"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."

"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"

(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)
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9. Februar 2014

Josef Pieper - Jugendbewegung


Da war vor allem die Weise, wie ein Solcher in die Welt schaut: Mit einem ganz offenen Blick, der eigentlich nie etwas ‚will’. Nicht will, dass dieses Ding so sei, jenes anders, das dritte überhaupt nicht, dafür aber alles so und so. [...] Dieser Blick tut keinem Ding Gewalt an. Denn es gibt ja doch eine Gewalttätigkeit schon in der Weise des Sehens. Es gibt eine Art, die Dinge ins Auge zu fassen, die auswählt, weglässt, unterstreicht und abschwächt. [...] Der Blick aber, den ich hier meine, hat Ehrfurcht, die Dinge sein zu lassen, was sie in sich sind.

Romano Guardini                        Quelle

5. Januar 2013

Schwermut


Zu 1 Joh 3, 20: GOTT weiß alles!

Die schlimmste Anklage des Herzens aber ist jene, die aus der Schwermut aufsteigt, und vielleicht ist sie es, die Johannes eigentlich meint. Sie ist ebenso unfaßbar, wie bedrängend. Sie sagt nicht: Das hast du getan, oder: das war verkehrt, sondern: alles ist verfehlt. Deswegen ist der Verstand gegen sie so wehrlos, denn um erwidern zu können, braucht er eine deutliche Aussage; hier aber ist alles unbestimmt … Auch der Wille kann wenig tun, denn alles scheint versperrt, und das Wollen ist gelähmt … In dieser Anklage verlieren die Dinge ihren Sinn; nichts schein die Mühe zu lohnen. Kein Mensch scheint etwas von einem zu halten; jeder feindlich gesinnt zu sein oder gleichgültig oder was sonst hinter den nicht mehr lesbaren Gesichtern lauern mag …
In der Schwermut geht vieles durcheinander: ortlose Sehnsucht; Gefühl, das Wichtigste verloren zu haben; Traurigkeit, nicht über etwas Bestimmtes, sondern Traurigkeit überhaupt; dunkle Flut, in der alles untergeht, was schön und freudig und hoffnungsvoll ist. Alles wird zu einer inneren Schwere, die jede geistige Initiative lähmt, ja bis zum Gefühl körperlicher Last gehen kann.
In diese Stunde redet das johanneische Wort – gerade deshalb, weil es nicht prüft und unterscheidet, weder Gründe noch Möglichkeiten anbietet, die in der dunklen Wirrnis des schwermütigen Zustandes sofort untergehen würden. Eine Nähe bietet sich an, eine Hand, die den Schwermütigen von sich selbst wegführt und freier macht.“
Romano Guardini: Johanneische Botschaft, S. 88


15. November 2012

Er hat mir geholfen


Es bedeutet einen entscheidenden schritt in der Christlichkeit, dass man sich entschließt, die Worte der Heiligen Schrift genau zu nehmen, wie sie dastehen. Es ist tief glaubwürdig, wenn das Wort sagt: Tu anderen Gutes mit dem Geld, das so tief mit Unrecht durchtränkt ist, damit dann, wenn du hinüberkommst und im Licht Gottes stehst, wo du dich nirgends bergen kannst, wo alle Klugheiten zusammenfallen und alle Schutzwehren verschwinden, einer komme und sage: Lass ihn ein in die Wohnungen, die beim Vater sind; er hat mir geholfen. - Wenn man den ethischen und sonstigen Hochmut ablegt und die eigene Armseligkeit fühlt, dann tut es sehr gut, sich an die heilige Kraft dieses Gedankens zu halten“

9. September 2012

18. November 2011

Loslösung


Der Weg, auf dem der Mensch das falsche Selbstsein abtut und in das eigentliche hineinwächst, ist jener, den die Meister des inneren Lebens die Loslösung nennen. Der Heilige ist jener, in welchem das erste Selbst ganz überwunden und das zweite frei geworden ist. Dann ist der Mensch einfach da, ohne sich zu betonen. Er ist mächtig, ohne sich anzustrengen. Er hat kein Begehren mehr und keine Angst. Er strahlt aus. Um ihn her treten die Dinge in ihre Wahrheit und ihre Ordnung ... Der Mensch ist offen geworden für Gott. Und, wenn man es so ausdrücken kann: durchlässig für Gott. Er ist »Türe«, durch welche Seine Macht in die Welt einströmen, Wahrheit und Ordnung und Frieden schaffen kann.

Romano Guardini