Diese also "sind nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen
des Mannes, sondern aus Gott geboren". Damit aber die Menschen aus Gott
geboren würden, ist zuerst Gott aus ihnen geboren, denn Christus ist
Gott, und Christus ist aus dem Menschen geboren. Er begehrte wenigstens
eine Mutter auf Erden, weil er einen Vater bereits im Himmel hatte;
geboren aus Gott ist der, durch den wir geschaffen werden sollten;
geboren aus dem Weibe ist der, durch den wir neugeschaffen werden
sollten. Wundere dich also nicht, o Mensch, daß du ein Kind [Gottes]
wirst durch die Gnade, daß du aus Gott geboren wirst nach seinem Worte.
Zuerst wollte das Wort selbst vom Menschen geboren werden, damit du
sicher aus Gott geboren würdest und dir sagtest: Nicht ohne Grund wollte
Gott vom Menschen geboren werden, und zwar aus keinem anderen als weil
er mich einigermaßen für wert hielt, mich unsterblich zu machen und für
mich sterblich geboren zu werden. Darum hat er, gleichsam damit wir uns
nicht wunderten und entsetzten ob einer so großen Gnade, so daß es uns
unglaublich erschiene, daß Menschen aus Gott geboren sind, den Worten:
"sie sind aus Gott geboren", gewissermaßen dich sicher machend, noch
beigefügt: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns
gewohnt". Was wunderst du dich also, daß Menschen aus Gott geboren
werden? Schau hin auf den von Menschen geborenen Gott: "Und das Wort ist
Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt".
"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."
"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"
(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)
"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"
(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)
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28. August 2013
28. August 2012
Im rechten Glauben an Gott glauben
40.
Kein leichtsinniger Mensch lasse sich darum täuschen und glaube Gott
zu kennen, wenn er ihn nur mit einem toten Glauben, d.h. ohne gute
Werke, bekennt, so wie es auch die Teufel machen, und wenn er sich
der festen Hoffnung hingibt, er werde deshalb ins ewige Leben
gelangen, weil ja der Herr sagt: "Das aber ist das ewige Leben,
daß sie dich, den einen wahren Gott, erkennen und den du gesandt
hast, Jesus Christus ." Er soll sich vielmehr auch noch an die
andere Stelle erinnern, wo es heißt: "Daran erkennen wir ihn,
wenn wir seine Gebote halten. Wer aber sagt: Ich kenne ihn, hält
aber seine Gebote nicht, der ist ein Lügner und Wahrheit ist nicht
in ihm ."
Es darf aber nun keiner glauben, seine Gebote umfaßten bloß das
Gebot des Glaubens, eine Behauptung, die auch wirklich noch niemand
aufzustellen wagte. Er selbst hat ja, um nicht durch die Menge der
Gebote die Gedanken zu verwirren, nur gesagt: "An diesen zwei
Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten." Man kann
freilich wohl sagen, die Gebote Gottes bezögen sich bloß auf den
Glauben; aber man darf dann nicht einen toten Glauben, sondern jenen
lebendigen meinen, der durch die Liebe wirksam ist. Später aber hat
Johannes seine
Auffassung selbst mit den Worten näher dargelegt: "Das ist sein
Gebot, daß wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und
einander lieben."
41.
Es ist also von Nutzen, im rechten Glauben an Gott zu glauben, Gott
zu verehren und Gott zu kennen: wir bekommen dann seinen Beistand zu
einem guten Leben und machen uns seiner Verzeihung würdig, wenn wir
sündigen. Nicht aber dürfen wir unbesorgt in Werken verharren, die
er haßt, sondern wir müssen sie aufgeben und zu ihm sprechen: "Ich
habe gesprochen: Herr, erbarme dich meiner, heile meine Seele, weil
ich vor dir gesündigt habe." So können aber diejenigen zu
niemandem sprechen, die nicht an ihn glauben und so sprechen ohne
Nutzen diejenigen, die weit entfernt vom Mittler und darum seiner
Gnade fremd sind. Daher kommen die bekannten Worte im Buche der
Weisheit, für die jene verderbliche Sicherheit wohl keine Erklärung
geben kann: "Auch wenn wir gesündigt haben, sind wir dein."
Denn wir haben einen guten, großen Herrn, der die Sünden des Büßers
heilen kann und heilen will, der es ebenso gut aber auch über sich
bringt, verstockte Sünder zu verderben. Nach den Worten: "Dein
sind wir", heißt es weiter: "Denn wir kennen deine Macht."
Das ist doch gewiß eine Macht, der sich kein Sünder heimlich
entziehen kann. Darum fügt das Buch der Weisheit im unmittelbaren
Anschluß daran bei: "Nicht aber wollen wir sündigen, weil wir
wissen, daß wir dir zugezählt sind. "Wer sich nämlich die
Wohnung bei Gott, zu der alle durch Prädestination bestimmt sind,
die nach seinem Wohlgefallen berufen wurden, würdig vorstellt, der
wird sich gewiß bestreben, ein jener Wohnung entsprechendes Leben zu
führen. Dasselbe sagt auch Johannes: "Dies habe ich euch
geschrieben, damit ihr nicht sündigt; wenn aber einer sündigt, so
haben wir einen Fürsprecher beim Vater, nämlich Jesus Christus den
Gerechten; und dieser selbst ist die Sühne für unsere Sünden."
Dieses schreibt Johannes aber nicht, damit wir in aller Ruhe sündigen
können, sondern damit wir eine etwa begangene Sünde aufgeben und
dann wegen unseres Fürsprechers, den der Ungläubige nicht hat,
keineswegs an der Vergebung verzweifeln.
11. August 2012
Das süße Joch Christi
Manche
wundern sich, wenn sie den Herrn sagen hören: „Kommt alle zu mir,
meine Last ist leicht.“ Denn sie sehen, dass die, die dieses Joch
unerschrocken auf ihren Nacken laden und wirklich auf ihre Schultern
nehmen, von so großen Schwierigkeiten in dieser Welt umher getrieben
und geplagt werden, dass sie nicht von der Mühsal zur Ruhe, sondern
von der Ruhe zur Mühsal gerufen scheinen. Wieso ist dieses Joch mild
und diese Last leicht, wenn dieses Joch und diese Last zu tragen
nichts anderes bedeutet, als gottesfürchtig in Christus zu leben?
Und wieso heißt es: „Kommt alle zu mir, die ihr euch abmüht und
belastet seid, und ich will euch Ruhe geben“? Hieße es nicht
besser: 'Kommt alle zu mir, die ihr müßig seid, auf dass ihr euch
abmühen werdet?' Denn er sucht die Müßigen und führt sie in seinen Weinberg, damit sie die Hitze des Tages ertragen.
Sieh,
welch süßes Joch Christi Paulus getragen hat und welch leichte
Last, dass er alles Schwere und Harte bloß eine „leichte
Bedrängnis“ nannte. Er konnte mit den inneren Augen des Glaubens
erkennen, um welchen Preis der zeitlichen Güter das zukünftige
Leben erkauft werden muss, um ohne jede Unruhe die ewige
Glückseligkeit der Gerechten zu erleben. Die Menschen ertragen es,
mit dem Messer und mit brennender Medizin behandelt zu werden, damit
sie um den Preis heftiger Schmerzen erlöst werden von den Schmerzen,
die ihnen noch nicht einmal eine ewige, sondern nur eine zeitliche,
wenn auch lange Zeit nicht heilende Wunde bereitet.
Alle,
die nicht von der Liebe erfüllt sind, erleiden ihr Schicksal als
Schweres, die aber lieben, scheinen dasselbe Schicksal aber nicht als
Schweres zu erleiden. Denn die Liebe macht alles Harte und
Schreckliche geradezu mild und zu fast nichts.
Quelle: Heiligen
Augustinus, Predigt 70,1-3
19. Juni 2011
De Trinitate
Alle mir erreichbaren katholischen Erklärer der heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testaments, welche vor mir über die Dreieinigkeit, welche Gott ist, schrieben, wollen gemäß der Schrift lehren, daß Vater, Sohn und Heiliger Geist, von einer und derselben Substanz, durch ihre untrennbare Gleichheit die göttliche Einheit bezeugen und daß sie daher nicht drei Götter sind, sondern ein Gott, wenngleich der Vater den Sohn zeugte und daher der Sohn nicht der gleiche ist wie der Vater, wenngleich ferner der Sohn vom Vater gezeugt ist und daher der Vater nicht der gleiche ist wie der Sohn, wenngleich endlich der Heilige Geist weder Vater noch Sohn ist, sondern nur des Vaters und Sohnes Geist, auch seinerseits dem Vater und Sohne gleich und zur Einheit der Dreieinigkeit gehörend. Nicht jedoch sei diese Dreieinigkeit aus Maria der Jungfrau geboren, unter Pontius Pilatus gekreuzigt und begraben worden, am dritten Tage wieder auferstanden und in den Himmel aufgefahren, sondern nur der Sohn. Auch sei nicht diese gleiche Dreieinigkeit in Gestalt einer Taube auf Jesus bei der Taufe herabgestiegen; auch habe sich am Pfingsttage nach der Himmelfahrt des Herrn, als sich vom Himmel her ein Brausen erhob, gleich als wenn ein Sturmwind dahinführe, und Zungen wie von Feuer sich verteilten, nicht diese gleiche Dreieinigkeit auf jeden von den Aposteln niedergelassen, sondern nur der Heilige Geist. Ferner habe nicht diese gleiche Dreieinigkeit vom Himmel her gesprochen: "Du bist mein Sohn", als Christus von Johannes getauft wurde und als er mit den drei Jüngern auf dem Berge war, oder als die Stimme erscholl: "Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen", sondern nur die Stimme des Vaters habe sich an den Sohn gerichtet. Dabei bleibe indes bestehen, daß Vater, Sohn und Heiliger Geist, wie sie untrennbar sind, so auch untrennbar handelten. Das ist auch mein Glaube, weil es der katholische Glaube ist.
Hl. Augustinus: De Trinitate
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