"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."

"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"

(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)
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21. Januar 2016

Massenmensch

Der moderne Mensch ist in geistiger Hinsicht und damit in wahrem Sinn unfrei als der typische "Massenmensch", gebunden an ein Ideal, wie das nun heißen mag, vom totalitären Staat als Moloch bis zur modernen Kultur- und Lebenshaltung, vermaßt, der geborene und dazu erzogene "normierte Menschentyp"‚ der frei sein will, und diese Freiheit gegen die ideelle Tyrannei jeglicher Staatsform gleichsam verteidigt und sie, ohne sich dessen bewußt zu sein, verloren hat.
 
P. Albert Auer OSB



20. Januar 2016

ABC des Christseins- P. Albert Auer OSB

      Das, was uns gefehlt hat, was jetzt in die Kirche hineinkommt, ist die Nähe Christi, das Christuserlebnis, der Mut, tatsächlich durch alle Formen durchzustoßen und die Nähe Christi als Urerlebnis zu erfahren. Und so muß ich auch meinen Glauben tätigen. Das ist das Geheimnis, das die Heiligen hatten, und wir haben niemals die richtige Konsequenz daraus gezogen: Immer im lebendigen Kontakt mit Christus zu bleiben.

      Das Zentrum des Christentums und was das Christentum zum Christentum macht und warum die einen so natürlich Christen sind und die anderen nicht, ist die Hingeworfenheit an GOTT.


      Daß die GOTTESliebe für mich ein Gebot ist, kommt uns nicht in den Sinn und wem es kommt, so sind es die ganz schlichten Leute, die sich auch nicht etwas einbilden und das Wort GOTTES so nehmen, wie es liegt und steht und darnach ihren Weg gehen.

      Daß GOTT majestätisch, allmächtig, der Schöpfer Himmels und der Erde ist, der alles trägt und alles erhält, daß ich GOTT näher bin als meine Seele mir nahe ist, das sind Wahrheiten, die sind hoch und heilig, die höchsten, was ein Menschenherz denken kann, aber sie sind nicht so merkwürdig wie das, daß GOTT mich liebt.

19. Januar 2016

Christliche Existenz - P. Albert Auer OSB

Das ist das Schöne, daß man nur von der einen Hand GOTTES in die andere fallen kann.

Das ist der Fehler, daß man in einer Welt, die so anders ist, nicht den Mut hat, ganz man selbst zu sein.


Die Ekkehart'sche Frage: Wenn GOTT nicht will, daß du vollkommen seiest, was willst du es dann? So trag es doch!

Die neue Existenz, das wahrhafte Christsein, das ist dann die vollkommene Liebe, dieses Einssein, nicht IN GOTT, sondern MIT GOTT.

Kreuzandacht

Das eigentlich will die volle Andacht des heiligen Kreuzes, daß in uns zum Bewußtsein kommt, wie im Kreuz nicht nur die Erlösung vollzogen wird von der Sünde, sondern, wie im Kreuz die Sünde verzehrt und verbrannt wird in dieser heißen, lodernden Liebe, und daß überhaupt keine Rede mehr ist von GOTTES Zorn, sondern nur mehr von GOTTES Liebe.


P. Albert Auer OSB

5. Januar 2016

Leiden als Lebenswert bejahen

Das Leiden gehört zum Leben, die Betrachtung des Leidens zur Ansicht über das Leben. Wie ich zum Leben stehe, das bedingt meine Leidensschau.

„Alles Leben ist Leiden“, sagt Schopenhauer, und ähnlich könnte Meister Eckehard gesprochen haben. Carl Jaspers hat recht, wenn er in seiner „Psychologie der Weltanschauungen“ das Leiden in den im Leben enthaltenen Grenzsituationen begründet sieht. Sie sind ja mit dem Menschenleben von selbst gegeben. Der Mensch stößt an sie. Er kann über sie nicht mehr hinaus und kann bloß daran vorbeikommen, sie lösen oder daran zerbrechen. Sie sind da, ohne daß der Mensch sie auf die Dauer unreflektiert, grundsätzlich damit einverstanden, hinnehmen könnte. Er muß sie lösen oder daran scheiten.

Dies macht den Menschen immer wieder darauf aufmerksam, daß er, wie sich Jaspers ausdrückt, den antinomischen Charakter der Welt und des Lebens voraussetzen muß, das heißt, er muß voraussetzen, daß mit allem Streben, Wollen, Leben, Elemente verbunden sind, die er nicht will. „Was ist das Leben?“, fragt Trude im Erziehungsroman des gleichen Namens. Es wird zur Antwort gegegben: „ … daß Mächte über den Menschen kommen, die er nicht will.“ So ist es. Es handelt sich also darum, ob der Mensch in den Antinomien stecken bleibt, oder ob er sie überwinden, zu Klarheit und Sicherheit durchstoßen, zur Lösung kommen kann. 


Jaspers ist der Ansicht: Wenn der Mensch meint, er könne sie lösen, dann beträfe das immer nur flache Widersprüche, die eben keine letzten Antinomien gewesen seien, aber die wahren blieben immer als unvereinbare Elemente. Das ist gerade die Antinomie: Ein letzter Gegensatz im Dasein, durch den die Existenz entzweit und getragen wird, derart, daß alles im einzelnen nur dann besteht, wenn diese gegensätzlichen Elemente zusammen sind. So hat aber Leben immer das Leiden in sich.


Es fragt sich nun, wie die Menschen auf die Antinomien reagieren. In der Natur de Sache liegt es, daß die auf dreierlei Weise geschehen kann: Die einen zerbrechen daran, die anderen flüchten davor und gehen Umwege, die dritten werden am Leiden groß. Ein vollsittliches Verhalten strebt immer danach, das Leiden als einen Lebenswert zu bejahen, es zu wagen und daran seine Kraft zu erproben.



P. Albert Auer: Leidenstheologie des Mittelalters, S. 9

18. Dezember 2015

Aufwärtsstreben

Wie weit wir es im einzelnen Augenblick gebracht haben, ist nicht wichtig.
Wichtig ist aber, daß unsere Bewegung ein Aufwärtsstreben ist.

P. Albert Auer

14. Dezember 2015

Kind sein

 

Kindsein ist das allerhöchste Stadium der Geistigkeit.
Es ist der Zustand des SOHN-seins, das heißt:
In der Allerheiligsten DREIFALTIGKEIT 
alles leiden, alles empfangen und nichts mehr aus sich haben und alles GOTT zurückgeben in der blutigen, harten Hingabe.
Kindsein heißt: Sich restlos aufgeben.

P. Albert Auer

10. Dezember 2015

Streber

Joos van Craesbeeck: Versuchung des hl. Antonius, um 1650
 
Das Grundstreben der Seele besteht darin,
in der Gnade GOTTES zu verbleiben.

P. Albert Auer

9. Dezember 2015

Heiligkeit

Nicht was einer tut,
sondern was einer ist,
macht seine Heiligkeit aus.

P. Albert Auer

3. Dezember 2015

In diesem Leben den Advent sehen

Als ich vor etwa zwei Wochen (1958) in der Frühe durch die Stadt ging um sechs Uhr, so wie man eben in der Früh geht voll Sorgen, was an dem Tag sein wird, wie sich alles wird erledigen lassen, ob die Zeit reicht, ob die Kraft reicht, ob GOTT hinter allem steht ... Und es war kalt und nebelig, wie es eben sein kann in Salzburg, wenn keine Festspielzeit ist. Der nüchterne, graue Alltag. Da schlug es sechs Uhr und oben begann dieses Glockenspiel, so halb verschlafen, weil es die Melodie noch nicht recht hatte, es begann zu singen (singen ist zwar zu viel gesagt),: "O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit ..."
Und ob Sie es glauben oder nicht, ich mußte stehen bleiben und mußte es anhören. Ich habe das Glockenspiel noch nie geliebt und habe die Fremden immer angestaunt, die stehen blieben und dieses klägliche Spiel anhörten; aber da auf einmal hörte ich nichts mehr als nur: "O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit".
Das ist Advent. Nicht die Stimmung - o, mir war gar nicht darnach, mir war nur darnach, wie ich allem gerecht werden sollte an diesem Tag. Um Stimmung dreht es sich nicht. Aber darum, diese Idee, die in einem geweckt wird: "O du fröhliche, du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit" in Synthese zu bekommen zu dem kalten, nackten Alltag. Das ist Advent und das ist Christentum. Und wie es eben keine Zufälligkeiten gibt, namentlich, wie ich fest überzeugt bin, keine Zufälligkeiten, was einem GOTT für Bücher in die Hände spielt. Es ist eine Gnade, daß einem GOTT zur rechten Zeit die rechten Bücher in die Hand gibt.
Das habe ich erfahren, angefangen von den Confessiones des hl. Augustinus und mein ganzes Leben hindurch. ER hat gedacht, das ist ein so törichter Mann, da muß Ich eingreifen. Und gerade an diesem Tage dachte ich mir, diese öde Vorlesung, was nur soll ich machen? Da kam mir der Name "Leclercq" in den Sinn und ich schlage das Buch auf und finde die Stelle, das sei Christentum: die Frohbotschaft mit der Nüchternheit und Unerbittlichkeit des grauen Alltags in Einklang zu bringen. Das ist Advent.
Und wenn wir vom Einkehrtag heimgehen und wenn Advent und Weihnachten vorbei ist, dann ist der Alltag genau so nüchtern wie vorher und trotzdem ist es so, (aber nicht "trotzdem" sagen mit dieser stoischen Heldenhaltung), nein, trotzdem ist es so, daß in diesem Alltag sich GOTT offenbart. Genau so, wie dieser Bambino in der elenden Futterkrippe mit dem Stroh- und Heureste vom Vieh der GOTTmensch war. Das ist Christentum, das ist Advent, in dieser Futterkrippe des Alltags, wovon ich genährt werde, wovon ich lebe, weil es in GOTTES Namen meine Pflicht und mein Dienst ist; ich darf es nicht von mir werfen.
In dieser Futterkrippe des Alltags eingebettet GOTT finden, das ist Advent. Und der ist so poetisch, der greift so in den Seelengrund hinein, wie er auch der nüchternen Wirklichkeit gerecht wird. Es gibt nichts Seligeres als den Advent. So ein Adventabend, wenn er verdämmert und jenseits dessen steht GOTT, die Ewigkeit und der Himmel. Es muß nicht Weihnachten sein. Es ist die seligste Zeit, es ist die Zeit GOTTES. Und trotzdem ist alles, wie es ist. Es muß so sein. Wir meinen immer, GOTT hätte die Welt anders schaffen sollen. O nein, sonst müßte ER aus dem Kreuz eine Goldkrone machen. Wir müssen in diesem Leben, das mir GOTT so hingerichtet hat, den Advent, die Ankunft des Herrn sehen.
Wissen Sie, heute muß ich ihn loben, den, der dieses Glockenspiel erfunden hat. In diesen dynamischen Alltag hinein, der so hart ist und der nur nach Leistung frägt und nicht darnach, wie es mir geht, in diesen Alltag hinein zu singen: "O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit." Diese beiden Dinge zusammenbringen, das ist das Christentum, und die Forderung, die GOTT an uns stellt.

VB 21

2. Dezember 2015

Sinn des Advents

Was ist der Sinn des Advents?
Daß mir erneut zum Bewußtsein kommt,
ich bin GOTT überantwortet,
wesentlich und existentiell ausgeliefert.
Das ist etwas Namenloses!

P. Albert Auer

8. November 2015

Hl. Franziskus - Armut im Geiste

Franziskus: das war der Grundzug seiner Seele, erfüllt von GOTT zu sein, und der nächste Grund, warum Franz in schier unvergleichlichem Maß Armut im Geiste liebet, um der Angleichung an die Einfachheit GOTTES in der Einfaltigkeit des Lebens willen ... 


Es war zutiefst sein Gestaltsein vor GOTT, daß er einfach sein wollte, und zwar weil GOTT einfach ist - und darum arm.
Alber Auer

6. August 2015

Mangel an Stosskraft - reformatio animae

Der Mangel, der unserem Christentum heute anhaftet - anders gewendet, der letzte Grund, warum ihm heute die natürliche Stoßkraft fehlt und der "Sauerteig" zu ermatten scheint - für diese Tatsache gibt es wohl nur eine  einzige Erklärung: Wir haben das Gespür für das Wesen verloren. Wir sind Spätlinge des Geistes in der Philosophie nicht weniger als in unserem Christentum. Wir haben den Sinn für den letzten Gehalt, den Kern, eingebüßt, was uns geblieben ist, sind herrliche Methoden, um überliefern zu können und auszudeuten, was wir ererbt haben. Wir fühlen auch unser Versagen und suchen Abhilfe: aber unsere Abhilffe begnügt sich viel zu sehr mit der Erneuerung der äußeren Gestalt des christlichen Lebens und der Form, in der wir die Wahrheit vortragen, ohne daß wir uns des Wesens im tiefsten Sinn wirklich wieder bewußt würden.

Es ist an der Zeit, unser christliches Bewußtsein so zu vertiefen, daß eine kommende Auseinandersetzung mit ihm oder besser ein Sturm dagegen an seiner Strahlkraft zerschellt. Wir sprechen viel vom wahren Wesen der Religion, aber praktisch stehen periphere Werte im Vordergrund. ...

was uns nottut, ist die Tiefe, Weite und Größe jenes urchristlichen Bewußtseins und seiner uns entschwundenen geistigen Haltung - das Gefühl für die eine und einzige Wirklichkeit und Urnotwendigkeit: Gott - Gott aber gefaßt und aufgenommen in einem Bewußtsein der lebendigen Nähe Gottes  und in einer Seele, die aus dieser Gott-Habe lebt und in sich den Wandel der Vergöttlichung wirklich nachvollzieht - die reformatio animae des augustinischen Denkens.

Albert Auer OSB : Reform aus dem Ewigen. 1955. Vorwort