"Minimum quod potest haberi de cognitione rerum altissimarum, desiderabilius est quam certissima cognitio, quae habetur de minimis rebus."

"Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen"

(Thomas von Aquin: I, 1, 5 ad 1)

18. August 2012

17. August 2012

Askese des Erkennens

Es ist uns heutigen Menschen, die wir der Meinung sind, man brauche, um die Wahrheit zu erkennen, nur seinen Kopf mehr oder weniger anzustrengen, und die wir den Begriff einer Askese des Erkennens kaum noch für sinnvoll halten – es ist uns auch der sehr innige Zusammenhang aus dem Bewusstsein verschwunden, der das Erkennen der Wahrheit an die Bedingung der Reinheit knüpft. Thomas sagt, die erstgeborenen Tochter der Unkeuschheit sei die Blindheit des Geistes. Die Wahrheit erkennen kann nur, wer nichts für sich selbst will, wer nicht unsachlich „interessiert“ ist. Ein unreiner, selbstisch entarteter Genusswille dagegen zerrüttet sowohl die Entscheidungskraft wie auch das innerste Vermögen der Seele, schweigend aufzumerken auf die Sprache der Wirklichkeit.

Josef Pieper
 

13. August 2012

Tapferkeit und Hoffnung

Es ist leicht, sich einzubilden, man hoffe auf das Ewige Leben; schwer aber ist es, inmitten der Versuchungen zur Verzweiflung wirklich zu hoffen. In der Situation äußester Tapferkeit erweist es sich, ob die Hoffnung echt ist. Niemand weiß tiefer als der wirklich Tapfere, dass und wieso Hoffnung „Tugend“ ist und also nicht leichthin und sozusagen kostenlos „zu haben“; niemand erfährt deutlicher, dass die Hoffnung auf das Ewige Leben Gnade ist.

Josef Pieper 

11. August 2012

Mazzaferrata: Sonata No 1 op. 5.

Das süße Joch Christi

Manche wundern sich, wenn sie den Herrn sagen hören: „Kommt alle zu mir, meine Last ist leicht.“ Denn sie sehen, dass die, die dieses Joch unerschrocken auf ihren Nacken laden und wirklich auf ihre Schultern nehmen, von so großen Schwierigkeiten in dieser Welt umher getrieben und geplagt werden, dass sie nicht von der Mühsal zur Ruhe, sondern von der Ruhe zur Mühsal gerufen scheinen. Wieso ist dieses Joch mild und diese Last leicht, wenn dieses Joch und diese Last zu tragen nichts anderes bedeutet, als gottesfürchtig in Christus zu leben? Und wieso heißt es: „Kommt alle zu mir, die ihr euch abmüht und belastet seid, und ich will euch Ruhe geben“? Hieße es nicht besser: 'Kommt alle zu mir, die ihr müßig seid, auf dass ihr euch abmühen werdet?' Denn er sucht die Müßigen und führt sie in seinen Weinberg, damit sie die Hitze des Tages ertragen.

Sieh, welch süßes Joch Christi Paulus getragen hat und welch leichte Last, dass er alles Schwere und Harte bloß eine „leichte Bedrängnis“ nannte. Er konnte mit den inneren Augen des Glaubens erkennen, um welchen Preis der zeitlichen Güter das zukünftige Leben erkauft werden muss, um ohne jede Unruhe die ewige Glückseligkeit der Gerechten zu erleben. Die Menschen ertragen es, mit dem Messer und mit brennender Medizin behandelt zu werden, damit sie um den Preis heftiger Schmerzen erlöst werden von den Schmerzen, die ihnen noch nicht einmal eine ewige, sondern nur eine zeitliche, wenn auch lange Zeit nicht heilende Wunde bereitet.

Alle, die nicht von der Liebe erfüllt sind, erleiden ihr Schicksal als Schweres, die aber lieben, scheinen dasselbe Schicksal aber nicht als Schweres zu erleiden. Denn die Liebe macht alles Harte und Schreckliche geradezu mild und zu fast nichts.

Quelle: Heiligen Augustinus, Predigt 70,1-3

8. August 2012

Heilung

Worin besteht diese tiefe Heilung, die Gott durch Jesus wirkt? Sie besteht in einem wahren, vollständigen Frieden, der Frucht der Aussöhnung des Menschen mit sich selbst und in all seinen Beziehungen ist: mit Gott, mit den anderen, mit der Welt. Tatsächlich versucht der Widersacher unaufhörlich, das Werk Gottes zu zerstören und Zwietracht im Herzen des Menschen zu säen, zwischen Leib und Seele, zwischen dem Menschen und Gott, in den zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen und internationalen Beziehungen und auch zwischen dem Menschen und der Schöpfung. Der Widersacher sät Krieg; Gott schafft Frieden. 

Papst Benedikt XVI, 22.7.12