"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."

"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"

(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)
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11. Mai 2014

Trinität und Eucharistie

In der Eucharistie offenbart sich der Plan der Liebe, der die gesamte Heilsgeschichte bestimmt (vgl. Eph 1,10; 3,8-11). In ihr gibt der Deus Trinitas, der in sich selbst die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,7-8), sich gänzlich in unsere menschliche Befindlichkeit hinein. Im Brot und im Wein, unter deren Gestalten Christus sich uns im österlichen Mahl schenkt (vgl. Lk 22,14-20; 1 Kor 11, 23-26), kommt in Form des Sakraments das ganze göttliche Leben zu uns und teilt sich uns mit. Gott ist das vollkommene Mit- und Ineinander gegenseitiger Liebe zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Schon in der Schöpfung empfängt der Mensch die Berufung, in einem gewissen Maß am Lebensatem Gottes teilzuhaben (vgl. Gen 2,7). Doch im gestorbenen und auferstandenen Christus und in der Aussendung des Heiligen Geistes, der unbegrenzt gegeben wird (vgl. Joh 3,34), werden wir der innersten Tiefen Gottes anteilig. Jesus Christus, „der sich selbst kraft ewigen Geistes Gott als makelloses Opfer dargebracht hat“ (Hebr 9,14), teilt uns in der eucharistischen Gabe also das eigene göttliche Leben mit. Es handelt sich um eine absolut vorleistungsfreie Gabe, die allein den Verheißungen Gottes nachkommt und diese über alle Maßen erfüllt. In treuem Gehorsam nimmt die Kirche diese Gabe an, feiert sie und betet sie an. Das „Geheimnis des Glaubens“ ist ein Geheimnis der trinitarischen Liebe, an der teilzuhaben wir aus Gnade berufen sind. Auch wir müssen daher mit Augustinus rufen: „Wenn du die Liebe siehst, siehst du die Trinität.“

Sacramentum Caritatis, Nr.8

15. Juli 2012

Als Abbild Gottes schuf er ihn, Gen 1, 27

Die Väter vergleichen das hervorgehen des Geistes aus dem Vater durch den Sohn mit der Erschaffung Evas aus Adam.
Adam wurde unmittelbar von Gott geschaffen, wie der Sohn unmittelbar vom Vater gezeugt wird. Eva wurde aber von Gott erschaffen, indem er Adam dazu brauchte, sie ging also von Gott und von Adam aus, wie der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht. Adam erscheint als Bild des Vaters, er ist deshalb dem Sohn ähnlich, der auch als Abbild  von diesem ausgeht. Eva ist dagegen ein Abbild des Geistes, da sie von Gott durch Adam geschaffen wurde, wie der Heilige Geist vom Vater durch den Sohn ausgeht. 
Die Tapferkeit und Weisheit des Göttlichen WORTES spiegelt sich in Adam wider, während Eva, die Frau, Milde und Güte des Heiligen Geistes verkörpert. 
Das Gleichnis entspricht mehr der Lehre der Griechen und zeigt sehr schön, wie Gott sein Bild in der Menschlichen Natur uns vor Augen führt. 

Quelle: M.J. Scheeben: Der Heilige Geist, S. 17f