stark anschlage - die Metallpfeife muß zu singen beginnen. Und so darf alles nur ein Anschlagen sein, damit das Leben im HEILIGEN GEISTS in der Seele in irgend einer Form ins Bewußtsein heraufdringt, mir bewußt wird, und zu innigem Gebet mich veranlaßt.
Wir wollen die Kartage ganz innerlich feiern lernen. Innerlich, das heißt ja jetzt nicht in einem lebendigen Gefühl, in einem Nacherleben. Nein, ich soll in meiner Seele das wahre Opfer JESU CHRISTI nicht nacherleben, denn es geschieht auch dort. Denn meine Seele hat durch die Taufe Berührungspunkte gefunden, daß sie in das Opfer JESU CHRISTI eindringen kann. Ich kann in jene ganz andere Welt einen Zugang finden. Wozu bin ich getauft? Wozu habe ich das Siegel der Heiligsten Dreifaltigkeit? Wozu bin ich gefirmt?
Und so kommt es, daß die Kirche eigentlich am Gründonnerstag etwas ganz anderes sieht als was die Gläubigen immer sehen. Was ist uns der Gründonnerstag? Die Einsetzung der heiligsten Eucharistie. Das ist wahr. Ist das tatsächlich das, was die Kirche unter Gründonnerstag versteht? Gewiß, aber nicht das Letzte. Gründonnerstag ist Pfingsten, erster Teil! Nein, gar kein Teil. Pfingstsonntag verhält sich zu Gründonnerstag so wie Epiphanie zur Heiligen Nacht. Was zu Pfingsten geschieht, ist nur, daß der Tröster kommt, daß der Beistand da ist. Nehmen Sie die Abschiedsreden des HERRN zur Hand und schauen Sie, wovon redet ER eigentlich? Wir werden sehen, es ist schwer zu sagen, ob ER mehr vom GEISTE oder von Sich redet. ER läßt keinen Zweifel darüber, auch mein Leiden und mein Weg ist nur Werkzeug, alles kann nur geschehen, weil das Wehen des HEILIGEN GEIST    begonnen hat. Und weil wir es lebendig in uns haben, können wir Gründonnerstag und Karfreitag feiern.




Fortsetzung

12. März 2016

Die schreibende Hausfrau

 
Bronsky: Ich mag diese künstlerischen Attitüden nicht, die gemeinhin mit dem Schriftstellerdasein verbunden werden. Daher habe ich mich einmal während eines Interviews so bezeichnet. Ich mochte diese Provokation. Sich Hausfrau zu nennen, hat heutzutage ja etwas Revolutionäres. Außerdem ist es nun mal so, dass ich zwar Bücher schreibe, mich aber auch viel um meine Kinder kümmere.
SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihnen wichtiger: der berufliche Erfolg oder Ihre Mutterschaft?
Bronsky: Für mich kommt die Familie an erster Stelle. Entsprechend lebe ich. Wenn ich das Gefühl habe, berufliche Aufgaben belasten die Familie zu sehr, verzichte ich darauf. Ich reise zum Beispiel kaum. Das bedeutet: viel weniger Lesungen, als ich machen könnte. Ich verzichte auf potenzielle Erfolge oder auf irgendeinen Spaßfaktor, wenn ich weiß, ich würde sonst jemandem, der mir unglaublich viel bedeutet, Schaden zufügen.
SPIEGEL ONLINE: Das klingt nach Opfer.
Bronsky: Ich bin dennoch der Meinung, dass Familie ohne Hingabe nicht funktioniert. Wenn du ein krankes Kind pflegst und in mehreren Nächten kaum Schlaf kriegst, dann nimmst du dich in dieser Zeit automatisch zurück. Die Fähigkeit zur Hingabe steht aber derzeit nicht hoch im Kurs.

Quelle

8. März 2016

GOTT BRAUCHT UNS

Sei überzeugt, daß uns Gott trotz unserer Unwürdigkeit für sein Werk gebrauchen will.

Solche Auffassung ist einer weltlichen, trostlosen Lebensanschauung gerade entgegengesetzt. Der Geist Gottes ist ein Geist des Lebens, des Vertrauens, der Freiheit.

Der heilige Petrus von Alcantara sprach einst mit einem spanischen Edelmann über die schlimmen Zeiten. "Es sieht wirklich alles betrüblich aus", sagte der Edelman; "was wird aus der Welt noch werden?" Der Heilige antwortete: "Nun, ich habe mir einen Plan zurechtgelegt, die Welt zu reformieren. Ich werde damit beginnen, mich selbst zu bessern. Tun Sie das gleiche, so haben wir schon zwei neue Menschen für den Anging." …

Das Merkmal der Heiligkeit ist frohe, starke Zuversicht.

Gott ist mehr als fähig, es mit jeder Schwierigkeit aufzunehmen. Geben wir uns in seine Hand! Er wird uns für seine Absichten gebrauchen. …

Wie unwürdig wir seien, das kommt nicht in Betracht. Unser Herr sagt:" Mein Kind, gib mir dein Herz! Ich verlange nicht, daß du jeder Gewohnheit Herr wirst; du kannst es nicht. Aber gib mir dein Herz, deinen Willen und alles wird gut."



P. Daniel Considine SJ

5. März 2016

Menschliche Hand - erschaffen

Gott ist selten Thema in wissenschaftlichen Fachartikeln. Chinesische Forscher aber sehen ihre Studie nun als Beweis, dass ein Schöpfer die menschliche Hand erschaffen hat. Das renommierte Magazin "PLOS One" muss den Artikel zurückziehen.
 
Die menschliche Hand ist ein faszinierendes Werkzeug. Wir können damit kraftvoll zupacken und im nächsten Moment äußerst sensible Bewegungen ausführen. Vier parallele Finger plus der seitliche, extrem bewegliche Daumen lassen Roboter mit ihren viel simpler aufgebauten Greifern reichlich ungeschickt aussehen. 

In einem Aufsatz für das renommierte Wissenschaftsmagazin "PLOS One" berichten chinesische Forscher über die besondere Biomechanik der Hand im Alltag und stellen darin einen überraschenden Bezug her: Die Hand sei das "Design des Schöpfers", um damit eine Vielzahl täglicher Aufgaben bequem erledigen zu können, heißt es bereits im Abstract, der Zusammenfassung des Aufsatzes
 
Und im 16-seitigen Text taucht der Begriff "creator" noch zwei weitere Male auf. Gleich zu Beginn, als das Rätsel der Handkoordination mit der Erfindung des Schöpfers in Zusammenhang gebracht wird. Und ganz am Ende in der Diskussion. Die Arbeit könne bestätigen, dass "der mechanische Aufbau das eigene Design des Schöpfers ist".

Ich bin Hausfrau - na und?

Helena von Hutten lebt ein Leben, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint: Die 30-Jährige ist Hausfrau. Dafür wird sie oft angefeindet. Vor allem von anderen Müttern - die sie für eine Verräterin halten.

Im Mai des vergangenen Jahres hatte Helena von Hutten, 30, endgültig genug. Genug von all den Vorwürfen. Abends stellte sie einen offenen Brief ins Internet. Ihre Nachricht an alle: Ihr könnt mich mal.
"...seitdem ich Mutter bin, höre ich mir von euch an, wie unemanzipiert ich sei, bequem, altmodisch und sogar fahrlässig in Bezug auf die Bildung und das Erlernen sozialer Kompetenzen meiner Kinder, weil ich sie erst mit dreieinhalb Jahren in den Kindergarten gesteckt habe... Die Anfeindungen haben mich im Laufe der Jahre wütend gemacht. Anfeindungen vor allem von berufstätigen Müttern, die ihre Kinder mit einem Jahr oder jünger in Kitas unterbringen, oder von Frauen, die noch nicht einmal Kinder haben..."

4. März 2016

2. März 2016

Das Leiden des Herrn war die große Verlassenheit.

Den Zustand der GOTTverlassenheit sollen wir in Geduld tragen und darin ein Vollendung finden,
jenen Zustand, in dem tatsächlich die Seele voll GOTTES ist und dennoch steht GOTT hinter der
Wand. In dieser Finsternis GOTT finden, in dieser Verlassenheit GOTT suchen und einfach in die
Verlassenheit hineingehen. Das wäre das Große, das müßten wir finden.


VB