"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."

"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"

(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)

20. Dezember 2015

Maria: Bild des gehorsamen Glaubens

Auch für den Glaubensweg eines jeden von uns ist es nicht anders: Wir erleben Augenblicke des Lichts, aber wir erleben auch Zeiten, in denen Gott abwesend zu sein scheint, sein Schweigen auf unserem Herzen lastet und sein Wille nicht dem unseren entspricht – dem, was wir möchten. Aber je mehr wir uns Gott öffnen, das Geschenk des Glaubens annehmen, unser Vertrauen ganz auf ihn setzen – wie Abraham und wie Maria –, desto mehr befähigt er uns, mit seiner Gegenwart jede Situation des Lebens im Frieden und in der Gewißheit seiner Treue und seiner Liebe zu leben. Das bedeutet jedoch, aus sich selbst und aus den eigenen Plänen herauszugehen, damit das Wort Gottes das Licht sei, das unser Denken und unser Handeln leitet.

Benedikt XVI: 19.12.2012

Benediktiner von Norcia





 Homepage der Benediktiner von Norcia



18. Dezember 2015

Mum Dad & Kids


MUM DAD & KIDS, der Europäischen Bürgerinitiative zum Schutz von Ehe und Familie.

Aufwärtsstreben

Wie weit wir es im einzelnen Augenblick gebracht haben, ist nicht wichtig.
Wichtig ist aber, daß unsere Bewegung ein Aufwärtsstreben ist.

P. Albert Auer

14. Dezember 2015

Kind sein

 

Kindsein ist das allerhöchste Stadium der Geistigkeit.
Es ist der Zustand des SOHN-seins, das heißt:
In der Allerheiligsten DREIFALTIGKEIT 
alles leiden, alles empfangen und nichts mehr aus sich haben und alles GOTT zurückgeben in der blutigen, harten Hingabe.
Kindsein heißt: Sich restlos aufgeben.

P. Albert Auer

13. Dezember 2015

Fossile Strahlung aus der Zeit des Urknalls

Kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung aus der Sicht von Planck

2013  wurde die bisher genaueste Karte der kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung, der fossilen Strahlung aus der Zeit des Urknalls, vorgestellt. Die ihr zugrunde liegenden Daten wurden mit dem Weltraumteleskop Planck der Europäischen Weltraumorganisation ESA erfasst. Weiterlesen

Quelle 2

10. Dezember 2015

Streber

Joos van Craesbeeck: Versuchung des hl. Antonius, um 1650
 
Das Grundstreben der Seele besteht darin,
in der Gnade GOTTES zu verbleiben.

P. Albert Auer

3. Dezember 2015

In diesem Leben den Advent sehen

Als ich vor etwa zwei Wochen (1958) in der Frühe durch die Stadt ging um sechs Uhr, so wie man eben in der Früh geht voll Sorgen, was an dem Tag sein wird, wie sich alles wird erledigen lassen, ob die Zeit reicht, ob die Kraft reicht, ob GOTT hinter allem steht ... Und es war kalt und nebelig, wie es eben sein kann in Salzburg, wenn keine Festspielzeit ist. Der nüchterne, graue Alltag. Da schlug es sechs Uhr und oben begann dieses Glockenspiel, so halb verschlafen, weil es die Melodie noch nicht recht hatte, es begann zu singen (singen ist zwar zu viel gesagt),: "O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit ..."
Und ob Sie es glauben oder nicht, ich mußte stehen bleiben und mußte es anhören. Ich habe das Glockenspiel noch nie geliebt und habe die Fremden immer angestaunt, die stehen blieben und dieses klägliche Spiel anhörten; aber da auf einmal hörte ich nichts mehr als nur: "O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit".
Das ist Advent. Nicht die Stimmung - o, mir war gar nicht darnach, mir war nur darnach, wie ich allem gerecht werden sollte an diesem Tag. Um Stimmung dreht es sich nicht. Aber darum, diese Idee, die in einem geweckt wird: "O du fröhliche, du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit" in Synthese zu bekommen zu dem kalten, nackten Alltag. Das ist Advent und das ist Christentum. Und wie es eben keine Zufälligkeiten gibt, namentlich, wie ich fest überzeugt bin, keine Zufälligkeiten, was einem GOTT für Bücher in die Hände spielt. Es ist eine Gnade, daß einem GOTT zur rechten Zeit die rechten Bücher in die Hand gibt.
Das habe ich erfahren, angefangen von den Confessiones des hl. Augustinus und mein ganzes Leben hindurch. ER hat gedacht, das ist ein so törichter Mann, da muß Ich eingreifen. Und gerade an diesem Tage dachte ich mir, diese öde Vorlesung, was nur soll ich machen? Da kam mir der Name "Leclercq" in den Sinn und ich schlage das Buch auf und finde die Stelle, das sei Christentum: die Frohbotschaft mit der Nüchternheit und Unerbittlichkeit des grauen Alltags in Einklang zu bringen. Das ist Advent.
Und wenn wir vom Einkehrtag heimgehen und wenn Advent und Weihnachten vorbei ist, dann ist der Alltag genau so nüchtern wie vorher und trotzdem ist es so, (aber nicht "trotzdem" sagen mit dieser stoischen Heldenhaltung), nein, trotzdem ist es so, daß in diesem Alltag sich GOTT offenbart. Genau so, wie dieser Bambino in der elenden Futterkrippe mit dem Stroh- und Heureste vom Vieh der GOTTmensch war. Das ist Christentum, das ist Advent, in dieser Futterkrippe des Alltags, wovon ich genährt werde, wovon ich lebe, weil es in GOTTES Namen meine Pflicht und mein Dienst ist; ich darf es nicht von mir werfen.
In dieser Futterkrippe des Alltags eingebettet GOTT finden, das ist Advent. Und der ist so poetisch, der greift so in den Seelengrund hinein, wie er auch der nüchternen Wirklichkeit gerecht wird. Es gibt nichts Seligeres als den Advent. So ein Adventabend, wenn er verdämmert und jenseits dessen steht GOTT, die Ewigkeit und der Himmel. Es muß nicht Weihnachten sein. Es ist die seligste Zeit, es ist die Zeit GOTTES. Und trotzdem ist alles, wie es ist. Es muß so sein. Wir meinen immer, GOTT hätte die Welt anders schaffen sollen. O nein, sonst müßte ER aus dem Kreuz eine Goldkrone machen. Wir müssen in diesem Leben, das mir GOTT so hingerichtet hat, den Advent, die Ankunft des Herrn sehen.
Wissen Sie, heute muß ich ihn loben, den, der dieses Glockenspiel erfunden hat. In diesen dynamischen Alltag hinein, der so hart ist und der nur nach Leistung frägt und nicht darnach, wie es mir geht, in diesen Alltag hinein zu singen: "O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit." Diese beiden Dinge zusammenbringen, das ist das Christentum, und die Forderung, die GOTT an uns stellt.

VB 21

2. Dezember 2015

Sinn des Advents

Was ist der Sinn des Advents?
Daß mir erneut zum Bewußtsein kommt,
ich bin GOTT überantwortet,
wesentlich und existentiell ausgeliefert.
Das ist etwas Namenloses!

P. Albert Auer

28. November 2015

1517 - 1717 - 1917 - 2017

Weltkirchlich gedacht, sollen wir 2017 nicht nur der 1517 veröffentlichten protestantischer Thesen Luthers gedenken, sondern auch, 


daß vor 300 Jahren in Brasilien Fischern die Marienstatue der Nosssa Senhora Aparecida ins Netzt ging, und zwar zuerst der Körper der Statue, ohne den Kopf, und beim zweiten Auswerfen des Netzes der Kopf derselben. 

2017 sind es 100 Jahre, daß die Muttergottes den Hirtenkindern in Fatima erschienen ist.





24. November 2015

Sex und Kultur

Jede menschliche Gesellschaft hat die Freiheit, sich zu entscheiden, ob sie hohe soziale Energie oder sexuelle Freizügigkeit will. Die Fakten zeigen, daß beides gleichzeitig nicht länger als eine Generation möglich ist.
  
Any human society is free to choose either to display great energy or to enjoy sexual freedom; the evidence is that it cannot do both for more than one generation.

J. D. Unwin, Sex and Culture, Oxford University Press, London: Humphrey Milford, 1934, 412. 

Quelle

15. November 2015

Tauler - wahre Armut




Johann Tauler 's
Nachfolgung des armen Lebens Christi.
   
Von viel Unterscheid der wahren Armuth.

Von der rechten, wahren, simpeln, blossen, lautern, abgeschiedenen, ledigen, freien, edlen, reichen, wesentlichen, nützlichen, demüthigen, freiwilligen, tugendhaften, göttlichen Armuth.

Armuth ist eine Gleichheit Gottes. Was ist Gott? Gott ist ein abgeschieden Wesen von allen Creaturen, ein frei Vermögen, ein lauter Wirken. Also ist Armuth ein abgeschieden Wesen von allen Creaturen. Was ist Abgeschieden? Das an nichts haftet. Armuth haftet an nichts, und nichts an ihm.


    2.
Nun mögte man sprechen: Alle Dinge haften an Jchts, wann alle Dinge werden enthalten von Jchts; - was ist dann eines armen Menschen Anhaftung oder Anhaltung? Ein armer Mensch haftet an nichts das unter ihm ist, denn allein an dem das über alle Dinge erhaben ist. Augustinus: „Das Beste aus allen Dingen das ist "Gott." Und das suchet Armuth, und dem [8] haftet es an, und keinem andern. Und das ist auch der oberste Adel des Armuths, dass es allein anhaftet dem Allerobersten, und das Niederste lässet gänzlich, als ferz es möglich ist.


    3.
Etliche sprechen, dass das sey die höchste Armuth und die nächste Abgeschiedenheit, dass der Mensch also sey, als er war da er noch nicht war: da verstund er nichts, da wollte er nichts, da war er Gott mit Gott. Das wäre wohl wahr, mögte es also geseyn. Denn dieweil der Mensch hat ein natürlich Wesen, so muss er auch haben Wirken: denn daran liegt seine Seligkeit, dass er Gott erkenne und liebe; - als Johannes spricht: „Das ist das ewige Leben, „dass wir dich Vater erkennen, und den du gesandt hast, Jesum Christum."


    4.
Wie soll aber der Mensch Gott erkennen und lieben, dass er doch arm bleibe alles Erkennens und Liebens? Er soll Gott mit Gott bekennen, und Gott mit Gott lieben, und anders mag er ihn nicht bekennen noch lieben, davon er selig sey: und soll arm seyn Erkennens. Was ist sein Erkennen? Das ist in Bildern und in Formen, die der Mensch durch die Sinne einziehet: und [9] anders mag er nicht erkennen von Natur. Und dess muss er arm seyn, will er selig seyn, und stehen in der rechten Armuth.

9. November 2015

GOTT - unvorstellbar anders



Zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf kann man keine so große Ähnlichkeit feststellen, daß zwischen ihnen keine noch größere Unähnlichkeit festzustellen wäre.

Inter creatorem et creaturam non potest tanta similitudo notari, quin inter eos maior sit dissimilitudo notanda.

(DH 806: Laterankonzil 1215)
 

8. November 2015

ungewollt schwanger

Handfeste Infos für (ungewollt) Schwangere

Hl. Franziskus - Armut im Geiste

Franziskus: das war der Grundzug seiner Seele, erfüllt von GOTT zu sein, und der nächste Grund, warum Franz in schier unvergleichlichem Maß Armut im Geiste liebet, um der Angleichung an die Einfachheit GOTTES in der Einfaltigkeit des Lebens willen ... 


Es war zutiefst sein Gestaltsein vor GOTT, daß er einfach sein wollte, und zwar weil GOTT einfach ist - und darum arm.
Alber Auer

4. November 2015

Armut im Geiste

Wenn jemand zu mir kommt, aber Vater und Mutter und Frau und Kind und Bruder und Schwester, ja sogar sich selbst nicht haßt, so kann er nicht mein Jünger sein.

Wer sein Kreuz nicht trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein. 


So kann auch keiner von euch mein Jünger sein, der nicht allem entsagt, was er besitzt.

Lk 14, 25-33

1. November 2015

Bergpredigt - Kreuz 4

Und die Bergpredigt schalten wir noch aus einem anderen Grunde aus. Man hält sie so für das Christentum des "gewöhnlichen Mannes" und ist überzeugt, daß man selbst besserer Nahrung bedürfe, daß man selbst höher steigen müsse. Anstatt daß man in die Bergpredigt hineinsteigt! Und nun kommt noch ein Grund, daß man sie nicht liebt: Weil der HERR der Bergpredigt ein harter HERR ist und das wollen wir nicht.

Johannes sagt: GOTT ist die Liebe!
Ja, der CHRISTUS ist uns recht, der tut niemanden weh.
Der HERR der Bergpredigt sagt:  "Du sollst..."
                                                       "ICH aber sage euch..."

Wenn wir der Zeit gerecht werden wollen und wenn wir alles tun wollen, um ohne Makel und ohne Schaden durch die Zeit zu kommen, dann müssen wir uns ganz einstellen auf den CHRISTUS der Bergpredigt. ER ist ein harter CHRISTUS, ja, ganz bestimmt! Kein Mensch wird annehmen, daß das sehr einfach sei, was ER bei Matthäus 5 alles sagt. Wie geht die Bergpredigt an? "Als JESUS die Volksscharen sah, stieg ER auf den Berg und setzte sich und Seine Jünger traten zu IHM und ER öffnete Seinen Mund und lehrte sie:

Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen.
Selig, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden GOTT anschauen.
Selig die Friedensstifter, denn sie werden Kinder GOTTES genannt werden.
Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich!" [Mt 5, 1-10]

Wenn wir das zusammenfassen, so heißt das:
Selig sind die, die gerade das wollen, was die Welt nicht will. Man könnte sagen, selig sind die, die in Widerspruch [Apg 28, 22] stehen mit der Welt. Verfolgen wir einmal einen Gedanken, machen wir einen Querschnitt durch die Bergpredigt.

Liebet eure Feinde! Segnet, die euch fluchen! Die Welt sagt doch: Liebet eure Freunde und hasset eure Feinde; das ist doch gerade der Widerspruch, worauf die Gegenwart sich gründet, daß wir lernen den hassen, der nicht mein Volksgenosse ist.

Die Zöllner und Gläubigen werden in das Reich GOTTES eingehen. "Gehet ein durch die enge Pforte" [Mt 7, 13]. Aber die Welt will doch weite Pforten, damit man ungeschoren aneinander vorbeikommt. Das Evangelium sagt: Ihr sollt die Sorglosigkeit der Vögel, der Lilien des Feldes haben und für das übrige laßt GOTT sorgen [Mt 6, 26-28]. Ein Reicher wird schwerer in das Himmelreich eingehen, als ein Kamel durch ein Nadelöhr geht [Mt 19, 24]. Und wer wollte nicht reich sein?

Wer das Schwert nimmt, der wird durch das Schwert umkommen![Mt 26, 52] Und die gegenwärtigen Rüstungen? CHRISTUS ist nicht gekommen, um die Welt zu rüsten, sondern selig zu machen; und wir wollen gerade das Gegenteil, wir wollen unser Recht haben und Ähnliches mehr. ER lehrt in der Bergpredigt gerade das, was der Welt widerspricht. Wer kann da mitmachen?

31. Oktober 2015

Geschlechtliche Liebe

Die Geschlechtsliebe ist eine Art göttlicher Kinderei, ein köstliches Ergötzen aneinander, das bis zu einem gewissen Grad die providentielle Eindrucksmacht des Fleisches auf den Geist voraussetzt, voraussetzt auch die zeitweilige Abdankung dieses stolzen Arsitokraten, dessen strahlende Schönheit unfruchtbar wäre, wenn er unerbittlich seine blinde Lebensgefährtin zurückstieße.

Leon Bloy

29. Oktober 2015

Gebet zum Heiligen Erzengel Michael

Papst Franziskus hat heute Vormittag via Twitter zum Gebet zum Heiligen Erzengel Michal und gegen den Teufel aufgerufen. "Erbitten wir den Beistand des heiligen Erzengels Michael, uns gegen die Nachstellungen und Fallen des Teufels zu schützen." 


Der Gebetsaufruf von Franziskus erinnert sehr stark an ein altes Kirchengebet, das in der Liturgie des außerordentlichen Ritus noch immer am Ende der Hl. Messe gebetet wird:

"Heiliger Erzengel Michael, du Fürst der himmlischen Heerscharen, schirme uns im Kampf gegen die Bosheiten und die Arglist des Teufels, sei du unser Schutz. Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich. Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchschweifen, in der Kraft Gottes hinab in die Hölle. Amen".

25. Oktober 2015

Stillstand

Der Mensch findet es schwierig zu erhalten, was er will, weil er nicht das Beste will; Gott findet es schwierig zu geben, weil Er das Beste geben möchte, und der Mensch es nicht annehmen will.

George MacDonald

22. Oktober 2015

Bergpredigt - Kreuz 3

Es ist etwas Merkwürdiges, daß der HERR bei Markus sagt: Warum, HERR, sprichst Du in Gleichnissen? Und der HERR sagt: Wenn dieses Wort nicht rätselhaft wäre, würde es kein Mensch glauben. ICH lehre in Gleichnissen, damit sie hören und nicht verstehen. ICH weiß, wen ICH auserwählt habe. [Mt 13, 10 ff]

So ist es auch da. Nichts kann mich mehr erbosen, als wenn man als Seelenführer um Rat gefragt wird und den Ratschlag gibt, die Bergpredigt zu lesen, und dann als Antwort bekommt: Das weiß ich ohnehin schon alles. Der dies sagt, der kann nicht heilig werden. Dieser Hochmut, der in unserer heutigen akademisch gebildeten Bevölkerung darin ist, schreit zum Himmel.

Werden wir demütiger! Abgrundlos demütig! Eher ist es nicht möglich, daß der Heilige Geist in uns hineinkommt und uns auch nur einen Satz der acht Seligpreisungen offenbart. Ohne diese abgrundlose Demut, die den Heiligen Geist in mich hineinzieht, ist es unmöglich zu verstehen, was in diesem Matthäus 5 steht. Es gibt genug Menschen unter den Gläubigen, die zu denen zählen, von denen der Heiland spricht: "ICH erzähle in Gleichnissen..." [Mt 13, 13] - Es werden viele zu denen gehören, von denen der Heiland sagt: "Die Ersten werden die Letzten sein". [Mt 19, 30]

Wir kommunizieren täglich, wir leben in der Sakramentalität, es geht der HERR in uns ein. Es ist nichts anderes als ein hochgespanntes Leben im Heiligen Geiste. Wie können wir kommunizieren, dann kommen wir an diese Wahrheiten und dann sind sie uns Stein? Sie sind uns dürres Holz, wir können keinen Funken daraus schlagen, wir können auf der Wüstenwanderung unseres Lebens kein Wasser daraus bekommen. "Ich rede zu ihnen in Gleichnissen der Bergpredigt, damit sie hören und nicht verstehen in ihrem geistigen Hochmut."

Wir müssen heute gerade die Bergpredigt hereinziehen, weil sie uns allein die Antwort gibt auf die Rätsel unserer Zeit. Früher würde man irgendwelche, rein liturgischen Exerzitien gehalten haben. Wir brauchen heute das Brot für unseren Alltag und dieses Brot bricht uns der HERR in der Bergpredigt. Wir müssen heute unseren Glauben so tief verankern als es nur möglich ist, denn auch bei uns kracht es in der Kirche, wanken die Fundamente der Gläubigen. Auch die Gläubigen sind sich nicht mehr klar, was ist Glaube, was ist Christsein? Und so wollen wir uns heute rüsten, den Tag zu bestehen und den Tag zu leben, dann müssen wir aus der Bergpredigt lesen mit brennenden Lippen, wie Verdurstende und Sehnende nach Wasser. Uns fehlt der Durst!

19. Oktober 2015

Bergpredigt - Kreuz 2

Die Bergpredigt, das Gesetz vom Reiche GOTTES! Aber nicht ein allgemeines, sondern eines, das hineinreicht in meine Seele und wie ein Schwert wirkt und dort zersprengt und spaltet und dieses Gesetz ist die Bergpredigt.

Das Gesetz des Glaubens, das Gesetz des Widerspruches, das wir alle tragen müssen. Es bleibt nichts übrig als das Kreuz des Geistes zu tragen. Was müht sich die Kirche, Verständnis zu finden, einen Mindestraum von Lebensmöglichkeit zu erhalten, man wird ihr den Lebensraum Schritt für Schritt abtrotzen und abnötigen. Es gibt kein anderes Christentum als das, was einmal ein moderner Graphiker darstellte: Eine Großstadt, Fabriken, Untergrundbahn, Dirnen vor einer Bar, Arbeiter, und mitten drinnen schleppt der HERR das Kreuz. Es schauen einfach alle und sind starr, daß sie nicht einmal Zeit haben zu spotten. Sie schauen nur.

So müssen wir den Kreuzweg gehen, den königlichen Weg, und das heißt, Bergpredigt leben. Und indem wir diesen Weg gehen, gründen wir dort unser Christentum, wo es gegründet sein will, nicht auf Sand und Schlamm, sondern auf Fels, und das heißt, auf CHRISTUS, und das heißt, auf Kalvaria. Und auf diesem Wege gehen wir den Weg zum Frieden. Zum Frieden, den die Welt nicht kennt.

Der Friede, die Freude, sie kommen nur auf dem Wege des Kreuzes, wenn wir den Weg der Bergpredigt gehen. Fangen wir gleich an zu lesen, wir kennen sie ja nicht. Wir hören sie fast jeden "Grünen Sonntag" und wir kennen sie nicht! Fangen wir an zu lesen und dann nehmen wir dazu einen Paulusbrief, dann werden wir sagen, und es wird gehen wie bei der Saat. "Ja, das sind doch Worte, mit diesen Worten ist doch etwas anzufangen, man kann da Seinen Alltag füllen." ...

Wenn die Welt schweigt, wenn die Sinne schweigen, wenn alles finster ist, vor das Kreuz gehen, vor das Tabernakel gehen und beten. Aus der Seele heraus beten! Sodaß über die Seele dieses Weinen kommt, dieses Weinen vor Schmerz. Und was hat jede Seele zu tragen! Einmal ganz tief beten - und seufzen vor GOTT ... Daß wir stille seien, ganz stille in GOTT!

18. Oktober 2015

Bergpredigt - Kreuz


Wollen wir den Weg der Bergpredigt gehen, dann wird uns GOTT erhöhen. Aber erst müssen wir die Botschaft des Widerspruches tragen, "weil die Welt in ihrer Weltweisheit GOTT in Seiner GÖTT­lichen Weisheit nicht kennt. Darum hat es GOTT gefallen, die, die IHM Glauben schenken wollen, durch eine Botschaft zu retten, die töricht ist."[1 Kor 1, 21] Die Torheit des Kreuzes tragen heißt gar nichts an­deres, als den Widerspruch leben, in dem die Bergpredigt zur Welt steht. Und das fällt uns so schwer! Wir wollen schon glauben, aber wir wollen und verlangen von GOTT, daß Seine Botschaft immer in Einklang steht mit der Welt, mit unseren weltlichen Wünschen, und das ist nicht der Fall. Christ sein heißt, den Mut haben, die Torheit des Kreuzes zu tragen. Heißt: den Mut haben, den Weg die­ses Widerspruches zu gehen. Das Kreuz ist Kreuz mit allem, was darin beinhaltet ist. Das Merkwürdige ist aber, daß gerade dieses Kreuz heißt: Überwindung und Seligkeit.
Kreuztragen und Bergpredigt-Gehen heißt gar nichts anderes, als warten können darauf, bis sich einmal zeigt, daß jeder andere Weg absurd ist. Und das fällt uns so reichlich schwer. Das Kreuz ist Kreuz und ist ernst wie der Karfreitag. Aber so wenig es Ostern gibt ohne diesen Karfreitag, so wenig gibt es tiefsten und wahrsten Frieden ohne das Kreuz
Wir wollen jetzt nicht, wenn wir hören von Bergpredigt, Wege des Kreuzes, da wollen wir nicht in dem Sinne erschüttert werden, daß wir den Kopf hängen lassen und sagen, das Christen­tum ist traurig, man soll es uns fröhlicher geben. O nein! Wenn der Frohmut wahrer Frohmut ist und tiefe Freude, dann kann es nur Osterfreude sein und das heißt, die Freude erlitten haben, heißt, sich hindurchgeläutert haben zur wahren, letzten Freude, die nicht mehr von dieser Welt stammt.
Heute haben wir ein neues Verständnis bekommen für Mystik, speziell für deutsche Mystik; und prüfen Sie doch einmal die Größ­ten: Ruysbroek, Seuse, Tauler, Ekkehart. Je größer sie sind, desto mehr reden sie vom Kreuz. Die können sich den Lebensweg ohne Hindurchgehen durch Kreuz überhaupt nicht denken. Das Kreuz aber, ich möchte sagen, zerschlagen in den kleinen Alltag, zerlegt in die alltäglichen Schritte und Schrittlein, die unser Tagewerk Tag für Tag von uns verlangt, aufgelöst in mein Leben, das ich führe, mit meinen Nöten, in meinem Berufe, in meiner Arbeit, in meiner Familie, in Gesellschaftskreisen, in allen meinen Gebundenheiten, in meinen Verpflichtungen, das heißt gar nichts als das Kreuz auslegen durch die Bergpredigt.

29. September 2015

Die gewaltige Größe eines Engels

Dan 10, 4 Als ich mich am vierundzwanzigsten Tag des ersten Monats am Ufer des großes Stromes, des Tigris, befand und 
5 um mich blickte, stand ein Mann vor mir, in Linnen gekleidet. Um seine Hüften trug er einen Gürtel aus feinstem Gold.
6 Sein Leib strahlte wie Chrysolith. Wie der Blitz leuchtete sein Angesicht. Seine Augen glichen Feuerfackeln. Seine Arme und Füße funkelten wie geschliffenes Erz. Der Schall seiner Stimme war wie das Tosen einer Volksmenge.
7 Ich, Daniel, allein hatte diese Erscheinung. Meine Begleiter sahen die Erscheinung nicht; doch befiel sie ein solcher Schrecken, daß sie flohen, um sich zu verbergen.
8 Ich blieb allein zurück. Während ich diese große Erscheinung hatte, verließ mich alle Kraft. Mein Antlitz entstellte sich und alle Kraft schwand mir. Da hörte ich den Schall seiner Stimme.
9 Als ich dann den Schall seiner Stimme vernahm, fiel ich betäubt vor mich hin. Ich lag mit dem Angesicht auf der Erde.
10 Plötzlich berührte mich eine Hand und half mir auf die Knie und Hände.
11 Er sagte zu mir: >Daniel, liebwerter Mann, vernimm die Worte, die ich zu dir spreche! Richte dich auf! Denn ich bin jetzt zu dir gesandt.< - Als er dies zu mir sagte, stand ich zitternd auf.

26. September 2015

Kardinale Gedankenlosigkeit

Verbloggung führt zur Verblödung

Nun, wenn man das Video anschaut, kann man sich nur wundern. Marx ist schlichtweg arrogant, indem er über Leute urteilt, deren Arbeit er nach seiner Aussage nicht kennt, ja nicht mal an siche heranlässt. Oder seh ich da etwas falsch. Das hämische Lächeln seiner Begleiter spricht auch für sich.




20. September 2015

Existentielles Christentum in Taufe und Firmung


Wir wissen, was die Urgeschichte ist und wie eben GOTT ist. Der Teufel wollte die Menschheit schlagen im Paradies; GOTT nimmt nicht die Sünder weg, sondern ER läßt sie an CHRISTUS teilnehmen im unauslöschlichen Merkmal von Taufe und Firmung. Verzeihen Sie, was ist Adam dagegen? Ist Adam, und als er sich wieder zurückgetastet hatte in GOTT, zu vergleichen mit einem Christen, der getauft und gefirmt ist? Der den HEILIGEN GEIST in sich trägt? Der das unauslöschliche Merkmal der Taufe an sich hat? Das hat Adam nicht gehabt. Das ist GOTT! Weil der Satan den Menschen betrügen wollte, GOTT nimmt die Wirkung ernst und schafft daraus buchstäblich ein existentielles Christentum in Taufe und Firmung. Seien wir uns dessen ganz bewußt! …

In der Zeit stehen wir drinnen. Wie notwendig ist es, diese zwei Sakramente in sich zu tragen, das doppelte unauslöschliche Merkmal der Heiligsten Dreifaltigkeit, der Bruderschaft mit JESUS CHRISTUS. Wir tragen das ewige Antlitz der Heiligsten Dreifaltigkeit, den Widerschein dessen in uns. GOTT wollte, daß wir so weit in Ihn hineinreichen, als es überhaupt einem Geschöpf möglich ist; wie Adam nicht hineingereicht hätte. GOTT nimmt die Ursünde des Adam ernst und stellt als konträres Gegenteil nicht die Unschuld des Paradieses, sondern die Verwandtschaft mit dem Dreifaltigen GOTT und das Brudersein mit JESUS CHRISTUS. Das ist es eigentlich, was die christliche Seele ist und warum sie notwendig der Taufe und Firmung bedarf.

Im eigentlichen Sinn ist der unauslöschliche Charakter dem Priestertum eigen und bedeutet die tiefstmögliche Vereinigung mit dem opfernden Priester - eben das unauslöschliche Merkmal. Aber GOTT wußte auch Mittel und Wege, um auch die Gläubigen daran teilnehmen zu lassen. Und das ist das Merkwürdige, wenn es nicht Thomas gesagt hätte: Daß in jedwedem Sakrament, das natürlich der Priester vollzieht, jedweder Gläubige teilnimmt am Opfer CHRISTI und teilnimmt am opfernden CHRISTUS am Kreuz; und daß diesen Prozeß, der am Kreuze begonnen hat, jede getaufte Seele weiterführt und zur Vollendung führt, daß der Opfertod CHRISTI auf diese Weise in jeder Seele seine Vollendung erlebt. Die drei Sakramente lehren den Menschen, sich zu tiefst zu vereinigen, aus der Urfähigkeit, opfern zu können. Auch der Gläubige kann opfern.



Unser gläubiges Volk ist sich dessen ganz bewußt, daß es sich nichts mehr dabei denkt: "Geh, opfere das GOTT auf." Sagen Sie das einmal einem Ungetauften. Ist ja nicht möglich! Warum? Weil auch der Getaufte, der nicht Priester ist, am Opfercharakter teilnimmt. Ohne Priester zu sein, können diese Handlungen in die Opferhandlung CHRISTI einbezogen werden. Es kommt darauf an, daß wir mit Ihm in Beziehung stehen, und geben Sie acht: Ob Priester oder nicht Priester, der Getaufte ist nicht nur empfangend, er ist Mitopfernder, er nimmt am Opfer CHRISTI teil und kann für andere opfern. Das reine Wunder, das wir so gewohnt sind, daß es uns keinen Eindruck mehr macht.

Der Priester kann nur verwandeln, aber das Opferbringen in JESUS CHRISTUS kann jeder Getaufte und jeder Gefirmte. Darum ist Firmung so zu betonen, weil gerade Firmung die Beseligung im HEILIGEN GEISTE betont und getätigt hat.

Was also der Sinn der sieben Sakramente schlechthin ist, ist das Eine: Getauft zu sein und den Charakter bekommen zu haben, am Opfer CHRISTI aktiv in der Messe teilzunehmen und die Opfergaben weiterzuleiten und so den Kampf aufzunehmen, sodaß die Kraft so geballt ist wie möglich - darum die Notwendigkeit der Firmung. Wir sind so sehr daran gewöhnt, vom Taufcharakter zu sprechen, daß es uns keinen Eindruck mehr macht. Und gerade durch den Taufcharakter kann ich an den Früchten aus dem Opfer JESU CHRISTI teilnehmen und ohne dieses Prinzip wäre es unmöglich, die Leiden für einen anderen aufzuopfern. Ich bringe mich zum Opfer, ich lege es unmittelbar in CHRISTUS hinein und ER steuert es und leitet es weiter - das ist nur möglich mit Tauf- und Firmcharakter. Darum gehört Firmung so stark mit hinein, weil die Gnade der Taufe gerade den Zweck des Opferns und des Bekenntnisses unterstreicht und die Seele zutiefst getränkt wird.


1964

19. September 2015

Unbequeme HERRENworte

...denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen.
 
...die das Wort zwar hören, denen es aber der Teufel dann aus dem Herzen reißt, damit sie nicht glauben und nicht gerettet werden.

...weggehen und in den Sorgen, dem Reichtum und den Genüssen des Lebens ersticken, deren Frucht also nicht reift.

17. September 2015

Fest der Wundmale des hl. Franz von Assisi

Herr Jesus Christus, da die Welt zu erkalten begann, hast Du am Leibe des hl. Franziskus die heiligen Wundmale Deines Leidens erneuert, um unsere Herzen mit dem Feuer Deiner Liebe zu entflammen; verleihe gnädig, daß wir dank seiner Verdienste und Fürbitten beharrlich das Kreuz tragen und würdige Früchte der Buße bringen.

 

12. September 2015

GOTT überantwortet sein!

"Heute, wenn ihr Meine Stimme hört!" [Ps 94(95),7] Und diese Stimme sagt gar nichts anderes, als GOTT überantwortet sein. Ich habe nur ein einziges Ziel: GOTT. Und noch einmal: GOTT. Und zum dritten Mal: GOTT! Ich muß heute ein Mensch werden, der von Innen nach Außen lebt. Ich muß heute ein Mensch werden, dem der Gedanke an GOTT ein Habitus ist. Die zweigeteilten Menschen können wir nicht mehr brauchen, die verraten uns allesamt. Ich muß heute so auf GOTT hingeordnet sein - ich sage mit Absicht GOTT - daß dieser Gedanke von meinem Bewußtseinsinhalt überhaupt nicht mehr trennbar ist. Ich brauche mich nur zu kontrollieren: Woran denke ich, wenn ich in der Früh aufwache und zu mir komme? Woran denke ich, wenn ich freie Minuten habe? Ist dieses mein Bewußtsein von GOTT trennbar?
Es ist etwas Namenloses! Wer diesen Gedanken noch nicht so in sich hat, der hat noch nicht gelernt, was Glücklichsein ist. Was ist mir näher als GOTT? Nichts. Auf diese Schwäche nimmt die Kirche Rücksicht und hat eben das Mittelchen der "Guten Meinung". Gut. Ich müßte aber so weit kommen, daß ich nicht den Gedanken an GOTT müßte eigens erwecken. 




Ich brauche mich nur zu kontrollieren: Habe ich noch Funktionen in meinem Leben, wo ich von GOTT abstrahieren kann, wo ich von GOTT nichts wissen will oder nichts weiß, oder bin ich einfach in GOTT eingesenkt?
Es ist etwas Unerhörtes, eine Seligkeit ohnegleichen. Was ist mir näher, meine Seele oder GOTT? Was ist mir näher? Zweifellos GOTT. Meine Seele kann nicht in mir sein, wenn GOTT nicht in ihr ist. Nicht ich muß zu GOTT kommen - das sind lauter Vorstellungen, die rein materialistisch sind, - ich muß mich in GOTT finden. Es ist mir nichts näher als GOTT.
Wenn das in einem ist und das ganz lebendig ist, ja mein GOTT, so sterbe ich halt. Ich kann nur in GOTT hineinfallen. Zu GOTT kommen, das ist ja eine diesseitige, räumlich-zeitliche Vorstellung. Sterben ist nichts anderes, als alles, was nicht GOTT ist, zurücklassen. Und das ist Advent! Advent ist etwas ganz unerhört Beseligendes und ganz mit Recht ist er die Zeit der Lichter und diese Lichter sagen alle: Ihr seid alle GOTTES. Das ist etwas ganz Wunderbares!
Lesen Sie die Apokalypse und Sie werden sehen, zum Schluß handelt es sich nur um eines, um GOTT. Kann ich mich noch von GOTT getrennt vorstellen oder ist das so wie eine Stimmung meines Lebens (das Bewußtsein der GOTT-Überantwortung? Wenn wir uns heute fragen, was ist der Sinn meines Lebens? Daß mir neu zum Bewußtsein kommt: Ich bin GOTT überantwortet und wesentlich und existent IHM ausgeliefert. Da hört man hinten zu denken auf (7) und fängt vorne zu denken wieder an. Das ist etwas Wunderbares, daß ich in GOTT bin. Und zu GOTT zu kommen heißt nicht, eine Himmelsleiter besteigen, heißt lediglich: Alles abfallen lassen, was nicht unmittelbar das Bewußtsein GOTTES fördert, und das ist der Himmel in Wirklichkeit. Wir tragen bei allem Elend, das wir haben, den Himmel in uns. Und so werden wir uns sagen, wir werden GOTT anschauen.


1963

7. September 2015

Auf Gedeih und Verderb Christ werden.

Wir müssen wieder ganze Christen werden! Und wie können wir ganze Christen sein, ohne daß wir einfach aus dem Gedanken GOTT leben? Ob das der Eingeborene vom VATER ist, bei Dem jedes dritte Wort VATER ist, oder ob wir einfachhin GOTT meinen, ist das Gleiche. Darum muß uns der Gedanke GOTT zum Lebenselement werden, so, daß ich überhaupt nicht mehr sein kann, außer aus dem Gedanken GOTT!
Was interessiert Augustinus? GOTT! Wenn Sie die Confessiones, 2. Teil, hernehmen, dann dreht es sich nur um eine Frage GOTT. Auch wir werden davon nicht dispensiert. GOTT muß mir zur Lebensnotwendigkeit werden, sodaß ich aus dem Gedanken GOTT überhaupt nicht loskomme, genau wie Augustinus. Diese Confessiones müssen Sie lesen, nicht wie ein Traktat von Thomas, sondern wie eine Selbstbiographie der Seele. Er schreibt, was einfach vor seiner Seele steht - und plötzlich, während er so über GOTT redet, auf einmal kommt es ihm: Was ist das denn, wenn ich GOTT liebe? Was ist das? Erst wenn der Gedanke GOTT so in mir ist, wie Hunger und Durst und Existenz, dann bin ich erst das geworden, was Christ sein heißt.
An uns liegt es, wie die Zeiten sich gestalten. Der Diamat ist, daß wir Christen versagt haben, weiter gar nichts. Keine Heiden haben ihn erdacht, es sind lauter Christen, die das gemacht haben, das ist so klar wie etwas. Ist einfach eine Sepsis des christlichen Lebens hinein ins Widergöttliche, nicht ins Widerchristliche, nein, ins Widergöttliche hinein. Darum gibt es nur eine Lösung: Wir müssen ganz und gar Christen werden, für die der Gedanke GOTT unabdingbar ist - nicht Sache eines Beweises - sondern Sache des Lebens.


 Helixnebel NGC 7293

Ich kann nicht anders als in GOTT stehen. Daß uns das nicht mehr Lebenselement ist, sondern Konfessionselement ist, das ist das Versagen, das namenlose. Es muß Lebenselement sein! Ich muß so in GOTT stehen, daß es unmöglich ist, irgendeinen Diamat überhaupt nur am Rand anzunehmen. Er ist ja nur ein Verzweiflungssystem.
Sicher haben Sie schon gehört vom Professor von Tübingen ... Ernst Bloch und sein Buch "Prinzip der Hoffnung"... hätte den Namen erhalten sollen "Prinzip der Verzweiflung"; es gibt kein Buch der Weltliteratur, das so trostlos ist. Er möchte in das Absolute hinein und kann es nicht, weil ihn sein Stolz nicht zu GOTT läßt.
Und was er nachher geschrieben hat, "Menschenwürde und Freiheit", ist nackte Verzweiflung. Man könnte ihm beweisen, er braucht GOTT, aber das zugeben kann er nicht. Es ist allerhand für eine Universität wie Tübingen, daß dies für sie tragbar ist.
So kommt es, daß die Zeit heute der Welt ein Charakteristikum vorexerziert, wie der Rechtsphilosoph Ernst von Hippel es nennt - wir sind so tief in der Welt drinnen, wir sind so in die Welt hinein gefesselt und hinein verschmolzen, daß wir in der Welt, die wir als unsere einzige Heimat wollten - nicht mehr das Jenseits -‚ heimatlos geworden sind. So schreibt ein Rechtsphilosoph im Namen des Rechtes, nicht aus dem Glauben heraus! Von der Heydte  schreibt genau das gleiche. Es gibt keine Menschheit, die so heimatlos geworden ist, wie wir, die so wenig sich zurecht findet, die so an allem, was sie ist, leidet. Was wurde? Schopenhauer - und das ist noch das Harmloseste; diese Abart von Idealismus war nur eine Zwischenstufe - Schopenhauer gebraucht den Ausdruck nicht, aber es ist eine Philosophie der Heimatlosigkeit. Was ist der Mensch heute? Ein Fremdling; weil er die Welt sucht, wird er in der Welt ein Fremdling.
Und CHRISTUS: ICH heiße euch nicht mehr Fremdlinge, ICH heiße euch Kinder.- Wir wollen ja nicht mehr Kinder sein, wir wollen in der Welt sein und leben. Dadurch sind wir heimatlos geworden. Das ist eine Tragik. Denken Sie das zu Ende auf dem Hintergrund: GOTT - die Welt, die in der Welt heimatlos geworden ist. Ich kann in der Welt nur Heimat finden, wenn ich die Welt von GOTT her sehe.
Der Tag heute und die Gedanken um dieses Evangelium sind von einer Tragik, namenlos, ob ich sie existenziell, apokalyptisch oder eschatologisch ansehe.
Die Welt ist heute heimatlos geworden, weil sie in sich ihre Heimat suchte und nun entdeckte, daß die Welt niemals Heimat sein kann. Je mehr wir in die Welt hineinsteigen, - und als Weltmenschen müssen Sie das - desto fremder werden wir der Welt. Wieso das?
Das ist der beste Beweis dafür, daß wir eine ganz falsche Wertskala haben, daß wir von Surrogaten heraus leben. Ob es die ganz naiven sind: Vergnügen und Lust, - diese naiven Vergnügungen, die uns Film - und Fernsehen anbieten - oder ob es irgendwelche andere mißdeutete Werte sind, es ist immer das gleiche. Indem wir darin unsere Ziele sehen, werden wir hoffnungslos und unfähig, ein anderes Ziel zu sehen.
Es wird in kurzer Zeit nur mehr zweierlei Menschen geben Christen und Nichtchristen. Die an GOTT glauben und die, denen GOTT vollkommen verloren gegangen ist. Nicht einmal irgend ein Idealismus ist fähig, die zu retten. Bitte, man sehe dieses Beispiel an: Woher kommt der Diamat? Woher kommt er? Von Hegel. Hegel - als der letzte Exponent des deutschen Idealismus. Im Namen des Idealismus werden wir Materialisten. Haben Sie das schon einmal erwogen?
Worum geht es heute? Alles fragt: Was sollen wir machen? Wie geht es weiter? … In Wirklichkeit geht es nur um eines: Wir müssen auf Gedeih und Verderb Christen werden.

VB 1962

5. September 2015

Lebensgesetz - Kindsein


Haben wir noch dieses Staunen, oder sind wir auch alt geworden darüber, echt stoisch, daß wir über nichts mehr erstaunt sein können? Das wäre es. Würden wir dieses Staunen haben, auf einmal würde der Nebel heruntergehen von der Seele und auf einmal käme dieses namenlose Glück in die Seele, diese namenlose Ruhe, weil GOTT da ist! Dann würden wir sehen, daß auch wir die Augenblicke der unmittelbaren Begnadigung, der unmittelbaren GOTT - Heimsuchung haben. In dem Augenblick, wo ich das erste Mal GOTT einmal dafür gedankt habe, - in dem Moment schließt ER das Tor nicht mehr zu. Es hat jeder solche Augenblicke, muß nichts Besonderes sein.



Ein Panzer-Offizier erzähl : Es war ein Ort im Niemandsland. Die Kirche stand noch da. Ein Spähtrupp ist vorgegangen und hat sich dort festgesetzt. Ein Leutnant ist in die Kirche hineingegangen, wo auch noch die Orgel war. Und trotz strengem Verbot konnte er sich nicht mehr halten, er ist hinaufgegangen, hat seinen Stahlhelm heruntergetan und hat einen alten Kirchenchoral gespielt. Der ganze Spähtrupp hat auf den Krieg vergessen, alle sind hinein und haben gelauscht, einem standen die Tränen im Auge. Es war plötzlich zwischen zwei Fronten ein Feiertag. Dann ist der Leutnant herunter, hat den Stahlhelm aufgesetzt - und zwei Stunden darauf war er tot. Ja, das ist so ein Erlebnis, durch die Umstände hingestellt.

Und Sie glauben, daß wir keine solche Seele haben, der GOTT nahekäme? "O, wie oft wollte ICH dich rufen, wie die Henne ihre Küchlein sammelt. Du aber hast nicht gewollt. Du warst zu hochmütig, hast anderes zu tun gehabt, hast gedacht, das ist Einbildung und alles Mögliche." [Lk 13, 34]

Und das nimmt der Herr so übel, diese Sünde, diese unmittelbare gegen IHN, die nichts mehr mit dem Ethischen zu tun hat. Aber das, wogegen wir notorisch sündigen, ist eine Sünde unmittelbar gegen IHN, und die verzeiht GOTT so schwer; deshalb muß ER mich noch lange nicht verdammen, aber ER kommt nicht mehr. Ach, "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder!" Glauben Sie, daß ER einen Isaias, Ezechiel und Moses braucht und Sein Kind, dem ER ein unauslöschliches Merkmal eingeprägt hat, das schätzt ER nicht so ein?

Ach, das ist die Paradoxie der GOTTheit, das ist die Paradoxie GOTTES, daß ER mich braucht, daß ER mich sucht. Wissen Sie, das ist noch viel staunenswerter als die GOTTES–Idee, das Absolute. Das kann man sich bis zu einem gewissen Grad erdenken. Aber, daß ER mich sucht, daß ER mich will, das ist der Unterschied. Schauen Sie, seine Pflicht erfüllen und GOTT suchen als Sein Kind - in dem Augenblick, wo mir das aufgegangen ist, in dem Augenblick, wo ich mein Kinder-Staunen wiedergewonnen habe, wo ich alle Blasiertheit habe abgelegt, in dem Augenblick bekommt mein religiöses Leben einen ganz neuen Rhythmus.

In dem Augenblick werde ich sehen, daß mein Leben tatsächlich von Wunder zu Wunder geht, und daß es wirklich einfach E R ist, unmittelbar, daß ich noch lebe, daß ich nach  IHM verlange, und so wie ich jetzt bin, und daß ich getrost der Anschauung GOTTES entgegen-sehen kann. Ich müßte das wieder haben, was das Kind hat. Ein Kind hat bekanntlich ein zweites Leben. Es ist sehr schwer, in dieses zweite Leben hineinzukommen, das kann eigentlich nur eine Mutter. Sonst ist das Kind in seinem zweiten Leben vollkommen allein und darum mißdeuten wir so vieles, weil wir es nicht mehr können.

So haben wir ein zweites Leben und das schlagen wir tot. Und dieses zweite Leben wäre dieses Kindsein GOTT gegenüber. In dem Moment, wo der Mensch das hat, dann kommt ihm GOTT wirklich nahe und er lebt aus GOTT, aber nicht mehr pflichtmäßig in einem Gesetz, sondern als Lebensgesetz. Er kann sich GOTT und CHRISTUS und seine Erlöstheit überhaupt nicht mehr wegdenken.

VB 1959

26. August 2015

Jenseits von Angebot und Nachfrage - W. Röpke


Was nun sind die Fehlentwicklungen in unserem Denken, die Röpke sieht? Er fährt eine schier erschlagende Liste von fatalen „-ismen“ auf. Da wäre zum Beispiel der Utilitarismus („Kult der Nützlichkeit“, 150), der Rationalismus (wir bilden uns ein, mit unseren geistigen Kräften alles planen zu können), der Konstruktivismus (wir unterschätzen die Kraft der spontanen Ordnung), der Dirigismus (wir wollen alles steuern), der Progressismus (wir vertrauen blind auf den Fortschritt), Relativismus (wir haben keine absoluten Werte, an die wir glauben), der Historismus (wir erklären uns alles aus dem jeweiligen Zusammenhang und lösen somit „alles in Wandlung und Entwicklung auf“ (27), statt nach Grundsätzlichem zu fragen), der Soziologismus (wir typisieren, kategorisieren, schubladisieren die Menschheit, statt danach zu streben, den strukturellen Wandel zu verstehen), der Modernismus („wir vergewaltigen auf Schritt und Tritt die Natur“, 110), der Individualismus im Sinne der Vereinsamung des Menschen, der Kollektivismus („der einzelne gilt immer weniger, Masse und Kollektiv immer mehr“, 32), der Kommunismus (eine „Vergewaltigung der Seele des Menschen“, 29), der Etatismus („Die Macht des Staates wächst ungebändigt weiter“2). Die Liste lässt sich verlängern.

Die Klammer um alle Begriffe sind Ökonomismus und Säkularismus. 
 Ökonomismus bezeichnet bei Röpke eine Geisteshaltung, die alle Lebensbereiche wirtschaftlichen Kriterien unterwirft – wobei es auf bemerkenswerte Weise Röpkes Zeit entspricht, wie er mühelos zu erkennen, dass das Urheberrecht auf eine solche moralische Fehlentwicklung der Gesellschaft nicht allein der Kapitalismus erheben darf, wie man heute zu glauben scheint, sondern in noch deutlich stärkerer Weise der Sozialismus. Die kulturelle Kehrseite des Ökonomismus, den Röpke konstatiert, ist der Säkularismus: „die erschreckende Entchristlichung und irreligiöse Säkularisierung unserer Kultur“ (21), also die abnehmende Religiosität der Menschen; das Absterben der Beziehung des einzelnen zu Gott; das Versiegen des Strebens nach Transzendenz; die geistige Verarmung der Menschheit und der Verlust christlicher Werte.

23. August 2015

Wie die klugen Jungfrauen

Ich muß mir ein Leben lang klar geworden sein, worum es sich eigentlich dreht. Und diese Frage beinhaltet selbst wieder zwei Teilfragen: Einmal das Gestelltsein vor das Gericht und zweitens das Bewußtsein, wie ich diesem Gericht gegenüberstehe. Die Lampe, sagt der Herr immer, soll brennen wie die der klugen Jungfrauen. Ich sagte heute schon, es ist etwas Merkwürdiges um diese primitive Formulierung des göttlichen Heilandes. Vergleichen Sie einmal doktrinär einen Matthäus mit einem Plato oder einem Plotin. Wie schlicht ist Matthäus, für viele zu schlicht. Warum? Weil sie weder die Gabe haben, noch sich gemüht haben, dahinter zu kommen.

Magdeburger Dom: Kluge Jungfrauen

 Wie leicht hört sich das an, daß die Lampe brennen muß. Wie oft habe ich das gehört, so oft, daß ich es gar nicht mehr ernst nehme. Sie brennt dann in dem Augenblick, wenn ich mich nicht getäuscht habe, da ich mich gestellt sehe GOTT gegenüber. Oder, nüchtern gesagt, wenn die Seele leiblos sich sieht und sich leiblos erkennt. Wir mögen uns über das Christentum giften, so viel wir wollen, über den Augenblick kommen wir nicht hinweg, ich muß mich einmal leiblos tragen können. Da hört der Scherz auf, das ist die Sache.
Über die primitivsten Wahrheiten müssen wir sprechen, und das Grundsätzlichste, das Einfachste, das Simpelste, das so simpel ist, daß ich es jedem Kind sagen kann: Was werde ich tun, wenn ich den Leib nicht mehr rufen kann, wenn die Seele dasteht. Man denke das einmal philosophisch zu Ende, wenn es da kein Christentum gibt, das ist einfach nicht zu tragen. Daher alle diese Umwege über die Mythen.
Wenn Sie das denken, können Sie gar nicht anders als danken: Herr, Vergelt's GOTT, daß ich Christ geworden bin."
Und lasse alles was mich an dieser Kirche stört, dummes Zeug sein. Das, was mich stört, darum dreht es sich gar nicht. Es dreht sich nur um Leiblosigkeit, um die Seele, die hineinschreitet in die Ewigkeit.
Welche Vorstellungen Sie sich nun darüber gemacht haben, meines Erachtens ist hierbei Zweierlei erfordert: Sich gestellt wissen vor GOTT mitten im Leben. Wir nehmen immer dieses Evangelium so lange unernst, bis wir am Sterbebett liegen. Auf einmal steht die ganze Hoheit GOTTES da. Da gibt es überhaupt keinen Ausweg mehr, ich muß eben durch. GOTT hat es uns erleichtert, indem ER uns als Mensch entgegen gegangen ist. Die heilige Menschwerdung war der Zweck der Erlösung; aber, wie die Theologen sagen, es wäre mit einem Willensakt getan gewesen und ER hätte wieder in die Ewigkeit zurückkehren können, sich zurückziehen können in den Schoß des VATRES. Das wäre, weil es GOTTES SOHN war, der diesen Akt gesetzt hätte, von unendlichem Wert gewesen.
Warum ist ER Mensch geworden? Rein aus Liebe, um uns diesen Weg voranzugehen. Und ich versichere Sie, dieses ganze Leiden und Sterben des Herrn können Sie historisch so und so erklären. Da ist kein einziger Akt da, der nicht von apodiktischem Wert wäre, d.h., gebt acht, in irgend einer Weise geht Ihr den gleichen Weg. Es ist etwas namenlos Tragisches um diese Sorge des Heilandes.
Was ich immer sage, von hundert sind neunundneunzig da, die vom Christentum nicht überzeugt sind. Der Eine ist wahrhaft überzeugt. ER hat den Gedanken der Sorge vorne hingestellt. Das ist nichts anderes als: Mein GOTT, Mein VATER, warum hast DU Mich verlassen? [Mt 27, 46] Überlegen wir es einmal ernst, ganz ernst: Wie nahe stehen wir der Erlösung? 


VB 1960

17. August 2015

Staunen - Kind werden


Das, wie wir zu GOTT stehen sollen, ist eben wieder einfach die Lehrweise, die GÖTTliche Originalität CHRISTI! Wir wüßten es ja, wie wir zu GOTT stehen sollten. Uns sind manche Christliche Wahrheiten so gewohnt geworden, daß wir gewissen Begriffe nicht mehr ernst nehmen.

Den Begriff: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder" [Mt 18, 3] - da möchte ich nur einmal Testblätter austeilen, was stellst du dir darunter vor. "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen." Da würden Vorstellungen herauskommen, wie wenn das Christentum ein großer Kindergarten wäre mit der Tante. Ist Ihnen das klar geworden: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder? Wissen Sie, das ist die Genialität CHRISTI, alles auf so einfache Formeln zu bringen, daß sie nicht mehr deutbar sind für den, der nicht daraus lebt. Vielleicht sagen Sie auch, daß Sie wie Kinder werden müssen, sei ein alter Ladenhüter. Meinethalben! Ich komme immer mehr darauf, daß ich mit Absicht immer das gleiche rede. Es dreht sich nur um ein paar Begriffe, denn in diesem Bild "wenn ihr nicht werdet wie die Kinder" ist alles gesagt. Man kann sicher diesem Bild einen doppelten Sinn geben. Einen, der von der Bergpredigt herkommt, der andere aber ist fast noch abgründiger.

Was ist damit gesagt? Kind sein GOTT gegenüber? Das heißt zu tiefst nicht ein Geschöpf sein, sondern es bedeutet eine ganz bestimmte Fähigkeit, GOTT aufzufassen, eine ganz bestimmte Nuance des GOTTESbewußtseins, bedeutet also schließlich die Unmittelbarkeit des GOTTESerlebnisses. Warum sagt ER: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder? Haben Sie sich schon gefragt am Schutzengelfest - das Evangelium von den Kindern, daß man sie nicht ärgern darf, weil ihre Engel das Angesicht des VATERS sehen [Mt 18, 10]. Braucht es da eine analoge Beziehung, warum gehören Kind und Engel zusammen?

Da stellt man sich vor, weil das Kind am meisten die Schutzengel braucht. Das ist wahr. Aber die gehören zusammen aus noch einem ganz anderen Grund. Sie gehören zusammen, weil sie beide die unreflektierte, unmittelbare, ja sozusagen unkritische GOTTESauffassung haben. Dabei möchte ich unkritisch nicht identifizieren mit ungeläutert - aber eine unmittelbare GOTTESauffassung ,in der Wissen und Glauben ineinander rinnen, weil das Kind eben das hat, was der alte Mensch nicht mehr hat, das Staunen. Wer sagt das? Niemand anderer als Plato und Aristoteles. Die zwei werden im Himmel ganz oben stehen, weil sie sich beide wund gesehnt haben nach GOTT. Uns wundert nichts mehr!

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 Hat sich heute eines darüber gewundert, daß wir kommunizieren konnten? Ist eines von uns vielleicht dermaßen erschlagen gewesen: Ich trau mich gar nicht hin, das ist ja GOTT! Hat eines von uns dieses Staunen gehabt? Und weil wir das nicht mehr haben, sehen wir gar nicht mehr, wie wir in unserer Seele von Wunder zu Wunder leben.

GOTT möchte ja in unsere Seele hinein, aber darauf käme es an, auf diese Unmittelbarkeit. Wir haben methodisch gelernt, den Anruf GOTTES, die Unmittelbarkeit GOTTES zu übersehen, darum erleben wir sie nicht mehr. Darum erleben wir auch nicht mehr die eklatanten Wunder in der Seele, daß GOTT plötzlich die Nebel zerreißt und ich schaue ... ach, wir sind nur selber schuld daran, an der Verflachung des Christentums. GOTT wartet andauernd! "ICH stehe andauernd vor der Seele und klopfe, aber sie ist zu hochmütig, sie läßt Mich nicht ein." [Offb 3, 20]

Habe ich einmal gelernt, auf GOTT hinzuhorchen, werde ich sehen, wie unmittelbar GOTT in die Seele hineinkommt. Dann hätte ich auch dieses namenlose Staunen, dieses Thaumatsein: Was, gibt es das auch? Gibt es das überhaupt? Wissen Sie, was muß das für ein GOTT sein! Ich begreife den philosophischen GOTT, ja! Ich begreife den GOTTESbeweis bis zu einem gewissen Grad, ja, aber ich begreife nicht einen GOTT, Der macht Geschöpfe und dann kümmert ER Sich so darum, daß ER sie erlöst mit Seinem Tode. Was muß das für ein GOTT sein!

Und dann will ER mich an Sich ziehen, daß ich IHN anschaue. Da werde ich doch gleich von Anfang an sagen : Herr, geh weg von mir, ich ich kann es nicht tragen. Ich kann es nicht, denn daß ich IHN anschaue, muß ER mich in Sich hineinheben. Ich verbrenne einfach sonst. Ist gar kein Zweife ! Was muß das für ein GOTT sein, der das Geschöpf erlöst! Was ist das für ein Rätsel?

Wir haben von GOTT und GOTTES Wesen auch nicht ein Tausendstel Prozent erkannt! Aber eines könnten wir haben und haben es nicht, dieses namenlose Verwundertsein und dieses namenlose Staunen. Statt dessen geben wir uns mit hochmütigen Gedanken ab, ob es einen GOTT gibt, ob ER gerecht ist usw. - Das ist es!

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder! Jeden Tag neu aufstehen - was, ich soll heute den Herrn empfangen! Diese Unmittelbarkeit des Staunens, so wie ein Kind kommt und staunt und staunen kann, und es bekommt ein Licht in die Augen, sodaß es einfach Sonne ist, voll Staunen darüber, über irgendeine Blume, irgend etwas Schönes oder Neues.
VB 1959

15. August 2015

Zwiesprache des Menschen mit GOTT


Das Menschenleben, sagt Buber, ist eine ständige Zwiesprache des Menschen mit GOTT. Der Mensch ist in seinem Leben ständig von GOTT angesprochen, und das ist, vom Menschen her gesehen, die Wirklichkeit, die GOTT im Menschenleben spielt. Diese Wirklichkeit ist also eine dynamische. Es muß uns Wunder nehmen und ist ein merkwürdiger Satz, wenn manche Alten sagen - zuletzt Angelus Silesius, aber der Satz ist viel älter - "GOTT braucht mich und ohne mich wäre GOTT nicht GOTT." Das darf man nicht auffassen vom Standpunkt der Theodizee aus, sondern vom Standpunkt der Wirklichkeit, wie sie GOTT eingerichtet hat.

GOTT möchte für uns ein Du sein und umgekehrt muß GOTT für uns ein Du sein. Es ist etwas anderes, in GOTT lediglich den philosophischen GOTT zu sehen, das heißt, das Absolute, das ich nicht ablehnen darf und kann, vielleicht schon aus rein natürlichen Erwägungen heraus. Das ist nicht der GOTT, um den es sich hier dreht. GOTT, wie wir Ihn meinen, ist persona und von dem Standpunkt aus gesehen, ist es erklärlich, daß ER uns Seinen SOHN schickt, um dieses Verhältnis zu beleben und zu der Höhe zu führen, die ihm entspricht. Der Mensch, wir Christen, sind also für GOTT nicht nur Geschöpf in genere, der Mensch ist ein Kind, von GOTT angesprochen, es hört auf GOTT, für GOTT ein Du.

Und das ist von vornherein das große Wunder, daß GOTT den Menschen als ein Ich nimmt und daß ER mit dem Menschen nicht umgeht wie mit irgend einem anderen Geschöpf. Zum ganzen Universum sagt GOTT nicht Du. Das ganze Universum ist in seiner Pracht und Herrlichkeit, in die wir jetzt ein bißchen mehr eindringen, für GOTT nur ein Es. Und die Seele des geringsten Menschen ist für GOTT ein Du. Und indem der Mensch ist und GOTT ein Verhältnis zu ihm hat, ist der Mensch von GOTT angesprochen.

Das Verhältnis GOTTES zum Menschen müssen wir als ständige Zwiesprache ansehen, als Zwiesprache, die einsetzt am Sinai und die fortgeführt wird bis zu jener Zwiesprache, wo GOTT Seinen eingeborenen SOHN uns schenkt, der schlechthin das Wort GOTTES geworden Ist. ER ist eben das Wort GOTTES in Person, das seiende Wort; und so muß auch unser Leben ein ständiges Angesprochensein von GOTT bedeuten. Wie das Angesprochensein verläuft, ist eine andere Sache.

Aber der Mensch, ohne angesprochen zu sein von GOTT, ist genau so und viel weniger wie ein Kind, das eine Mutter hat, die nie mit dem Kinde spricht. In der Sprache und in der Art der Sprache liegt es, wie die Menschen einander mitzuteilen verstehen. Alles sind Wesen, die Vögel und Tiere geben einander Zeichen und aufgrund der Zeichen verstehen sie die Reaktion. Aber sie sprechen nicht miteinander, sprechen kann nur der Mensch und GOTT. Und darum können wir das Verhältnis GOTTES zum Menschen als Sprechen ansehen und umgekehrt und wir müssen uns in allweg von Ihm angerufen fühlen. Je mehr der Mensch sich diesem Rufe GOTTES entzieht, je weniger ist er Kind GOTTES. Es kommt also ganz und gar darauf an, wie stark Einer im Gespräch ist.

VB 1957

13. August 2015

Marcuse - Der eindimensionale Mensch

aus dem Artikel "Marcuses Papstkritikerkritik" von Renzo Spielmann (Die Tagespost, 17.02.2009)

Hier einige Kostproben aus diesem Buch von 1964, die die aktuellen Vorgänge heute noch haargenau treffen:
"An den Knotenpunkten des Universums der öffentlichen Sprache treten Sätze auf, die sich selbst bestätigen und gleich magisch-rituellen Formen funktionieren." - " Die Sätze nehmen die Form suggestiver Befehle an, sie sind eher evokativ als demonstrativ." - "Die gesamte Kommunikation hat einen hypnotischen Charakter und gleichzeitig einen Anstrich von falscher Vertraulichkeit, das Ergebnis beständiger Wiederholung." - "Sie leugnet oder absorbiert den transzendierenden Wortschatz; sie sucht nicht nach Wahrheit oder Falschheit, sondern setzt sich ein und durch." - "Diese Struktur lässt  keinen Raum für Unterscheidung, Entwicklung und Differenzierung des Sinns." Der Erfolg der zeitgenössischen Mediensprache besteht für Marcuse in der "Fähigkeit, alle anderen Ausdrücke seinen eigenen anzuähneln." Eine solche Sprache spricht für Marcuse "in Kostruktionen, die dem Empfänger einen schiefen und abgekürzten Sinn aufnötigen."

Herbert Marcuse
Massenmedien sind "voller Hypothesen, die sich selbst bestätigen und die, unaufhörlich und monopolistisch wiederholt, zu hypothetischen Definitionen und Diktatenwerden", schreibt Marcuse. Nachdem die der bürgerliche Tradition gegenüber kritisch bis feindlich eingestellten Leser Marcuses der Studentengeneration der sechziger Jahre und ihrer späteren Schülern nach 1968 den Marsch durch die Institutionen geschafft haben, agieren sie längst selbst so, wie es ihr Lehrmeister Marcuse noch scharf kritisiert hat. Eine Art Verspießerung von links. Die "Selbstzerstörung der Aufklärung" sah Theodor W. Adorno am Werk, wo "Kritik in Affirmation" umschlage.

9. August 2015

Menetekel - Ratlosigkeit der Welt


Wenn es heutzutage nicht so bitter herb wäre zu leben um seinen geistigen Lebensraum zu wahren, dann müßten wir uns beglückwünschen, daß uns GOTT in diese Zeit gesetzt hat, die für uns zu einer heiligen, einer hochheiligen Zeit werden kann. - Es ist eine Zeit, die sich eigentlich nur vergleichen läßt mit jenen Zeiten, in denen GOTT, der Herr, unmittelbar eingriff in das Geschick, in das Leben der Völker, in das Leben der Welt, hineingreift mit Seiner GÖTTlichen Hand und nun selbst die Völker und das Leben derselben lenkt und leitet.
Wir sind uns dessen gar nicht bewußt, aber die Menschen nach uns werden uns ansehen, so wie wir heute die ersten Christen ansehen; werden uns ansehen als ein Geschlecht, das vor letzte und allerletzte Entscheidungen gestellt worden ist.
Viele von Ihnen können sich noch jener Zeiten erinnern, da wir in der Jugend lebten, so ganz unbesorgt, wir hatten weiter keine geistigen und religiösen Nöte, wir waren von der Tradition getragen, wir machen es so wie die ganze Welt es eben macht. Das ganze Milieu, in das wir eingebettet waren, es ging alles von selbst wir durften uns einfach der Zeit hingeben im guten Beispiel, der tragenden Kraft der Mitmenschen und man war ein guter Mensch, ein heiliger Christ.
Die Zeiten sind anders geworden! Überlieferung ist für sie ein Wort geworden, das man auch beiseiteschieben kann. Es löst sich heute tatsächlich alles auf in seine letzten Bestandteile. Und wenn wir heute über hundert Jahre hieher sehen könnten, wir würden die Menschen überhaupt nicht mehr kennen! Sind das unsere Ahnen? Sind das die Räume, in denen wir uns bewegten? Reden sie noch in unserer Sprache?
Der Einschnitt, den GOTT heute in die Welt macht, ist so gewaltig wie der Einschnitt, den ER ungefähr machte, als ER Seinen Eingeborenen in die Weit sandte.
Wir können uns vorstellen, was das war, vor CHRISTUS und nach CHRISTUS. Die Welt sagte einfach: Ja, was wollen denn die? Sie hassen nicht, sie sind sanftmütig, sie sehen nicht auf ihren Vorteil, sie lassen sich auf die rechte Wange schlagen und bieten freudig die linke dar. Was sind das für Menschen? Die Welt war einfach starr.
 Und bitte, nehmen wir nicht die ersten Zeichen bereits wahr, daß die Welt vor uns Christen einfach ratlos dasteht? Die Welt als Welt begreift uns Christen nicht mehr. Es ist heute wieder einmal die Zeit der allerletzten Entscheidungen gekommen. Das ist herb zu tragen für die, die es aushalten müssen, für die, an denen sich die Entscheidung vollzieht. - Aber der Finger GOTTES schreibt jetzt in der Zeit! Jetzt sehen wir GOTTES Eingreifen!
(VB 1937)