Ich muß ganz frei sein von Weltgeist, ich muß ganz an GOTT hingegeben sein. Ich muß in GOTTES Namen all das, Kreuz und Leid und Schmerz, die wie eine Woge, wie eine Überschwemmung über die Welt gehen, die muß ich in GOTTES Namen über mich hinziehen lassen. ER wird mich schon wieder finden. Aber dann antwortet ER auch. Ich brauche keine Mystik und keine Theorie. Ich brauche gar nichts. Eines kann mir die Theorie nicht geben, diese Lebendigkeit, die die Distanz überwindet, diese Lebendigkeit: "Mein Herr und mein GOTT"! Diese Worte: "Mein GOTT, warum hast DU Mich verlassen?"[Mt 27, 46] die müssen in mir lebendig werden. Ich muß alles tun, damit dieser Kreuzvorgang, dieses Leiden und Sterben so lebendig vor mir steht, und mich ein ganzes Jahr lang nicht mehr losläßt. In dem Augenblick habe ich, was ich wollte; - und wir können uns nicht denken, wieso Gertrud die Große sagt, der Herr habe ihr geoffenbart: "Wer eine Liebe hat zum heiligen Kreuz, den kann Ich nicht vergessen!"
Das sind alles so tiefe Wahrheiten. Die schwierigsten Wahrheiten sind immer die, die einfach sind und der einfache, schlichte Mensch nimmt sie einfach hin. Der hat eben die Kraft des lebendigen Lebens. Er hat keinen Zweifel, es ist ihm alles so lebendig, unendlich wahr und wirklich.
Es gibt für den Christen an sich nur eine Andacht und nur eine Verehrung - das heilige Kreuz. Immer das heilige Kreuz! Es schaut am Ostersonntag anders aus als am Karfreitag, aber eines nur gibt es - das Kreuz! Wenn ich das Kreuz seines Sinnes entkleide, habe ich das Christentum beraubt, verelendet und ärmer gemacht.
Und wie komme ich zum Kreuz? Ich muß vor allem richtig beten, ich muß mich in den Karfreitag hineinleben. Wie gingen diese Prozesse ineinander? Warum wurde ER verurteilt? Wie ist ER gestorben? Das müßte alles ein Gegenstand des lebendigen Interesses sein. Jetzt beschäftigt sich die Medizin wieder stärker damit, woran ist der Göttliche Heiland gestorben, weil ein Gekreuzigter nach drei Stunden kaum sterben kann. Die anderen, die auch gekreuzigt wurden, warum konnten die einige Tage am Kreuz hängen und ER nicht? Woran ist ER gestorben ?
Und das ist es eben, was an den Mystikern so sehr interessiert, ihr lebendiges Erleben des Leidens und Sterbens des Göttlichen Meisters. - Da kommt man zum wahren Beten. Das ist dann erst eigentlich Gebet, GOTT- Vereinigung, dieses lebendige, sprudelnde Erleben des Leidens und Sterbens. Und das rückhaltlos liebende Beten, das müssen wir herauslesen und das ist das Köstliche im ganzen.
Und dazu soll uns das Kreuzesostern bringen, und darum wollen wir auch zusammen den Kreuzweg beten. Man muß dahinter kommen, was das heißt, die Seele muß doch brennen.
In diesen zwei Wochen hört alles Dogmatisieren auf. Es gibt nur ein Wort, die Liebe zum heiligen Kreuz und ganz lebendige Liebe zum Heiland. Und die sollte in uns auch aufflammen können.
VB 1946
"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."
"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"
(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)
"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"
(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)
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20. Februar 2016
5. Januar 2016
Leiden als Lebenswert bejahen
Das Leiden gehört zum Leben, die Betrachtung des Leidens zur Ansicht über das Leben. Wie ich zum Leben stehe, das bedingt meine Leidensschau.
„Alles Leben ist Leiden“, sagt Schopenhauer, und ähnlich könnte Meister Eckehard gesprochen haben. Carl Jaspers hat recht, wenn er in seiner „Psychologie der Weltanschauungen“ das Leiden in den im Leben enthaltenen Grenzsituationen begründet sieht. Sie sind ja mit dem Menschenleben von selbst gegeben. Der Mensch stößt an sie. Er kann über sie nicht mehr hinaus und kann bloß daran vorbeikommen, sie lösen oder daran zerbrechen. Sie sind da, ohne daß der Mensch sie auf die Dauer unreflektiert, grundsätzlich damit einverstanden, hinnehmen könnte. Er muß sie lösen oder daran scheiten.
Dies macht den Menschen immer wieder darauf aufmerksam, daß er, wie sich Jaspers ausdrückt, den antinomischen Charakter der Welt und des Lebens voraussetzen muß, das heißt, er muß voraussetzen, daß mit allem Streben, Wollen, Leben, Elemente verbunden sind, die er nicht will. „Was ist das Leben?“, fragt Trude im Erziehungsroman des gleichen Namens. Es wird zur Antwort gegegben: „ … daß Mächte über den Menschen kommen, die er nicht will.“ So ist es. Es handelt sich also darum, ob der Mensch in den Antinomien stecken bleibt, oder ob er sie überwinden, zu Klarheit und Sicherheit durchstoßen, zur Lösung kommen kann.
Jaspers ist der Ansicht: Wenn der Mensch meint, er könne sie lösen, dann beträfe das immer nur flache Widersprüche, die eben keine letzten Antinomien gewesen seien, aber die wahren blieben immer als unvereinbare Elemente. Das ist gerade die Antinomie: Ein letzter Gegensatz im Dasein, durch den die Existenz entzweit und getragen wird, derart, daß alles im einzelnen nur dann besteht, wenn diese gegensätzlichen Elemente zusammen sind. So hat aber Leben immer das Leiden in sich.
Es fragt sich nun, wie die Menschen auf die Antinomien reagieren. In der Natur de Sache liegt es, daß die auf dreierlei Weise geschehen kann: Die einen zerbrechen daran, die anderen flüchten davor und gehen Umwege, die dritten werden am Leiden groß. Ein vollsittliches Verhalten strebt immer danach, das Leiden als einen Lebenswert zu bejahen, es zu wagen und daran seine Kraft zu erproben.
P. Albert Auer: Leidenstheologie des Mittelalters, S. 9
„Alles Leben ist Leiden“, sagt Schopenhauer, und ähnlich könnte Meister Eckehard gesprochen haben. Carl Jaspers hat recht, wenn er in seiner „Psychologie der Weltanschauungen“ das Leiden in den im Leben enthaltenen Grenzsituationen begründet sieht. Sie sind ja mit dem Menschenleben von selbst gegeben. Der Mensch stößt an sie. Er kann über sie nicht mehr hinaus und kann bloß daran vorbeikommen, sie lösen oder daran zerbrechen. Sie sind da, ohne daß der Mensch sie auf die Dauer unreflektiert, grundsätzlich damit einverstanden, hinnehmen könnte. Er muß sie lösen oder daran scheiten.
Dies macht den Menschen immer wieder darauf aufmerksam, daß er, wie sich Jaspers ausdrückt, den antinomischen Charakter der Welt und des Lebens voraussetzen muß, das heißt, er muß voraussetzen, daß mit allem Streben, Wollen, Leben, Elemente verbunden sind, die er nicht will. „Was ist das Leben?“, fragt Trude im Erziehungsroman des gleichen Namens. Es wird zur Antwort gegegben: „ … daß Mächte über den Menschen kommen, die er nicht will.“ So ist es. Es handelt sich also darum, ob der Mensch in den Antinomien stecken bleibt, oder ob er sie überwinden, zu Klarheit und Sicherheit durchstoßen, zur Lösung kommen kann.
Jaspers ist der Ansicht: Wenn der Mensch meint, er könne sie lösen, dann beträfe das immer nur flache Widersprüche, die eben keine letzten Antinomien gewesen seien, aber die wahren blieben immer als unvereinbare Elemente. Das ist gerade die Antinomie: Ein letzter Gegensatz im Dasein, durch den die Existenz entzweit und getragen wird, derart, daß alles im einzelnen nur dann besteht, wenn diese gegensätzlichen Elemente zusammen sind. So hat aber Leben immer das Leiden in sich.
Es fragt sich nun, wie die Menschen auf die Antinomien reagieren. In der Natur de Sache liegt es, daß die auf dreierlei Weise geschehen kann: Die einen zerbrechen daran, die anderen flüchten davor und gehen Umwege, die dritten werden am Leiden groß. Ein vollsittliches Verhalten strebt immer danach, das Leiden als einen Lebenswert zu bejahen, es zu wagen und daran seine Kraft zu erproben.
P. Albert Auer: Leidenstheologie des Mittelalters, S. 9
8. Februar 2014
Den Angeboten des Herrn entsprechen
Damals
dachte ich nicht, dass man viel leiden müsse, um zur Heiligkeit zu
gelangen. Später, als die Vollkommenheit sich mir enthüllte, habe
ich verstanden, dass man, um eine Heilige zu werden, viel leiden,
stets das Vollkommenere anstreben und sich selbst vergessen muss. Ich
sah ein, dass es viele Grade der Vollkommenheit gibt, und dass jede
Seele frei ist, den Angeboten des Herrn zu entsprechen, wenig oder
viel für Ihn zu tun, kurz, unter den Opfern, die Er verlangt, zu
wählen.
Hl.
Theresia von Lisieux
14. September 2013
Gott verbirgt das Glück im Leid
„Hier
im Westen erlebe ich eine große Leidensscheu bei den Christen. Sie
schämen sich sogar zu sagen, daß sie leiden oder Not haben. Aber
wie sollen diese Christen die Tiefen und damit den Reichtum des
Lebens überhaupt einmal erfassen können? Sie schämen sich, anstatt
das Leben zu nehmen, wie Gott es gibt – sogar die Christen! Man hat
noch nicht entdeckt, wie das Leiden den Menschen bereichert,
verinnerlicht, wie es den Menschen menschlich macht. Aber es ist
nicht nur Scham, es ist auch Unwille. Es ist eine Glücksphilosophie;
der Mensch meint, er habe ein Recht auf Glück, und er weiß gar
nicht, was er sich damit selber für ein Leid antut, denn dieser
Rechtsanspruch auf Glück zerreißt ihn. Er ist wie ein auf die
falsche Bank ausgeschriebener Scheck.
Es
ist vielleicht gut, daß man das Glück sucht. Denn eigentlich
sollten die Christen wirklich die glücklichsten Menschen sein. Aber
wie man und wo man es sucht – darauf kommt es an. Die meisten
mischen da von jedem etwas zusammen: Ein bißchen – nicht zu wenig!
– Geld, etwas Fernsehen, etwas Reisen, etwas Kultur, etwas
Wissenschaft, von allem etwas. Das Haben wird ganz groß geschrieben.
Und so sucht man das Glück an der falschen Stelle. Man versteht nie,
daß Glück mit dem Kreuz verbunden ist.
Gott
verbirgt das Glück im bestehenden Leid, denn wer Leid annimmt,
erlebt darin auch eine besondere Nähe zu Gott, die jedes andere
Glück übersteigt.
Diese
Erfahrung habe ich gemacht. Sie war leichter in Rußland zu machen,
als das KGB mich verhaftete. Ich wußte, daß sie mich eines Tages
verhaften würden. Aber dann kamen sie doch unerwartet, und eine
ganze Welt tat sich mir auf, eine dämonische Welt, in der man schon
siebzig Jahre alles Lebendige tötet, wo die Spezialisten des Mordens
sind. Als man mir sagte: ‚Wir werden Sie in eine psychiatrische
Klinik schicken‘, und ich hörte, wie man anrief und das Auto
anforderte, da habe ich mir vorgestellt, daß mein Leben – nicht
nur mein psychisches, sondern mein psychisches und geistiges Leben –
wirklich an der Grenze zum Tode angelangt war. Nun war das Leiden da.
Ich befand mich in einer Sackgasse. Das war unbeschreiblich schwer zu
ertragen. Und dann habe ich gesagt: ‚Gott, wenn du willst, dann
nimm sogar diese letzte Möglichkeit zu leben von mir.‘ Und ich
kann sagen, daß mich augenblicklich eine ganz andere, eine neue
Energie erfüllte, eine solche Ausstrahlung wirklichen Glücks, daß
ich mich zu nichts mehr durchringen mußte – ich habe mich einfach
geändert. Ich war ein anderer Mensch dort in jenem Zimmer, ein ganz
anderer Mensch. Das war eine solche Gnade, wie ich sie niemals vorher
erlebt hatte.
Man
kann nur wünschen, daß alle Menschen das erleben. Ich glaube, es
ist nicht das Leid – man könnte so viel leiden! Es ist einfach die
Bereitschaft, das Leid anzunehmen, jenes Leid, das Gott einem in der
jeweiligen Stunde zugedacht hat als Gnade. Man soll das Leid nicht
suchen. Aber man soll es aufnehmen als Gnade, die einem von Gott
geschenkt wird.“
7. September 2013
Gesetz der Liebe
„Es ist fast ein Gesetz, daß man, wenn man liebt, leidet und das Leiden nur erträglich ist in der Liebe.“
Tatiana Goritschewa
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