"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."

"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"

(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)

14. Mai 2016

Mythen der deutschen Linken in Sachen Einwanderung und Integration


Nicht alle Probleme, die unser Land bewegen, sind heillos komplex. Manchmal würden schon ein wenig historische Bildung und gesunder Menschenverstand genügen, um sie zu lösen. Das zeigt sich vor allem in der Integrationsdebatte. Dass es hier keine Fortschritte gibt, liegt nicht an den Dummen und Ewig-Gestrigen, die man an den Stammtischen vermutet, sondern an den Linken. Das ist erstaunlich, denn Linke sind in der Regel intelligent und gebildet. Was ihr Denken blockiert, lässt sich aber sehr genau bestimmen. Es sind drei dogmatische Mythen, die wir hier kurz skizzieren wollen. 

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6. Mai 2016

Die Sünde (4)

Das ist eben auch die Situation, die wir in der Epistel Septuagesima-Sonntag lesen [1 Kor 9, 24-27; 10, 1-5]; im zweiten Teil erwähnt es Paulus und findet es merkwürdig. Er sagt: Alle Juden hat GOTT aus Ägypten gerufen, alle sind ausgewandert und durch das Rote Meer gezogen und haben die Wunder genossen, und doch hatte der Herr an dem Geist von ihnen kein Wohlgefallen.
Man kann also das Gute tun und genießen und die Gnade geistlos und wertlos an sich vorüberziehen lassen. Man kann in der Kirche stehen und Sakramente empfangen und seine Pflicht erfüllt haben und letztlich GOTT nicht gewonnen haben. Ich bin überzeugt, daß man zum Bußsakrament gehen kann und daß es kaum eine Wirkung hat. Zwischen "Gnade" und "Würdig"steht "Fruchtlos". Das ist eben der zweite Gedanke dieses merkwürdigen Rätsels.
Von gnadelos und von Sünde wollen wir nicht reden. Aber reden wir einmal von den Guten. Es heißt an dieser Stelle: Wieso kommt es, alle haben dem Ruf GOTTES gefolgt und an den meisten hatte ER kein Wohlgefallen. Das ist mir immer eines der größten Geheimnisse. Ein jeder ist getauft, jeder ist gleich weit von der Erbsünde weg, gleich weit von der Verbundenheit mit dem Satan weg, und trotzdem sind nicht alle in der gleichen Weise erlöst, trotzdem sind nicht alle Menschen GOTT gleich nahe. Das ist eines der allergrößten Geheimnisse, wenn wir uns Menschen anschauen, die Unerlöstheit mancher Menschen. Wieso kommt das?
Gewiß, auf der einen Seite ist da der Ruf GOTTES. ER macht nicht aus jedem einen Augustinus oder Franziskus; darnach können wir nicht fragen. Aber zum größten Teil kommt es durch unser eigenes Verschulden. Wenn man so wirklich die Seelen anschaut, wie unfertig und unerlöst ist manche Seele, soviel Ratlosigkeit, Unfertigkeit, Unklarheit, die längst überwunden sein müßten. Woher kommt es, daß man bei manchen Seelen sich sagt, was muß ich noch deutlicher sagen, die versteht mich nicht und weiß nicht, was ich meine. Diese Verkrampftheit und Unfreiheit und Unerleuchtetheit mancher Menschen. Das Geheimnis der Sünde ist ein so großes Geheimnis wie das Geheimnis der Gnade.
Woher kommt das? Dieses Warum zu beantworten, ist nicht unsere Aufgabe, aber unsere Aufgabe ist es, äußerst wachsam zu sein. Woher kommt das? Das ist eines von den Geheimnissen, die wir erst beim Letzten Gericht sehen werden. Diese Unerleuchtetheit, Unfreiheit und Kraftlosigkeit heute, lauter Menschen, die nicht in der Todsünde leben, aber nicht in die Vollkommenheit hineingehen. Sie machen Exerzitien um Exerzitien, das ist heute zum Schema geworden. Damit ist nicht gedient. Gedient ist in der Entscheidung des Alltags.
Eine andere Seele ist wie ein aufgebrochener Acker, es kann nicht genug Samen geben. Eine andere ist wieder wie eine Schnecke oder ein Wurm, ein solches Tempo hat die zum Heil, so etwas an Schwere und Unerleuchtetheit, daß einem das Schaudern kommt. Und dann wieder eine Seele, die einfach aufbricht, man könnte nicht meinen, wie GOTT mit den Seelen merkwürdig umgeht. Manche Seelen sind zum Sterben zu stark und zum Leben zu schwach. Dann wieder Seelen von einer Lebendigkeit, daß man gerade seine Freude haben muß, wie die reagieren, auf alles einsteigen. Woher kommt es, daß manche so unfühlig sind? Das Geheimnis der Bosheit ist eines der allerschwersten, das wir nie ganz werden lösen können. Menschen, die ihr ganzes Leben in ihren Urwerten schwanken und als alte Menschen noch nicht wissen, was sie eigentlich wollen, unfrei und verkrampft sind, woher kommt das? Von GOTT sicher nicht.
Das sind Dinge, die hier nicht gesühnt werden, die dann ein namenloses Fegefeuer brauchen. - Und dann kommt eine Maria Magdalena daher. - Hieronymus sagt einmal: Merkwürdig mit diesem Räuber am Kreuz, sein Leben lang hat er gestohlen und jetzt stiehlt er die ewige Seligkeit. Ja, das ist wahr. "Gedenke, Herr " - wenn einer mit Recht aufgehängt gehört, war es der. Nein: "Heute noch!"
O, meine Lieben, beten wir viel und haben wir acht auf unsere Seele. Ich versichere Sie, ich bin kein heuriger Hase mehr und ich weiß, wie der Hase läuft bei den Menschen. Sie glauben nicht, was man oft ein Grauen hat vor mancher Seele, an die man einfach nicht herankommt. Die einfach nicht weiterkommt, aber täglich kommuniziert. Daß sie in ihrer Unerleuchtetheit immer erwartet, daß man ihr den Weg zeigt, nur sie selber versteht sich nicht. Dabei weiß jedes Tier ganz genau, was ihm zusteht. Aber die Seelen wissen nicht, was sie tun sollen.
Das Geheimnis der Bosheit ist namenlos. Wir können nichts tun, als immer den Geist der Wahrheit bitten, daß ER uns lehrt, was es heißt: Sünde. Wenn man einen Grund angeben kann, dann ist es immer der, daß ihnen GOTT nicht GOTT ist. In dem Augenblick, wo mir das klar geworden ist: GOTT ist der Herr und GOTT ist Majestät, und daß es mich zusammenreißt, dann ist es mit dem Seelentode schon aus, dann lebt die Seele bereits, dann ist sie anrufbar.
Joh 6, wo ER Seine Jünger anfährt: ICH stehe nicht auf euch an. - ER ist der Herr!
Daß uns GOTT doch wirklich Herr sei, daß ich Ihn als Herrn erlebe, nicht mit dem Munde, ich beuge mich einfach im Leben und im Tode, mache, was DU willst. Es ist hart, was DU tust.
Das ist der Tod aller Sünde, zu sagen: GOTT ist der Herr. Immer sagt ER dann: Du bist Mein Kind!

3. Mai 2016

Die Sünde (3)

Und was wir heute im Evangelium hören, was ist das? Ganz herrisch sagt ER ihnen: ICH bin GOTT und da gibt es keinen Abstrich. Und wenn es in die Hölle geht, auch in der Hölle gilt: ICH bin GOTT. Machen wir uns das bewußt und treiben wir mit dem Gedanken keinen Schabernack.
Jeder, der es erfahren hat in den schwierigen Stunden des Lebens, der weiß, was es heißt, GOTT ist Herr, und ich beuge mich, und welch eine Kraft in den Menschen hineinkommt, wenn er sagt: DU bist der Herr. Das haben wir gar nicht so, das kann man heute stark lernen bei Martin Buber. Er hat überhaupt keinen Haß und kein Ressentiment und zweitens staunt man, zu sehen, wie er betont: GOTT ist Herr. Er weiß, er ist Jude, aber GOTT wird ihn mit offenen Armen annehmen. Jedes dritte Wort: GOTT ist der Herr. GOTT sei Dank, daß ER der Herr und die Majestät ist.
Was wäre das traurig, ein GOTT, den wir erdenken und verstehen könnten. Das ist es ja, daß ER die unendliche Majestät ist, wenn ich mich einfach beuge und wenn mich das Leid zerquält. GOTT ist der Herr, ER weiß es. Der Gedanke reicht manchmal dorthin, wohin die Liebe nicht mehr reichen kann. Und dieses Herr-Sagen ist der Ausdruck der größten Liebe. Stark wie der Tod ist die Liebe, und alles, was nicht auf der Linie liegt, was irgendwie abweicht, ist Sünde.
Wir moderne Menschen heute leben so stark nach - was man in der Philosophie die "Causa secunda"- die zweite Ursache, nennt. Alles kennen wir zuerst und in unserem GOTTESbeweis sind wir auf einer falschen Leiter, steigen hinauf und entdecken dann GOTT und haben die größte Schwierigkeit gegen den anselmianischen GOTTESbeweis. Eine Kultur sagt so! Dadurch, daß ich GOTT denke, ist schon bewiesen, daß ER ist. Das heißt was, daß eine Kultur so zu denken wagt. Und wir müssen den langen Weg durch die Ursache der Welt und Kultur durchgehen, um geneigt zu werden, daß es einen GOTT geben muß. Was hat der GEIST GOTTES zu tun nach dem Herrn? ER hat die Welt zu überzeugen, daß es Sünde gibt, weil sie nicht an GOTT geglaubt hat. Sünde und Nichtglauben an GOTT sind identische Begriffe. Wo immer Sünde ist, ist ein Mangel an Glauben da, ganz oder teilweise. (13)
Nicht lebendiger lebendiger Glaube und GOTT nicht lebendig vor Augen haben immer und überall, das schon ist Sünde. Wissen Sie, wir beichten alles, nur nicht das, worum es sich handelt, weil wir uns so wenig kennen. Wir sind doch Christen und uns sollte buchstäblich nur ein Gedanke naheliegen – GOTT.
Christsein heißt, so eingehüllt sein in GOTT, daß alles davon erfaßt wird. Ich bin noch nicht ganz Christ geworden, wenn mir dieser Gedanke in der Seele Schwierigkeit macht. Gewiß, wir müssen die "Gute Meinung" machen, damit alle Handlungen in die Übernatur erhoben werden, die Handlung des Berufes etc. Es gibt aber ein Stadium, wo der Gedanke "GOTT" von der Seele nicht mehr zu trennen ist, daß der Mensch nicht mehr unternehmen kann, was er will, er tut alles in GOTT. Dann erst ist er ganz Christ geworden.
Ihn ausdrücklich immer hervorrufen zu müssen, den heiligen Namen GOTTES, ihn ausdrücklich entfalten zu müssen, wie ein geheimnisvolles Buch, das man aufschlägt, das führt zu keinem Ziel. Ich muß als Christ daraufkommen, daß ich nicht mehr auf die "Gute Meinung" anstehe, weil ich aus GOTT nicht mehr herausfallen kann, weil es so ist, ich kann tun, was ich will, weil ich IHN nicht mehr losgelassen habe, läßt auch ER mich nicht mehr los und das ist dann die wirkliche Negation der Sünde.
Um Sünde-Meiden dreht es sich, nicht nur, daß ich den Dekalog und die Gebote der Kirche erfüllt habe, darum dreht es sich nicht. Es dreht sich darum, daß ich den GOTTESgedanken nicht verloren habe - das ist die Sünde aller Sünden.
So muß GOTT in mir ruhen, daß die Seele ein Unbehagen spürt, sobald sie sich von IHM entfernt, es richtiggehend fühlt. Hier kommt das herein, daß zum Glauben auch ein Fühlen gehört; dieses Gespür dafür, was GOTT ist und ob mir GOTT nahe ist oder nicht. Ich will hier nur das Christsein besprechen und kein aszetisches Ideal entwickeln, sondern nur um das Sein dreht es sich, so daß ich, wo immer ich bin, nicht aus GOTT herausfalle.
Dann bin ich ganz Christ geworden. Ich gehöre nur der Übernatur an. Die Übernatur heißt nicht Übernatur, weil sie über der Natur ist und ich mich dort zurückziehe, sondern weil das mein einziges Leben ist. Wie CHRISTUS nicht leben konnte, ohne daß ER und der VATER eine Einheit sind im HEILIGEN GEISTE, so müßten auch wir leben, nie ohne GOTT. Und es ist nicht möglich, zwischen der aktuellen Hinwendung zur Sünde, was wir Sünde nennen im Beichtspiegel, und dem Leben in und aus GOTT, eine wertneutrale Zone einzuschalten, die nur für Klosterfrauen gilt. Nein, erreiche ich es hier nicht, erreiche ich es dort in einer unendlich schmerzlichen Läuterung. Das Fegefeuer, habe ich schon gesagt, braucht kein Feuer sein, es braucht nur die leibgetrennte Seele sein, die nicht GOTT hat. Wenn sie nicht GOTT hat, dann verzweifelt sie.
So kommt es, daß manche Seelen, die sterben, gleich bei GOTT sind. Es dreht sich nicht um die Fehler, sondern nur um die GOTTnähe. Die gibt ER jeder Seele. Der einen mehr, den anderen weniger. Das Gute ist etwas ganz anderes als wir meinen. Bezeichnend ist unser Katechismus, es kommt von der Sprechweise her, daß wir vom Guten ins Vollkommene streben und vollkommen werden sollen - das erwartet der Herr nicht. Das Gute ist erst gut im Vollkommenen. (14)
Thomas sagt: "Du bist erst soweit gut, als du vollkommen bist." Nicht setzt das Vollkommene das Gute voraus, umgekehrt: "Seid vollkommen!" dann erst bist du gut, und vollkommen bin ich erst, wenn ich GOTT in mir habe. Die Menschen mögen die oder jene Schwäche haben - GOTT nimmt sie im Flug. Darum sagt Augustinus, es gibt Seelen im Fegefeuer, die wissen nicht, was sie da sollen, sie haben nie gelernt, allein zu sein mit GOTT.
Ich glaube, es gibt Seelen im Fegefeuer, die Jahrhunderte da sind. Längst vermutet man sie bei GOTT. Und dann ist irgendwo so ein Räuber und ist in die Arme GOTTES gefallen, weil er GOTTES so stark bedurfte. Habe ich GOTT nötig, weil mir das Wasser bis daher steht, oder habe ich GOTT einfach essential nötig, darum dreht es sich. Da kann ich mir selbst schon das Gericht sprechen.
Wenn ich Hunger habe, weiß ich genau, was das ist. Und genau so habe ich Hunger nach GOTT oder nicht. Habe ich keinen Hunger, bin ich doch nicht GOTTES und wenn ich noch so viel geistliche Gewänder anhabe. Lewis sagt einmal, daß es viele gäbe auf Erden, die die Existenz GOTTES beweisen wollen und so sehr in der Wissenschaft mit GOTT zu tun haben, daß sie auf GOTT ganz vergessen. Überall suchen sie IHN, aber daß sie IHN in sich selbst brauchen, das wissen sie nicht. Das ist der subtilste aller Fehler. - Aber man muß es lesen, es ist grausam, wie wenn man im Badekleid auf Eis ginge, grausam ist diese Logik.

1. Mai 2016

Die Sünde (2)

Sünde ist also, sie mag sein wie immer und was immer, letztlich immer eine Verneinung GOTTES und ist letztlich immer auch in den einfachsten Versuchen das Experiment, ob es nicht möglich sei, GOTT-frei zu leben. Es handelt sich immer um Menschen, die zu GOTT sagen: "Mein Wille geschehe!" Es ist also immer die Sünde eine Verneinung GOTTES und Bejahung des eigenen Ich gegen GOTT. Lewis sagt, schlechthin gibt es nur zwei Menschenarten auf der Welt: Solche, die zu GOTT sagen: "Dein Wille geschehe", und die andere Gruppe, die zu GOTT sagt: "Mein Wille geschehe", und infolgedessen antwortet GOTT ihnen: "Ja, dein Wille geschehe". Dieses Buch von Lewis, das manche von Ihnen kennen, ist einfach das Buch des nackten Grauens, weil es so edel geschrieben ist und weil es keine Breughel'sche Hölle ist.
Darum ein Buch, das einem auf die Nerven geht, eine Entscheidung, eine moderne Hölle darzustellen, wo jeder das erhält, was er wollte, nur nicht GOTT. Der Autor hat etwas von einer dantesken Idee in sich und die Hölle ist für ihn nichts weiter als die Negation des Vaterunsers. Im Vaterunser beten wir: "Dein Wille geschehe"‚ und die Verdammten sagen: "Mein Wille geschehe, wie auf Erden, so jetzt ewig in der Hölle". Es wäre interessant, das Buch zu lesen, wer es lesen kann.
Im Letzten ist die Sünde immer eine GOTTES-Leugnung, worin die Seele sich an die Stelle GOTTES stellt in irgendeiner Selbstsucht und Selbstvergöttlichung. Es mag eine Sünde sein, wie immer leicht oder schwer, wo das eigene Ich GOTT vorgezogen wird. Eine andere Sünde als eine Verleugnung GOTTES gibt es nicht, sei es aus Leidenschaft und dann ist immer das eigene Ich gemeint, sei es aus Überzeugung und Theorie, dann ist der Verstand gemeint, der es nicht dulden kann, daß etwas über ihm steht.
Nach dem Buch, das ich nannte, rein dogmatisch gesehen, ist in der Hölle niemand, der nicht dort sein will. Und das ist die Lehre der Theologie. Jeder leidet, tobt gegen das Leid der Hölle, aber keiner sagt, ich möchte bei GOTT sein. Das ist das Leid, nicht, wie wir es darstellen, daß man in einem Gefängnis ist, aus dem man ja will. Wir stellen uns die Hölle und die Art der Sündenstrafen ganz falsch vor. Jeder dort will nicht leiden und jeder will niemals bei GOTT sein.
Und drum sagt Lewis, ist es die Verletzung des Vaterunsers: "Mein Wille geschehe", und GOTT sagt darauf: "Ja, dein Wille geschehe!" Im Vaterunser heißt es umgekehrt. Insoferne ist das Buch etwas ganz Neues, aber es ist das kalte Grauen, das einem ankommt. Die Sünde richtet sich stets gegen GOTT selbst und darum ist niemand in der Hölle, der nicht dort sein will. (Alles, was an Strafen vorgestellt wird, ist Nebensache). Und darum ist es ja nichts anderes, als GOTT fern zu sein.
Paulus: "Ich will in der Hölle sein, wenn ich bei GOTT bin" - wenn GOTT bei einem ist, ist es eben keine Hölle. Es ist immer die gleiche Majestät GOTTES, gegen die sich der Mensch auflehnt, ob das nun direkt oder indirekt ist. Die gefallenen Engel haben gesündigt, da sie sich bewußt und unmittelbar gegen GOTT auflehnten. Und das ist die Macht des Geistes des freien Geschöpfes, eben nicht GOTT wählen zu wollen. Es muß ja das nicht gleich die vollendete Verneinung GOTTES sein, es kann auch sein ein Tun des Menschen, der sich und nicht GOTT im Auge hat.
Und darum ist diese Heidegger-Philosophie und die Philosophie Jaspers und Hartmanns etwas für mich Grauenhaftes. Wir haben ein Beispiel an einem Menschen, der es an sich erlebt hat. Die Älteren können sich erinnern, das war eine Zeit, in der alle Katholiken das Buch gelesen haben: "Das Heilige" von Max Scheler. Eben dieser Max Scheler hat sich buchstäblich um sich gedreht und desavouiert  zum Schluß seine Lehre, und seine Ansätze wurden eine derartig teuflische, GOTT-freie Philosophie, daß es ein Grauen ist. Sartre und dergleichen, wo Sie umschauen. Damit ist alles gesagt. Sagen wir niemals, das sei nicht so tragisch zu nehmen; gewiß, im Einzelfall mag es so sein. Aber wir sind doch Menschen, die auf Bildung und Geist Anspruch machen müssen und dürfen. Und für uns gelten andere Maßstäbe. Wenn wir Christen sein wollen, dann dürfen wir niemals, auch nicht theoretisch, mit dem Wesen umgehen und so ein Denken aufziehen, wie diese deutschen und französischen Existentialisten es unternehmen. Immer ist die Sünde ein Fasziniert-sein vom Geschöpflichen in irgend einer Form, eine Unachtsamkeit und nicht Wachheit. - Immer ein Zertreten GOTTES in der Seele. Halten wir uns keinen Gedanken so Intensiv und so vielmal vor die Seele wie den einen an GOTT.
Das, was den modernen Menschen am wenigsten liegt, das ist das wichtigste Element: GOTTES Dasein, GOTTES Majestät und daß GOTT der Herr ist. Es ist ja jetzt ein bißchen abgekommen, dieses Reden und der Einwand: Ich bin ja nicht gefragt worden, wie ich ins Dasein gesetzt wurde, warum soll ich diesem Dasein nicht fluchen. So kurzsichtig kann nur ein moderner Mensch sein. GOTT ist der Herr - und wir Katholiken rücken das auch immer ein bißchen auf die Seite. Es gibt eine Frömmigkeit, die schädlich ist. GOTT ist Herr! Wir werden staunen, was es heißt: Majestät GOTTES. Ich habe mich einfach zu beugen. Alles andere ist abwegig. Wenn wir sagen: "GOTT ist die Liebe", gewiß, aber ER ist Herr! Göttliche Majestät, und sagt von sich, ICH gebe Meine Ehre keinem andern.

30. April 2016

Die Sünde (1)

Was uns wesentlich notwendig ist, weil wir schwache Menschen sind, das ist ein wahres Bewußtsein von Sünde und was Sünde ist. ...
Sünde ist nichts anderes als die weiteste Entfernung von GOTT. Gewiß, es ist wahr, daß die Zeit heute auch nicht viel schlimmer ist als andere Zeit und wenn wir im Mittelalter leben würden, könnten und wollten wir nicht dort leben. Auch das Mittelalter hatte wirklich Laster, die man als massiv bezeichnen muß. Die Vitalität und Primitivität dieser Menschen war kaum zu wenden. Aber, was das Mittelalter von unserer Zeit unterscheidet, ist, daß es auch seiner Sünden bewußt war. Die Menschen damals wußten, daß sie und wann sie sündigten.
Wir heute haben wohl einerseits ein viel differenzierteres Gewissen, das dürfen wir ruhig sagen, so differenziert ethisch, wie wir sind, war noch keine Zeit. Darum ist es so unsäglich schwer, heute mehr und mehr ein Christ zu sein, daß unser Ethos und die sittliche Haltung dem entspricht. Was uns aber heute bedrückt und unterscheidet, ungünstig von früher, daß wir gelernt haben, Sünde zu deuten und dadurch zu übersehen. Wir leben nicht in einer Welt, wo allweg Radienkreise sind, sodaß sie alle, wenn man ihnen nur weit genug nachfolgt, einmal sich vereinigen, bis sie sich schließlich im Mittelpunkt treffen. Wir leben in einer Welt heute, wo jeder Weg sich nach einer Weile gabelt und jeder der neuen Wege sich wiederum gabelt,und so kommt es, daß noch keine Zeit dermaßen differenziert war und viele Einzelentscheidungen verlangte, wie gerade unsere Zeit.
In früheren Zeiten konnte man sich einfach dem Strome des Lebens hingeben, das geht heute nicht mehr. Und aus diesem Bewußtsein heraus ist das Buch geschrieben: "Die große Scheidung" von Lewis [C. S. Lewis]. Wir haben gelernt, für jede Sünde eine Entschuldigung zu finden, wir haben unsere Sünden zu erklären gelernt, sozial, psychologisch, neurologisch, wissenschaftlich - und nicht zuletzt durch unsere gepriesene Psychoanalyse, die soviel Gutes und Schlechtes hat. Wir haben gelernt, von geistiger Raison zu sprechen, von doppelter Moral, als Konsequenz aus unserer degenerierten Situation.
Aber, was uns verloren gegangen ist, das ist die Einsicht in das Wesen dessen, was Sünde ist vor GOTT, was Sünde ist als Frevel gegen die göttliche Majestät. Und so ist diese zweite Erwägung nichts anderes als der Schatten zur ersten Erwägung.
Wir wollen nur die Erlösung sehen, nur das Große, die ewigen Werte im Christentum, vor allem, wie im Frühchristentum alle geistigen Werte sich übergipfelten, das ist eine Schau, die wir lieben, aber die Abgründigkeit der Sünde als Beleidigung GOTTES, als wirkliches Erleben aus dem Glauben heraus, die fehlt den meisten unter uns. Und daher unser Sträuben gegen die Buße und gegen die Beichte. Und daher diese Diskussionen über viel oder wenig beichten und sich ausreden, daß das Urchristentum weniger gebeichtet hat. Einen falscheren Analogieschluß gibt es nicht.
Am 4. Sonntag nach Ostern, Joh.16, wir werden uns wundern. Ostern ist vorbei und Pfingsten beginnt hereinzustrahlen und der Herr beginnt immer mehr vorn GEIST zu reden, vom Tröster. - Daß ER gehen muß, daß das, was ewig bleibt, der GEIST ist, Pfingsten ist. Und da sagt ER, zu unser aller Staunen: "Wenn Er kommt, der Tröster, wird Er der Welt beweisen, daß es eine Sünde gibt, eine Gerechtigkeit und ein Gericht. Eine Sünde, weil sie an Mich nicht geglaubt haben … " Also müssen wir davon sprechen, daß Glaube letztlich der ganze, totale Mensch ist, daß wir neu und tief glauben lernen. Dann muß uns auch klar werden, was Sünde ist.

23. März 2016

Kartage (9 Ende)

Wenn wir nun gesehen haben, wie diese Teilnahme am innertrinitarischen Leben Grund und Inhalt wird meines ganzen Seelenlebens - es wird dadurch gegründet, es lebt davon - dann müssen wir uns abschließend noch kurz eine weitere Frage stellen: Wie ist es möglich, in uns die Teilnahme am innergöttlichen Leben zu entzünden? Können wir dieses Leben vielleicht noch etwas analysieren? Eines ist ganz klar, dieses Leben ist, nüchtern ausgedrückt, weiter gar nichts als die Grundstruktur zu jeder Mystik. Da ergibt sich zunächst einmal die Konsequenz, daß der Vollchrist immer Mystiker ist und es folgt noch, daß so wenige Vollchristen sind.
Wenn nun aber das wahre Leben tatsächlich Mystik ist, was ist dazu erforderlich? Dazu gehört vor allem einmal die Verübernatürlichung aller menschlichen Kraft, wie man sich ausdrückt, das menschliche Wesen muß von der Wurzel her durchhellt und durchglüht werden. Und das geschieht gerade durch den Heiligen GEIST, Der das Wesen ergreift und vom Wesen her die menschliche Natur aus den Erbsünde-Angeln hebt, sodaß dieses Wesen übergreift auf Fähigkeiten und Kräfte, auf Potenz und Akte. Das ist nicht merkwürdig, denn in GOTT ist es freilich anders, weil Sein Wesen Tun ist. Und weil der Akt bei IHM Essenz ist. Bei uns ist beides getrennt. Mein Wesen ist nicht immer Akt und die Akte können immer verschieden ausfallen. Infolgedessen muß der HEILIGE GEIST das Wesen durchhellen und durchglühen, und muß auch die Fähigkeit erfassen, vor allem Erkennen und Wollen, die beide tatsächlich göttliches Wesen annehmen müssen. Deshalb gehört zum Wesen des Christen, daß er in allweg übernatürlich sei und das ist's ja doch, wovon die ganze Karsamstags- und Osterliturgie spricht. Daß alles, was natürlich ist, ins Übernatürliche hineingesetzt wird, sodaß auch der natürliche Akt übernatürlich wird.
Der Mensch soll vollkommen in übernatürliche Aktivität versetzt werden. Unter Aktivität darf ich nicht verstehen Betriebsamkeit und Rührigkeit, denn auch intensiv gespanntes Betrachten und Beten ist doch Aktivität im Sinne GOTTES. Es müssen alle Fähigkeiten samt dem Wesen erneuert werden und das geschieht eben, ganz schlicht gesagt, durch die übernatürlichen Tugenden. Die übernatürlichen Tugenden haben die Aufgabe, das Wesen des Menschen zu vergöttlichen. Was uns so stark hindert, in das Wesen der übernatürlichen Tugenden einzudringen, ist, weil wir immer natürliche mit übernatürlicher Tugend verwechseln. Die übernatürliche Tugend hat die Aufgabe, nicht wie die natürliche, den Vollzug einer Handlung zu erleichtern und zu gewährleisten - die Tugend der Gerechtigkeit, der Tapferkeit, die müssen gewisse Widerstände in mir überwinden und habe ich diese Tugend, so erfolgt ein Akt, ganz sicher - die übernatürliche Tugend hat nur die eine Aufgabe, die CHRISTUSförmigkeit in mir zu erzielen, das, was die Alten immer nannten, die Überformung zu geben. Ich soll in all meinen Fähigkeiten, im Lieben und Erkennen und in allen Handlungen, die sich daraus ergeben, durch die verschiedenen Kombinationen, mich CHRISTUSförmig machen. Das ist eigentlich die Ostergnade, die uns die Taufgnade zum ersten Mal gegeben hat: Das CHRISTUSförmig-Werden.
Sie ist nicht Hilfe zum Guten, das ist nicht wahr, sonder sie ist Ausrüstung, damit mein Tun göttlich qualifiziert wird. Die übernatürliche Tugend hat also wesensmäßig einen ganz anderen Sinn als die natürliche. Ich soll tatsächlich durch die übernatürliche Tugend verwandt werden mit CHRISTUS und mit CHRISTUS hineingerissen werden in die Auswirkungen der innertrinitarischen Sendungen. Daraus ergibt sich, daß die übernatürliche Tugend, nicht wie die natürliche, Hindernisse beseitigt. Der Christ kann noch bequem bleiben, der Sinnlichkeit verfallen und selbstsüchtig sein. Das ist nicht Aufgabe der übernatürlichen Tugend. Sie hat mich nur zu qualifizieren, im übernatürlichen Sinn mich CHRISTUSförmig zu machen. Und daraus ergibt sich die oberste Tätigkeitsweise des wahren Christen.
Ich muß GOTT bejahen und lieben, aber nicht als ein Es, das mein letztes Ziel ist, vielleicht sogar ein Mittel, um selig zu werden, sondern, ich muß GOTT bejahen und lieben, wie ER Sich selber bejaht und liebt. Alle meine Liebe, ob ich sie nun direkt auf GOTT oder auf ein Geschöpf erstrecke, muß unbedingt göttlich sein, muß unbedingt im HEILIGEN GEISTE vollzogen sein, sonst bin ich nicht Christ. Diese übernatürliche Ausstattung infiltriert natürlich auch die sittlichen Tugenden. Die sittlichen Tugenden haben die Aufgabe mich instandzusetzen, den Situationen des Lebens gerecht zu werden. Aber man glaube doch nicht, daß der übernatürlich handelnde Mensch natürlich-sittlich handeln könne.Das ist ausgeschlossen. Auch seine natürlichen Tugenden sind hineingezogen in GOTT - er ist wahrhaft durch und durch vergöttlicht. Er nimmt tatsächlich an der göttlichen Natur teil.
Und das ist der Sinn von Ostern und der Sinn des Aufstieges von Gründonnerstag-Nacht zum Ostermorgen.


VB